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Wirtschaft, Währung, Wiederaufbau

Wirtschaft, Währung, Wiederaufbau

Prüm vor 60 Jahren: Im zweiten Teil unseres Rückblicks geht es um die Währungsreform und ihre Auswirkung auf die Abteistadt. Zeitzeugin Monika Rolef hat dazu Daten, Fakten und Erinnerungen gesammelt.

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Prüm. Prüm 1948: Die Reichsmark ist nichts mehr wert. Dafür blüht der Tauschhandel. "Man konnte von einer Inflation sprechen", sagt Monika Rolef, Zeitzeugin, Mitbegründerin des Geschichtsvereins Prümer Land und historische Stadtführerin. Das Gerücht der Währungsreform macht die Runde. Am 20. Juni ist es so weit: Das neue Geld ist da. In Prüm wird die Deutsche Mark in mehreren Räumen des Bürgermeisteramts ausgezahlt. Die Kopfquote beträgt 40 Mark. Dafür muss jeder Empfänger 60 Reichsmark einzahlen. Als Kleingeld bleiben zunächst alle Geldsorten von einer Reichsmark abwärts im Wert eins zu zehn im Umlauf. "Bei der Kreissparkasse Prüm herrscht in der letzten Juniwoche ein toller Betrieb. Um 4 Uhr früh stehen schon die Leute da, um ihre Anmeldungen zu erledigen. Und spät in der Nacht gehen die letzten Kunden nach Hause", erinnert sich die Prümerin. Interessant sei es gewesen, zu beobachten, was die Schaufenster der Kaufläden schon in den ersten Tagen nach der Währungsreform an Waren hervorzauberten, die man seit Jahren nur noch dem Namen nach kannte. Der erste Laden, der in Prüm eröffnet, ist der von Familie Haas-Caster im Fuhrweg. Auch Monika Rolefs Mutter, Katharina Regnery, eröffnet in der Ritzstraße 3 eine Milchbar, an der die Schüler in der Pause Milch kaufen. "Auch Oskar Lafontaine hat als Schüler bei uns seine Milch getrunken", erinnert sich Monika Rolef schmunzelnd. Die Währungsreform wird zum Motor des Wiederaufbaus, es beginnt ein spürbarer Aufschwung. Da es auch wieder Baumaterial gibt, nehmen Baufirmen und Handwerker vermehrt Aufträge entgegen. Für "gutes Geld" lohnt es sich wieder zu arbeiten. Die Zeit, die man später Wirtschaftswunder nennt, hält auch in Prüm Einzug. Es wird viel gebaut in der Abteistadt. Nach der Währungsreform entstehen etwa 110 neue Gebäude. 1948 gibt es nach dem Krieg zum ersten Mal wieder einen Martinszug. Neben Preisen für die schönsten selbst gemachten Fackeln werden 700 Martinswecken an die Kinder verteilt. Im Dezember kommt auch der Nikolaus wieder zu den Kindern. Er verteilt an alle Volksschüler einen Weckmann. Monika Rolef hat viele Daten und Fakten aus dieser Zeit gesammelt, darunter gibt es auch eine traurige Statistik: 118 Soldaten werden im Stadtgebiet zur letzten Ruhe gebettet. Davon werden 92 identifiziert. 107 Soldaten liegen in Einzelgräbern, elf zusammen in einem Grab. Bis Ende des Jahres 1948 beträgt die Zahl der vermissten Prümer Soldaten 67. In französischer Gefangenschaft befinden sich noch vier, elf in russischer Gefangenschaft. Extra Bahnhof Prüm Am 18. Oktober läuft der erste Zug mit Baumaterial für den Aufbau des Bahnhofs in Prüm ein. Auch die zwei letzten Eisenbahnbrücken werden instand gesetzt. Die Eisenbahnstrecke Gerolstein - Prüm wird am 22. November 1948 in Betrieb genommen. Am 22. Dezember 1944 verkehrte der letzte Zug auf dieser Strecke, die im Krieg zerstört wurde. Unter dem Geläut der Salvatorkirche rollt der erste Zug in den festlich geschmückten Bahnhof ein. "Ganz Prüm war auf den Beinen, um dieses Ereignis zu feiern", erzählt Monika Rolef. Eine große Zahl Ehrengäste ist dabei, darunter Ministerpräsident Peter Altmeier. Den größten Spaß haben die Prümer Kinder. Sie dürfen mit der Eisenbahn von Prüm nach Gerolstein und zurück fahren. "Das war so ein großes Ereignis, das werde ich nie vergessen", sagt die 67-Jährige. Neben ihr winkten viele Hundert Kinder mit Taschentüchern aus den Zug-Abteilen den Eltern und Gästen am Bahnhof zu. Das Fest findet ein jähes Ende, als der französische Bezirksdelegierte Marquis de Vassoigne auf seiner Rückfahrt nach Trier zwischen Giesdorf und Schönecken auf eisglatter Fahrbahn tödlich verunglückt. Noch heute erinnert ein Gedenkstein an der Landesstraße 5 an diesen Unfall.