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Soziales
Eifel süchtig? - Alkohol bleibt Droge Nummer eins

Faelle_der_Suchtberatung
Faelle_der_Suchtberatung FOTO: Soeren Stache
Bitburg-Prüm. Die Suchtberatung der Caritas Westeifel betreut fast doppelt so viele Drogen- und Alkoholabhängige wie 2004, als die Stelle den Betrieb aufnahm. Wie lässt sich das erklären? Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Wer das Wort Sucht hört, denkt an Drogen. Dabei können Menschen von fast allem abhängig werden. Die Klassiker der Substanzen, denen die Deutschen verfallen, sind Alkohol und Nikotin. Doch auch das Surfen im Internet kann süchtig machen oder das Wetten auf Rennpferde. Dass Menschen von diesen Dingen nicht loskommen, kommt in den besten Gegenden vor, auch in der vermeintlichen Idylle des Eifelkreises Bitburg-Prüm.

So kämpft die Polizei auch hierzulande seit Jahren gegen Drogenschmuggler. Dass die Region als Einfalltor für Dealer gilt, liegt an der Lage im Dreiländereck von Deutschland, Luxemburg und Belgien. Im Großherzogtum etwa, sagt der Bitburger Polizeichef Christian Hamm, sei der Umgang mit Betäubungsmitteln offener und unbekümmerter als in der Bundesrepublik.

Und auch an der Grenze zu Belgien schnappt die Bundespolizei immer wieder Schmuggler mit mehreren Kilogramm Marihuana und Amphetaminen im Gepäck. Die Dunkelziffer derer, die den Beamten nicht ins Netz gehen, wird höher sein. Und ein Teil des Rauschgifts, das sie durch die Eifel schleusen, findet auch hierzulande Abnehmer.

Wer hilft? Wer von dem Stoff nicht mehr loskommt, bekommt bei Stellen wie der Suchtberatung des Caritasverbandes Westeifel in Bitburg und Prüm Hilfe. Sie machen den Betroffenen ein Angebot, das ihnen wieder zu einem „freien Leben ohne Suchtmittel“ oder zumindest zum „Aufbau eines adäquaten Umgang mit dem Suchtmittel“ verhelfen soll. Konkret werden Süchtige in Einzel- und Gruppengesprächen beraten, ihnen werden zudem Rehabilitations-Einrichtungen vermittelt, und sie werden über die Finanzierung von Suchthilfe informiert.

Und dafür scheint es immer mehr Bedarf zu geben, wie ein Blick in die Fallzahlen der Suchtberatung zeigt. Meldeten sich 2004 noch 268 Suchtkranke bei der Caritas-Stelle, waren es 2017 402. Die meisten von ihnen wurden in Bitburg betreut (311). Aber auch in der Abteistadt hat sich die Anzahl der Süchtigen, die die Hilfe des Sozialdienstes in Anspruch nahmen, von 47 auf 91 verdoppelt. Gibt es also immer mehr Drogen- und Alkoholsüchtige in der Eifel? Davon sei nicht auszugehen, erklärt Fachbereichsleiterin Petra Hockelmann-Hettiger. An der Zahl der Kranken habe sich kaum etwas verändert. Es habe jedoch „eine Sensibilisierung“ gegeben: „Das bedeutet zum einen, dass das Problembewusstsein gewachsen ist, aber sicherlich ist auch, dass die Hemmschwelle wegen einem Suchtproblem Hilfe in Anspruch zu nehmen, gesunken ist.“

Welche Abhängigkeiten gibt es? Die Toleranz gegenüber Alkoholkonsum am Arbeitsplatz oder in der Familie habe sich stark reduziert, sagt Hockelmann-Hettiger. Und so komme es, dass rund die Hälfte der Klienten ihres Fachbereiches Alkoholiker seien (rund 46 Prozent). Etwa 32 Prozent der Süchtigen hätten Probleme mit illegalen Drogen wie Marihuana, Amphetaminen, Kokain oder Heroin.

Die restlichen 22 Prozent seien Glücksspieler, Kaufsüchtige, Menschen mit Essstörungen  und, das ist bemerkenswert: Handy- und Internetabhänginge. Von denen gebe es in der Region immer mehr, so Hockelmann-Hettiger: „Im Zeitalter der Digitalisierung kommt auch in unseren Beratungsstellen einer Problematik wie Computerspiel-Sucht oder pathologischem Internetgebrauch immer mehr Bedeutung zu.“ Betroffene hätten die Kontrolle über ihren Umgang mit der Technik verloren, fühlten sich unruhig oder gereizt, wenn sie die Angebote nicht nutzen könnten und vernachlässigten wichtige Lebensaufgaben – so fasst es die Fachbereichsleiterin zusammen.

Menschen, die abhängig von verschreibungspflichtigen Medikamenten seien, meldeten sich kaum bei der Beratungsstelle, sagt Hockelmann-Hettiger: „Hier handelt es sich um eine Problematik, die eher im Verborgenen abläuft.“

Um all jene, die Hilfe suchen, kümmert sich ein Team aus Psychotherapeuten, Pädagogen und Sozialarbeitern. Der katholische Träger bietet seine Dienste für die Betroffenen kostenlos an. Das heißt aber nicht, dass keine Kosten entstehen.

Wer zahlt das? Etwa 110 000 Euro Geld aus Kirchensteuermitteln gibt die Caritas Westeifel jährlich für die Beratungsstellen in Bitburg und Prüm aus. Die übrigen Kosten werden laut Hockelmann-Hettiger von verschiedenen Trägern getragen –  hauptsächlich vom Eifelkreis Bitburg-Prüm.

So wurde auch in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses ein Zuschuss von 38 500 Euro bewilligt. Aber auch das Land Rheinland-Pfalz beteiligt sich am Angebot, indem es 25 Prozent der Personalkosten zahlt.