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Viele Chefs, wenig Chefinnen

Viele Chefs, wenig Chefinnen

Immer noch sitzen weniger Frauen als Männer in den Chefsesseln der Kommunalverwaltungen des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Der TV hat sich in den Rathäusern umgehört, wie es um die Frauenquote bei Führungspositionen steht.

Bitburg. Im Durchschnitt versehen genauso viele Frauen wie Männer ihren Dienst für die Verwaltungen im Eifelkreis Bitburg-Prüm - ein 50:50-Verhältnis. Da ist die Gleichstellung von Mann und Frau bereits vollzogen. Wenn es jedoch um die Besetzung von Führungspositionen in den Verwaltungen geht, sieht das für die Damen deutlich düsterer aus. Das vermeintlich schwache Geschlecht ist statistisch gesehen immer noch im Hintertreffen, wenn es um die Besetzung von Chefsesseln geht. Und das, obwohl es seit Mitte der 90er Jahre auch in Rheinland-Pfalz Frauenförderungspläne für den öffentlichen Dienst gibt, die für eine höhere Frauenquote sorgen sollen. Ein Überblick über die Situation in den Rathäusern des Kreises:

Kreisverwaltung Eifelkreis Bitburg-Prüm:

Der Verwaltungsapparat, der die Geschicke des Eifelkreises Bitburg-Prüm regelt, gleicht einem Schiff, dessen Mannschaft zum größeren Teil aus weiblichen Matrosen besteht (siehe Grafik). 351 Frauen und Männer tun ihren Dienst "an Bord" - davon 200 Damen. 141 der Beschäftigten sind in Teilzeit angestellt - davon 128 Frauen und 13 Männer. Die Leitung zweier der drei Geschäftsbereiche ist sogar in der Hand von Frauen - 2:1 für das zarte Geschlecht. Bei der Besetzung der 18 Amtsleiterstellen haben die Männer die Hosen an. Landrat Joachim Streit: "Die höchste Führungsriege nach dem Landrat ist im Haus im Verhältnis 2:1 für die Frauen besetzt." Muss da noch groß nachgebessert werden? "Wir haben einen Frauenförderplan in der Kreisverwaltung. Nach den Gehaltsgruppen verteilt sich die Führung in den höchsten Gruppen mit 4:2 für die Frauen. Wir müssten also auf dieser Ebene der Beamten die Männer fördern." Die Kreisverwaltung sei zudem seit 2007 auditierter Betrieb "Beruf und Familie", um auch Teilzeit und Heimarbeit für Eltern zu ermöglichen und somit eine Vereinbarkeit von Beruf und Karriere mit Familie zu erleichtern.

VG Irrel: "Prinzipiell habe ich das Gefühl, dass Frauen nicht in dem Maße wie Männer in Führungspositionen drängen beziehungsweise häufig durch ihre familiäre Situation nicht können oder wollen", sagt VG-Chef Moritz Petry. Er mache keinen Unterschied nach Geschlecht, wenn es um die Förderung von Mitarbeitern geht, die sich für Führungspositionen qualifizieren und dann dort reinwachsen wollen. Es zählten ausschließlich die persönlichen Fähigkeiten, betont Petry.

Obwohl die Zahl (41) der Beschäftigten in der Verwaltung der Verbandsgemeinde Irrel ausgeglichen ist: Der Abfall der Frauenquote in den führenden Positionen ist um so stärker. Alle fünf Abteilungen werden von Männern geleitet - und der Chef ist auch ein Mann.

VG Kyllburg: Auch in der Führungsetage der Verbandsgemeinde Kyllburg herrscht Frauen-Flaute. Auf den drei Fachbereichsleiterstellen sitzen nur Männer, obwohl bei den 28 Beschäftigten die Frauen die Oberhand haben. Mit Bürgermeister Bernd Spindler sind alle vier Führungspositionen mit Männern besetzt. Warum gibt es so wenig Frauen in Führungspositionen? VG-Bürgermeister Bernd Spindler: "Die entsprechend qualifizierten Frauen haben sich bewusst für andere Wege entschieden. Wir haben Frauen die Möglichkeit gegeben, sich weiter zu qualifizieren. Dies ist von einer Frau der Verwaltung angenommen worden. Allerdings ist sie aus der Verwaltung ausgeschieden, um ein Studium aufzunehmen. Eine andere Kandidatin hat sich für Teilzeit und Familie entschieden."

VG Neuerburg:

Ausgewogen ist das Zahlenverhältnis Frau-Mann bei der Verwaltung der VG Neuerburg. - 22 Männer (drei davon in Teilzeit) und 22 Frauen (11 davon in Teilzeit). Sonniger Ist-Zustand für die Damen der Schöpfung? Beim Blick auf die Führungsriege im Hause Neuerburg verdüstert sich der Quoten-Himmel. Sieben der acht leitenden Positionen sind mit Männern besetzt - inklusiv Bürgermeister. In den vergangenen neun Jahren waren zwei Stellen für eine Fachbereichsleitung zu besetzen. "Hierauf hat sich keine Frau beworben", sagt Norbert Schneider, Bürgermeister der VG Neuerburg, und ergänzt, dass "wir auch künftig freiwerdende Stellen zur Besetzung ausschreiben, so dass sich jede Frau und jeder Mann darauf bewerben kann. Über die Besetzung wird nach Eignung, Leistung und Befähigung entschieden."

