Unwetter in der Eifel: Viele kämpfen mit den Folgen

Unwetter : Was das Wasser in der Eifel alles mitnahm - Viele kämpfen mit den Folgen (Fotos/Videos)

Nach dem Unwetter von Freitag zeigt sich immer mehr, wie heftig die Fluten in der Eifel wüteten. 2600 Meldungen registrierte der Krisenstab.

Eifel unter Wasser – nach dem Unwetter sind zwar überall die Pegel wieder nahezu auf Normalstand gesunken. Aber in vielen Orten haben die Freitagsfluten erheblichen Schaden angerichtet.

Etwa am Campingplatz Heilhauser Mühle zwischen Waxweiler und Lünebach: große Teile der Anlage – weggeschwemmt. „60 Prozent sind momentan nicht benutzbar“ sagt Eigentümer Walter Tautges. „Das war kein Hochwasser. Das war eine Flut“, sagt sein Sohn Bastian. „So was hab ich noch nie gesehen.“ Wohnwagen wurden wie Würfel durcheinandergeworfen, davongetragen, zerstört. Auch einige der Bungalows: aus den Verankerungen gerissen und kaum noch zu gebrauchen. Auch die Stromanlage und die Anschlüsse an die Stellplätze seien zerstört, sagt Tautges.

Land unter im Bleialfer Besucherbergwerk Mühlenberger Stollen: Es ist wegen Hochwasserschäden bis auf weiteres geschlossen. Foto: tv/BILD: Druckenmueller

„Es sieht schlimm aus. Wir machen das jetzt seit 50 Jahren. Wir haben auch schon Hochwasser erlebt. Aber Wohnwagen sind noch nie weggeschwemmt worden.“ Das Resultat: „ein immenser Schaden“. Zumal nun wohl etliche Camper aufgeben würden. Ist der Betrieb zu retten? „Wir versuchen es“, sagt Walter Tautges. Erster Schritt: „Am Freitag machen wir den Landgasthof wieder auf“, sagt Bastian Tautges.

Durch das Unwetter völlig zerstört: der Schießstand des Schützenvereins Körperich. Foto: tv/Günter Müller
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Etwa 30 Kilometer entfernt steht der Körpericher Peter Fisch vor einem Trümmerhaufen. Und zwar im wörtlichen Sinn: Der Schießstand des Schützenvereins ist unter Geröll begraben. Ein Rinnsal hatte sich in einen reißenden Strom verwandelt und einen Wall niedergerissen. „Zig Hundert Kubikmeter Erde“ bedecken die Anlage. Das Schützenhaus steht voll Wasser. Den Schaden beziffert der Jugendleiter auf rund 40 000 Euro. Das wären dann 1000 Euro für jeden der 40 Schützen – für die Ehrenamtlichen kaum zu stemmen. Fisch gibt zu: Auch er habe ans Aufgeben gedacht. „Aber wir haben so viele engagierte Jugendliche. Das können wir nicht wegwerfen.“

Auf dem Campingplatz Heilhauser Mühle sind zahlreiche Wohnwagen, Bungalows und vieles mehr zerstört. Foto: Fritz-Peter Linden

Also will der Verein beraten, wie die Kosten für die Sanierung zu finanzieren sind. „Ein paar Tausend Euro könnten uns schon helfen“, sagt Fisch. Vieles sei ja in Eigenleistung zu machen. Klar, dass ihm vor allem die jungen Schützen am Herzen liegen. Er plädiert daher dafür, den kleinen Schießstand zuerst auf Vordermann zu bringen. Sein Ziel: die Jugend-Anlage bis August wieder hinzubekommen. Denn dann laden die Körpericher belgische Vereine zum Freundschaftsschießen ein.

Campingplatz Heilhauser Mühle: Der angeschlossene Landgasthof serviert derzeit nichts – am Freitag wird er wieder geöffnet. Foto: Fritz-Peter Linden
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Das Hochwasser hat auch den Hopfenanbaubetrieb Hof Dick in Holsthum erwischt. „Es ist Schaden entstanden, wie hoch der ist, kann ich noch nicht sagen“, sagt Andreas Dick. Jetzt müsse aufgeräumt werden. „Zunächst werden wir die Gerüste auf ihre Standfestigkeit hin überprüfen.“ Bei den Hopfenranken, die am Boden liegen, sei er guter Dinge, dass er sie retten könne. Von seinen rund 80 000 Pflanzen seien 600 bis 1000 betroffen. „Die Reben müssen jetzt wie eine Jungpflanze neu angeleitet werden. Das bedeutet, dass wir Drähte spannen, um den Hopfen vom Boden wegzubekommen.“ Viel Pflegearbeit sei nötig, damit die Pflanzen im nächsten Jahr wieder voll im Ertrag stehen. „Man muss nach vorne blicken, es geht weiter“, sagt er.

