Parkplätze in Bitburg: Erst weniger und am Ende sogar mehr

Verkehr : Parkplätze in Bitburg: Erst weniger und am Ende sogar mehr

Bei der Neugestaltung von drei Plätzen in der  Innenstadt fallen Parkplätze weg. Gewerbetreibende und Anwohner sind dagegen. Es gibt  Alternativen.

Das Ergebnis einer Rechenaufgabe lässt wenig Spielraum für Interpretationen. Das Resultat ist entweder richtig oder  falsch. Bei der Rechnung, die in der öffentlichen Sitzung des Planungsdialogs aktive Innenstadt präsentiert wird, verhält es sich zunächst nicht anders.

Rechnet man alles zusammen und zieht man an den entsprechenden Stellen wieder etwas ab, dann kommt man auf das gleiche Ergebnis wie Ralf Mayeres. Der für die Gestaltung der Innenstadt zuständige Mitarbeiter der Stadtverwaltung hat die Parkplatzsituation untersucht. Er hat geschaut, wie viel Pkw-Stellplätze derzeit in der Innenstadt vorhanden sind und wie viele davon im Zuge der geplanten Umgestaltung der beiden Plätze Grüner See und Am Markt sowie des Platzes um die Liebfrauenkirche wegfallen würden.

Laut  Mayeres   gibt es  in der Innenstadt inklusive Parkhaus Annenhof 458 Parkplätze. Rechnet man dann noch den Randbereich (Südschule, die beiden anderen Parkhäuser, den Parkplatz der Brauerei sowie Gören- und Karenweg) hinzu, kommt man auf 823 Plätze. Zieht man davon wiederum das ab, was entsprechend der Planungen zu den drei Plätzen an Parkraum verschwinden würde, landet man bei 765 Plätzen.  Unterm Strich würden am Ende  58 Plätze fehlen.

Weil es dagegen seitens des Gewerbevereins, der Anlieger und auch der Bitburger Brauerei, aber auch aus den Reihen der Fraktionen Protest gab, hat die Stadtverwaltung nach Rücksprache mit den  für die Gestaltung der Plätze zuständigen Planungsbüros Alternativvorschläge erarbeitet.

Demnach ließe sich der Bestand am Markt  (43 Plätze) nahezu komplett erhalten. Dort würden höchstens zwei Plätze wegfallen. Beim Grünen See (53) würden je nach Variante elf oder 14 Plätze verschwinden. Und bei der Liebfrauenkirche (32) wären es vier bis acht Plätze. Statt 58 wären es am Ende also – je nach gewählter Variante – nur 15 bis maximal 24 Parkplätze weniger.

Ergänzend dazu hat die Stadt geschaut, wo sie zusätzlichen öffentlichen Parkraum erschließen könnte  wie in der Peterstraße, in der Sackgasse gegenüber der Liebfrauenkirche und auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses Müller & Flegel. Dort stehen derzeit 25 Plätze zur Verfügung, die  für die Brauerei reserviert sind. Diese könnten aber nach Rücksprache  künftig von der Stadt bewirtschaftet werden. Hinzu kommen  25 Plätze im unteren, derzeit nicht zur Verfügung stehenden Bereich des Geländes.

In der Peterstraße könnten acht gebührenpflichtige Plätze geschaffen werden und in der Sackgasse  28. Dort befindet sich ein Parkplatz, den das Modehaus Messerich der Öffentlichkeit derzeit kostenlos zur Verfügung stellt. Wie Mayeres erklärt, hat sich Modehaus-Geschäftsführer Lars Messerich dazu bereit erklärt, den Parkplatz der Stadt teilweise zu überlassen. So könnten in der Innenstadt und im Randbereich weitere 64 bis 78 Plätze geschaffen werden.

Und rechnet man dann noch die 114 Plätze hinzu, die durch  Abriss und Neubau des Parkhauses Annenhof zusätzlich entstehen sollen, kommt man  in der Innenstadt und im Randbereich auf rund 1000 bewirtschaftete Plätze.

Gegenüber der jetzigen Situation würde sich das öffentliche Parkraumangebot also um gut 170 bis 180 Plätze erhöhen. Was aus dieser Rechnung  nicht hervorgeht, ist die Tatsache, dass ein Teil der Parkflächen, die von der Stadt zukünftig bewirtschaftet werden sollen, bereits jetzt genutzt wird. „Die Parkplätze, die von der Brauerei übernommen werden sollen, sind ja schon da und auch immer voll belegt“, sagt Stefan Bohl, Mitglied des Gewerbevereins und zudem Betreiber einer Marketingagentur im Geschäftsgebäude an der Ecke von Römermauer und Görenweg. Und Lothar Weis, Mitglied des Verwaltungsrats der Pfarrei Liebfrauen, ist der Meinung, dass die Plätze im unteren Bereich des Müller-&-Flegel-Geländes „niemals angenommen werden“. Zudem sei der Messerich-Parkplatz ebenfalls permanent belegt, sagt Weis.

Letzteres stellt Mayeres nicht in Frage. Er und auch Erich Grün, Leiter des Ordnungsamts, sind aber überzeugt, dass sich das mit der Übernahme der Bewirtschaftung durch die Stadt ändern wird. Derzeit werde das kostenfreie Angebot  überwiegend von Dauerparkern wie beispielsweise Schülern des Gymnasiums genutzt. Und das, so Grün, werde sich zwangsläufig ändern, wenn dort ein Parkautomat stehe.

Edgar Bujara, Vorsitzender des Gewerbevereins, findet es gut, dass die Verwaltung Lösungsvorschläge für das Parkplatzdilemma erarbeitet hat. Er hofft nun, dass das Konzept in der kommenden Woche auch die Unterstützung im Stadtrat findet. „Ich sehe allerdings zwei riesige Probleme auf uns zukommen“, ergänzt Bujara. Das eine sei das fehlende Parkplatzangebot während der Umbauaktivitäten an den drei Plätzen und das andere sei die Bit-Galerie. Wenn dort nämlich die Bauarbeiten begännen, gehe zusätzlicher Parkraum über eine längere Zeit verloren. Ein weiterer Knackpunkt, auf den in der Sitzung des Gestaltungsdialogs ebenfalls mehrfach hingewiesen wird, ist das Parkhaus Annenhof. Bevor dort nämlich ein neues Parkhaus mit 330 Plätzen gebaut werden kann, muss erst einmal das jetzige Gebäude mit seinen 216 Plätzen verschwinden. Diese Plätze fehlen dann auch  in der Zwischenzeit.

Er könne sich vorstellen, dass man dann zum Beispiel übergangsweise den Schotterplatz im Ostring nutze und gegebenenfalls einen Shuttle-Service zwischen Ostring und Innenstadt einrichte, meint dazu Bürgermeister Joachim Kandels. Eine andere Möglichkeit sei, das von der Stadt gekaufte ehemalige Aldi-Gebäude in der Gartenstraße schon mal abzureißen, um dort ebenfalls einen provisorischen Parkplatz zu schaffen, so Kandels. Es finde sich sicher eine Lösung, sagt er. „Da muss man auch mal kreativ sein.“

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