Stadt Bitburg:

"Ich wünsche mir, dass qualifizierte Damen zukünftig vermehrt Leitungsfunktionen bei der Verwaltung übernehmen", sagt Joachim Kandels, Bürgermeister der Stadt Bitburg. 73 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Dienste der Stadtverwaltung Bitburg angestellt - davon 36 Männer (2 in Teilzeit) und 37 Frauen (18 in Teilzeit). Mann-Frau-Verhältnis im Gleichgewicht. Neben der Stelle Bürgermeister Kandels sind alle drei Führungspositionen für die Leitung der Geschäftsbereiche mit Männern besetzt. Auch auf den elf Teamleiterstellen sitzen vornehmlich Männer - 10 Männer und eine Frau. Joachim Kandels: "In den Bereichen Teilzeitbeschäftigung und Erziehungsurlaub zeigen wir uns im Rahmen der Möglichkeiten stets gesprächsbereit und entgegenkommend."

VG Prüm:

Auch in den Chefsesseln der VG Prüm sitzen ausschließlich Männer. Von den 66 Mitarbeitern sind 32 Frauen (22 in Teilzeit) und 34 Männer (einer in Teilzeit). Die Führungsriege um VG-Chef Aloysius Söhngen besteht ausschließlich aus Herren. Somit sind alle fünf leitenden Positionen in Männerhand. Warum ist das so? "Zwar ist die Anzahl an männlichen und weiblichen Ausbildungskräften seit Jahrzehnten ausgewogen, dennoch hat sich für unsere Verwaltung gezeigt, dass Frauen in der Mehrzahl aus familiären Gründen beruflich kürzer getreten sind und das Beschäftigungsverhältnis ohne persönliche Ambitionen auf eine Führungsposition in Teilzeitform weitergeführt haben." Die Ist-Situation sei daher konkret der Lebensplanung der weiblichen Beschäftigten geschuldet, sagte Söhngen. Was wird dagegen unternommen? Wegen der derzeitigen Altersstruktur und des aktuellen Qualifizierungsstands des Personals geht Söhngen daher mittelfristig davon aus, dass Frauen Führungspositionen besetzen werden.

VG Arzfeld: Das Frau-Mann-Verhältnis an der Basis der Verwaltung ist 1:1. Neben drei Männern leitet auch eine Frau eine der vier Abteilungen des Hauses. Dazu kommt Kruppert als Bürgermeister. Eine von zwei weiteren Leitungspositionen hat eine Frau inne. Kruppert: "Die ganze Sache sehe ich nicht so dramatisch. Man sollte es nicht unter dem Gesichtspunkt der Frauenquote sehen. In unserem Haus kommt es rein auf die fachlichen und persönlichen Qualitäten an. Ich denke, früher war es so, dass sich Frauen eher für die Familie als für die Karriere entschieden haben. Heutzutage ist da aber ein Wandel im Gange. Wie kann man diesen Wandel befeuern? "Bei uns haben Frauen wie Männer die gleichen Chancen und Möglichkeiten, sich weiterzubilden und aufzusteigen. Daher wünsche ich mir, dass zukünftig auch der Anteil an Frauen in Führungspositionen bei uns im Haus zunimmt."

VG Bitburg Land:

64 Beschäftigte arbeiten für die Verwaltung der VG Bitburg Land - 30 Männer (einer in Teilzeit) und 34 Frauen (15 in Teilzeit). Von den acht Führungspositionen sind fünf von Männern und drei von Frauen besetzt. Bürgermeister Josef Junk: "Bei den Führungspositionen besteht somit fast Parität zwischen Männern und Frauen." Junk setzt nach eigener Aussage genau an den Punkten an, an denen es gilt: erstens bei der Einstellung von Anwärterinnen für den gehobenen Dienst und zweitens bei Neubesetzungen von Stellen.

VG Speicher:

Von den 36 Beschäftigten bei der Verwaltung der VG Speicher sind 20 Frauen und 16 Männer. Nur eine von fünf Führungspositionen (inklusive Bürgermeister) bekleidet eine Frau. VG-Chef Rudolf Becker sagt: "Trotz günstiger Arbeitsbedingungen, die auch in der Regel familienfreundlich sind, haben Frauen an Führungspositionen kein großes Interesse, insbesondere bei einer Kommunalverwaltung, bei der viele Sitzungen abends stattfinden." Hinzu komme, dass bei einer kleinen Kommunalverwaltung nur in langen Zeiträumen ein Wechsel in den Führungspositionen stattfindet; zumal, wenn man noch eine junge Mannschaft wie in Speicher habe. "Alle Frauen mit Interesse können den zweiten Angestelltenlehrgang besuchen, der Voraussetzung für die Übertragung von Führungspositionen ist", sagt Becker.