Noch viel zu tun: Aufräumarbeiten am Campingplatz Heilhauser Mühle. Foto: Fritz-Peter Linden

Dramatisch waren die Ereignisse auch in Bleialf: In der kleinen Siedlung „Hamburg“, sagt Gemeinderatsmitglied Willi Leinen, hätten einige Hausbewohner „in ihren Betten bis zu den Schultern im Hochwasser“ gesessen. Sie mussten von der Feuerwehr gerettet werden – „durch eingeschlagene Fenster“.

Ganze Inneneinrichtungen sind zerstört. „Es ist unmenschlich, was da unten passiert ist“, sagt auch Theo Ernzer, Ex-Bürgermeister im Nachbarort Mützenich und langjähriger Betriebsleiter im Bleialfer Besucherbergwerk. „Die Leute stehen vor dem Nichts.“ Mannshoch habe das Wasser im Bergwerk gestanden: „In absehbarer Zeit ist das nicht mehr zu gebrauchen.“ Auch am anderen Ortsende von Bleialf wüteten die Fluten. Beim Gasthaus „Weltenbummler“ sei „ein ganzer Hang runtergekommen und ist da reingeschwemmt“.

Wegen des Hochwassers fiel am Samstag auch der Naturpark-Wandertag am Biersdorfer Stausee aus. „Das war wirklich höhere Gewalt“, sagt Daniela Torgau, Geschäftsführerin des Zweckverbands Naturpark Südeifel. „Ob und wann der Wandertag nachgeholt wird, kann ich noch nicht sagen.“

Nach den Unwettern müssen auch der Prümtal-Radweg und der Eifel-Ardennen-Radweg auf einigen Abschnitten gesperrt werden, wie Manfred Schuler von der Verbandsgemeinde Prüm mitteilt. Das gelte für den Prümtalradweg zwischen dem Bahnhof Pronsfeld und Lünebach und für den Eifel-Ardennen-Radweg im Abschnitt Heltenbacher Mühle und zwischen Ihren und Bleialf. Auch der Tunnel in Bleialf sei nicht zu befahren. In Winterspelt-Ihren riss das Wasser zudem eine Radweg-Brücke fort, sagt Horst Lenz von der Feuerwehr: „Da weiß man, was da los war.“

Etliche Straßen wurden im Unwetter beschädigt. Die Wassermassen spülten Bankette fort, wie ein Sprecher des Landesbetriebs Mobilität sagt. Darum werden die K 3 zwischen Ammeldingen und Niedersgegen, die K 118 zwischen Kesfeld und der L 1, sowie die K 108 zwischen Habscheid und Hollnich, mindestens eine Woche dicht bleiben. Die Sanierung werde geschätzt mehrere Hunderttausend Euro kosten.

Doch nicht nur die Straßenplaner sind betroffen, sondern auch viele Eifeler Unternehmen. Die Prümtaler Mühlenbäckerei in Lünebach stand unter Wasser, alle Lieferungen am Wochenende fielen aus. Immerhin: Seit Sonntag laufe wieder alles, sagt Birgit Arimond, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb: „Dank vieler Helfer wie die eigenen Mitarbeiter, die Feuerwehren Lichtenborn und Lünebach sowie die Unterstützung durch Freunde und Bekannte aus dem Dorf haben wir es geschafft, die Bäckerei sehr rasch wieder auf Vordermann zu bringen.“ Jetzt backen sie wieder: „Das in dieser kurzen Zeit zu bewerkstelligen, wäre ohne die Hilfe so vieler Menschen nicht möglich gewesen.“ Die Schäden in der Mühle seien aber noch nicht behoben – „und es wird auch noch eine Weile dauern, bis wir hier wieder auf einem guten Stand sind.“ Zum Glück sei niemand verletzt worden, „so dass wir nur einen materiellen Schaden zu beklagen haben“.

Empört reagieren angesichts der Verwüstungen manche Bürger auf die Aussagen von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (TV von Montag): „Für mich ist es schon erstaunlich, dass eine Landesregierung auf Versicherungen verweist, anstatt Hilfe anzubieten, die dringend erforderlich wäre“, sagt zum Beispiel Norbert Tautges, ehemaliger Ortsbürgermeister von Kesfeld und nach wie vor in der Feuerwehr seines Heimatdorfs.

Vom Unwetter, sagt er, „waren viele Familien stark betroffen, einige haben ihr Hab und Gut verloren.“ Die Feuerwehr und viele weitere Helfer hätten am Freitag „mehr als 16 Stunden ohne Pause den Menschen in unserem Ort versucht zu helfen und zu retten, was noch zu retten war“. Dafür bedankt sich Landrat Joachim Streit bei den Rettungskräften, aber auch bei den Bürgern und Unternehmen: „Die Solidarität in der Bevölkerung ist beispielhaft.“ Insgesamt habe der Eifeler Krisenstab rund 2600 Meldungen bearbeitet. Die Lage habe sich inzwischen beruhigt, der Notstand ist aufgehoben, das Bürgertelefon sei deaktiviert.

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