Wenige Einwohner und trotzdem alle Hände voll zu tun

Wenige Einwohner und trotzdem alle Hände voll zu tun

Die Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld hat 43 Ortsgemeinden. Nur zwei davon haben eine Bürgermeisterin. Eine davon ist Helga Berg in Lascheid. Die Altenpflegerin leitet seit zwei Jahren die Geschicke der kleinen Gemeinde.

Lascheid. Wer in Lascheid zu Helga Berg möchte, muss auf den Hügel. So heißt die Straße, in der das Haus der Ortsbürgermeisterin steht. Die 50-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit zehn Jahren ist sie Mitglied des Ortsgemeinderates. Als vor zwei Jahren Ortsbürgermeister Heinrich Hack nach 30 Jahren sein Amt nicht mehr fortführen wollte, "habe ich mich überzeugen lassen, es zu übernehmen", sagt sie. Ihre Entscheidung und ihre Arbeit unterstützen die sechs Gemeinderatsmitglieder. "Alles Männer, auf die ich mich verlassen kann", sagt Helga Berg. "Die kann ich gar nicht genug loben."
Nachts arbeitet sie als Pflegekraft im Altenheim, tagsüber regelt sie das Gemeindeleben im Dorf. Zur Seite steht ihr dabei Ehemann Werner, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, bei seine Frau als Feuerwehrfrau Mitglied ist. Was jetzt aber nicht bedeutet, dass bei Bergs rund um die Uhr über Politik und Feuerwehrwesen gesprochen wird. "Wir sind nicht immer einer Meinung - und das ist auch gut so. In der Regel wollen wir Privatleben und Ehrenamt aber voneinander trennen", sagt Berg.
Lascheid hat zwar nur rund 80 Einwohner, dennoch gibt es einiges zu tun. "Es geht sehr viel Zeit drauf, mehr als man erwartet - auch in einem kleinen Dorf", sagt Helga Berg, die durch ihre lange Ratszugehörigkeit wusste, was auf sie zukam. "Neu war für mich, die Verantwortung für die Dorfentwicklung zu übernehmen." Eine Herausforderung, die ihr Spaß macht. Auch das Leiten der Sitzungen fällt ihr nicht schwer. Die Arbeit mit Behörden und das Stellen von Anträgen sind für sie kein Problem. Es wurmt sie aber, wenn ein Projekt nicht vorangeht. Aktuell ist es die Renovierung des 25 Jahre alten Gemeindehauses. "Das müsste dringend außen und innen gestrichen werden. Außerdem braucht es neue Fenster", sagt sie. Doch die Entscheidung, ob die Lascheider dafür von der Kreisverwaltung einen Zuschuss bekommen, steht noch aus. "Wir warten auf den Startschuss", gibt sie sich optimistisch.
Politik als Männerdomäne


Die Dorfgemeinschaft in Lascheid sei intakt, sagt die Bürgermeisterin. Es gibt eine Frauengemeinschaft und die Feuerwehr. Kürzlich haben sie gemeinsam und mit einem Zuschuss des RWE den Spielplatz auf Vordermann gebracht. Auch Bänke im Ort wurden repariert und neue aufgestellt. Einmal im Jahr durchkämmen die Einwohner bei der Aktion saubere Landschaft die Gegend nach Müll. Zweimal im Jahr organisiert die Frauengemeinschaft Seniorennachmittage, und die Feuerwehr lädt einmal im Jahr zum Sommerfest ein.
In der Mitte des Orts lädt der Dorfplatz zur Rast ein. Dort verweilen die Pilger und Wanderer, die den Jakobsweg gehen. Dort hat auch das neue Wappen von Lascheid seinen Platz gefunden. Altbürgermeister Heinrich Hack hat es entworfen und die Lascheider Chronik dazu geschrieben.
Dass kleine Dörfer wie Lascheid mit weniger als 100 Einwohnern sich noch selbst verwalten können, findet Helga Berg gut. "Nur so kann man im Dorf noch etwas erreichen. Solange die kleinen Orte eigenständig bleiben, werden sie nicht unter die Räder geraten", glaubt sie. Warum es noch so wenige Frauen im Amt der Bürgermeisterin gibt, erklärt sie sich so: "Vielleicht ist den Frauen die Herausforderung zu groß." Außerdem sei die Politik noch immer eine Männerdomäne. sn

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