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Job-Sharing im Gemeinderat

Job-Sharing im Gemeinderat

AUW BEI PRÜM. Die Schneifel-Gemeinde Auw ist weiter auf der Suche nach einem neuen Ortsbürgermeister. Nachdem Paul Fuchs nach zehnjähriger Amtszeit nicht mehr kandidierte, bleibt der Posten auch zweieinhalb Monate nach der Kommunalwahl auf unbestimmte Zeit vakant.

627 Einwohner, rund 300 Arbeitsplätze. Und trotzdem: Die Gemeinde Auw bleibt vorläufig ohne Ortsbürgermeister. Auch bei der konstituierenden Ratssitzung fand sich niemand, der die Nachfolge von Paul Fuchs antreten wollte. "Es war nicht das erste Treffen der neuen Gemeinderatsmitglieder", schreibt Fuchs im Gemeindeblatt "Über Berg und Tal". "Bereits mehrfach seien nach der Wahl Sondierungsgespräche gewesen, um einen neuen Gemeindechef zu finden. "Es stellte sich dabei aber schnell heraus, dass zwar alle ein reges Interesse an den Geschicken der Gemeinde haben, die meisten aber nur über eine sehr begrenzte Zeit zur Ausübung ihres Mandats verfügen", erklärt Fuchs, der sein Amt nach zehnjähriger Amtszeit zur Verfügung stellte wollte. Auch der Versuch von Verbandsgemeinde-Bürgermeister Aloysius Söhngen, für die Gemeinde einen neuen Ortschef zu finden, schlug fehl. Fuchs: "Auch er musste einsehen, dass die Argumente der einzelnen Kandidaten, das Amt des Ortsbürgermeisters in der sich darstellenden Form zu übernehmen, fundiert waren", schreibt Paul Fuchs.Gemeinderat mit Kompromiss

Damit die Auwer auch künftig aus der Ortsgemeinde heraus verwaltet werden können, einigte sich der neue Rat auf einen Kompromiss: Danach wird die Gemeinde für eine Übergangszeit von zunächst rund drei Monaten von einem Vier-Personen-Gremium geleitet, das sich die Aufgaben teilt. Inzwischen wurden die Hauptsatzung geändert und drei Beigeordnetenposten installiert. Erster Beigeordneter ist Peter Eichten. Er hat bei der Wahl am 13. Juni die meisten Stimmen zum Einzug in den Rat erhalten. Eichten ist fortan für Gemeindestraßen und Wirtschaftswege zuständig, zudem betreut er die Gemeindearbeiter und den Bauhof. Seine Aufgabe ist es zudem, den Rat zu leiten. Zur Zweiten Beigeordneten wurde Anna Hacken gewählt. Sie kümmert sich fortan um die Anliegen der Bürger, betreut das Gemeindehaus sowie andere Gemeindeanlagen, wie beispielsweise den Friedhof und die Grillhütte. Dritter Beigeordneter ist Josef Rodemers, der die Zuständigkeit für Satzungs- und Bauangelegenheiten übernimmt. Außerdem ist bei ihm die Vermarktung des Wohnbau- und Gewerbegebiets angesiedelt. Als viertes Mitglied im Auwer Führungsquartett hat sich Petra Margraff der Schreibarbeiten und der Gemeindepost angenommen. Nach den Worten von Wolfram Probst, Büroleiter bei der Verbandsgemeindeverwaltung Prüm, kommt das Thema Bürgermeisterwahl wieder auf die Tagesordnung, sobald sich ein Kandidat gefunden hat. "Dies ist hoffentlich bald", sagte Probst, der einräumte, dass sich das Prozedere im Extremfall bis zur nächsten Kommunalwahl hinziehen könnte.Beauftragte als Notlösung

Der Verwaltungsmann verwies zudem auf einige Gemeinden in Rheinland-Pfalz, in denen sich noch nicht einmal Beigeordnete gefunden hätten. In diesen Fällen müssten die Dörfer dann von Beauftragten der Kreise verwaltet werden. Ob es sich dabei um einen Trend handelt? Wolfram Probst: "Schwer zu sagen. Aber es wird jedenfalls nicht einfacher, Leute zu finden." Dies bestätigt natürlich auch Paul Fuchs. Bereits bei der Abgabe der Wahlvorschläge im Mai habe ihn "tiefes Unbehagen befallen", als sich lediglich 15 Kandidaten in zwei Wählergruppen für den Gemeinderat beworben hätten. Vor fünf Jahren seien es noch 40 Personen in vier Wählergruppen gewesen. "Es ist schon erschreckend zu beobachten, mit welcher Gleichgültigkeit sich unsere Gemeindemitglieder in die Situation begeben, keinen eigenen Gemeinderat und damit keine eigene Verwaltung zu besitzen", beklagt sich Auws Ex-Bürgermeister Paul Fuchs. Man dürfe sich demnach nicht wundern, wenn den Gemeinden in Rheinland-Pfalz so auch noch der Rest der kommunalen Selbstverwaltung genommen werde. Fuchs: "Dieses Verhalten leistet allen Vorschub, die eine Gebietsreform fordern und eine Auflösung der Gemeinden unter 5000 Einwohnern."