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Musikverbände hauen auf die Pauke

Musikverbände hauen auf die Pauke

Die Kreismusikverbände Bitburg-Prüm und Vulkaneifel sind sich einig: So kann es auf Dauer nicht weitergehen. Der demografische Wandel und die ständig reduzierten Fördermittel machen den Musikvereinen das Leben deutlich schwerer. Vorschlag der Verbände: ein Kulturfördergesetz für Rheinland-Pfalz.

Bitburg/Prüm/Daun. Ob an Sankt Martin, bei Prozessionen oder das Ständchen zur Goldhochzeit - bislang waren die Einsätze der örtlichen Musikvereine bei dörflichen Traditionsfesten eine gern gesehene Selbstverständlichkeit. Doch das Fundament, auf dem sie stehen, wackelt. Den Vereinen gehen nicht nur die aktiven Mitglieder aus, bürokratische Hürden, mangelnde Anerkennung des Ehrenamts und sinkende Fördermittel machen ihnen zusätzlich das Leben schwer.Große Nachwuchsprobleme


Der Landesmusikrat Rheinland-Pfalz hat nun zwölf musikpolitische Forderungen für eine Verbesserung der Situation der Musik in Rheinland-Pfalz an die zukünftige Landesregierung gestellt. Die Kreismusikverbände (KMV) Bitburg-Prüm und Vulkaneifel unterstützen diese Forderungen.

Josef Freichels, Vorsitzender des KMV Bitburg-Prüm, erklärt, warum: "Wir haben jetzt schon große Nachwuchsprobleme. Es gibt bereits die ersten Musikvereine, die nicht mehr spielfähig sind und mit anderen kooperieren müssen. Es besteht die Gefahr, dass zukünftig die dörflichen Traditionen in manchen Orten wegfallen." Durch die "Verdichtung des Lebensalltags" beobachten er und seine Kollegen einen Rückgang der ehrenamtlich Tätigen. "Dieser Trend wird durch gekürzte Förderungen und fehlende Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements noch verstärkt", bekräftigt Freichels.

"Manche Vereine sind schon jetzt nicht mehr in der Lage, ihre Dirigenten zu bezahlen", sagt er. Das liege unter anderem auch daran, dass die Feste nicht mehr so gut besucht würden wie früher und dadurch die Einnahmen zurückgingen. Ein weiteres Problem sei auch, dass es nicht überall gute Kooperationen mit den Schulen gebe. Dort werde oft das Fach Musik nur noch gelehrt, weil es der Lehrplan erfordere, es gebe aber immer weniger Fachkräfte, beobachtet Freichels. Und dann kämpfen die Vereine mit immer höheren bürokratischen Anforderungen. "Selbst der kleinste Musikverein wird durch den ganzen Papierkram enorm belastet, muss Statistiken erstellen und so weiter", sagt Johann Diederichs, Vorsitzender des KMV Vulkaneifel. Es gebe Musikvereine, die händeringend auf der Suche nach Vorsitzenden seien, aber keinen mehr fänden.

Abhilfe schaffen könnte ein Kulturförderungsgesetz, ähnlich dem Sportförderungsgesetz, das es seit 1975 gibt. Davon erhofft man sich, dass die Arbeit der Musikvereine vor Ort gesichert wird.

"Wir können uns kein Vereinsheim hinstellen und einen Platz mit Flutlicht. Wir müssen sehen, wie wir an unser Geld kommen. Ich gönne den Sportvereinen das, aber es ist für uns als Vereinsvorsitzende schon frustrierend, zu sehen, wie die Sportvereine im Gegensatz zu den Musikvereinen gefördert werden", sagt Diederichs. In Bayern und Baden-Württemberg sei das noch anders, da habe die Blasmusik einen anderen Stellenwert als in Rheinland-Pfalz. "Da wird man blass, wenn man die Zahlen sieht. Da kann man schon neidisch werden", sagt er. Eine gezielte Kulturförderung diene dem Wohl aller Bürger und stärke die Identität jeder Region, betont Freichels. "Die Erfolge sind nur mit einem enormen Kraftaufwand der Ehrenamtlichen zu bewältigen. Von amtlicher Seite steht dem leider nur der Leistungsabbau gegenüber. So kann es nicht weitergehen. Wir erwarten von der neuen Landesregierung dringend Entlastung", betont der Vorsitzende.Meinung

Hilferuf hören
Die Musikverbände schlagen Alarm. Sie leiden unter bürokratischen Hürden, Nachwuchsproblemen, Geldsorgen. Das Kulturförderungsgesetz wäre eine gute Idee, um Abhilfe zu schaffen. Doch die neue Landesregierung wird zunächst wahrscheinlich andere Baustellen beackern, bevor sie sich dieser Thematik zuwendet. Die Zeit haben die Vereine aber nicht. Das Nachwuchsproblem könnten sie mit den Schulen und Kindergärten selbst versuchen zu lösen. Eine gute Kooperation ist für beide Seiten befruchtend. So kämen Kinder niederschwellig mit den Angeboten der Musikvereine in Kontakt und entscheiden sich vielleicht durch das Kennenlernen im Unterricht oder im Kindergarten für das Erlernen eines Instrumentes. An vielen Schulen im Kreis klappt das bereits hervorragend. Da sollten andere Einrichtungen nachziehen. s.glandien@volksfreund.deExtra

Im Kreismusikverband (KMV) Bitburg-Prüm gibt es 75 Musikvereine mit 3031 Aktiven, davon sind 1000 jünger als 18 Jahre. Im KMV Vulkaneifel sind es 44 Musikvereine mit 1500 Aktiven, davon sind 382 jünger als 18 Jahre alt. Der KMV Bitburg-Prüm hat im Jahr 2015 rund 5500 Euro Zuschüsse vom Landesmusikverband Rheinland-Pfalz erhalten. Die Höhe dieser Zuschüsse hängt ab von den Projekten und Lehrgängen, die der KMV anbietet. Der Landesmusikverband erhält vom Land eine staatliche Förderung. Diese sei in den beiden vergangenen Jahren erheblich reduziert worden, sagt Josef Freichels, Vorsitzender KMV Bitburg-Prüm - von rund 110 000 Euro auf rund 70 000 Euro. Die Ausgaben für Kultur pro Einwohner im Vergleich: Rheinland-Pfalz: 60,71 Euro, Baden-Württemberg: 97,34 Euro, Hessen 97,03 Euro. Der Durchschnitt aller Bundesländer liegt bei 96,61 Euro. Rheinland-Pfalz liege also mit seinen Kulturausgaben weit unterhalb des Bundesdurchschnitts, sagt Freichels. sn