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Das wichtigste Haus Bitburgs

Bitburg. Das Bitburger Rathaus vereint das Praktische mit dem Schönen. Es ist Zweckbau und Kulturdenkmal. 1955 in dem historischen Umfeld zwischen Römermauer und Liebfrauenkirche errichtet, erinnert es an große bauhistorische Verluste wie das römische Kastell, das Amtsgericht, den Wasserturm und den Kobenturm. Sybille Schönhofen

Bitburg. Die Stadtverwaltung hatte schon vor dem Krieg auf den Bau eines neuen Rathauses gepocht. 1955 war es so weit. Der Architekt Otto Heinrich Vogel aus Trier plante an der Stelle, wo das alte Amtsgericht gestanden hatte, einen viergeschossigen Walmdachbau mit 35 Räumen. Ein ganz besonderer unter ihnen ist im römischen Wehrturm, den Architekt Vogel an der Westseite integrierte und der heute als Trauzimmer dient. Auch im Keller sind noch Teile römischer Grundmauern zu sehen.
Bitburger Bauschätze


Um an charakteristische Bauelemente des Vorgängerbaus zu erinnern, ließ der Architekt die Fenster im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss in Sandstein einfassen. Den Eingang schmückt ein darüber liegendes Sandsteinrelief, das Szenen zeigt, wie sie die Menschen in der im Krieg zerstörten Stadt erlebten. Für Werner Pies, den Ehrenvorsitzenden der Kulturgemeinschaft Bitburg, gehört das Relief zu den herausragenden Elementen. "Es symbolisiert die Zerstörung und den Wiederaufbau."
Bürgermeister Joachim Kandels schätzt als architektonisches Element vor allem das rundbogige Portal am Eingang zu seinem Vorzimmer. Wie der Kamin im kleinen Sitzungssaal stammt es aus dem 1947 abgerissenen Kobenturm (siehe Extra). Es ist mit Rankenmustern und einem Giebel aus Halbkreisen mit einem Engelkopf und Muscheln darauf versehen.
Was sich dem kunsthistorischen Bewusstsein weniger aufdrängt, aber als Beispiel für die Architektur der 1950er Jahre dennoch bedeutsam ist, ist die freitragende geschwungene Stahlbetontreppe im Eingangsfoyer.
Alles in allem hat sich das Gebäude bewährt, sowohl in seiner Nutzbarkeit als auch in seiner Ästhetik, findet Bürgermeister Kandels, der dort seit nunmehr 30 Jahren ein- und ausgeht: "Es ist ein sehr gelungener, schöner Bau, in dem man sich wohlfühlen kann."
Allerdings war das Rathaus drei Jahrzehnte nach seinem Bau schon wieder zu eng geworden. Der Bitburger Architekt Bert Emmerich bekam den Auftrag, das Rathaus zu vergrößern. Im Januar 1987 weihte Bürgermeister Theo Hallet nach zweieinhalbjähriger Bauzeit den Erweiterungsbau ein. Der Neubau bot auf 1500 Quadratmetern Platz für einen Ratssaal, zwei Fraktionszimmer und 21 Büroräume. Die nun insgesamt knapp 2500 Quadratmeter beherbergen heute 70 Mitarbeiter.
Architekt Bert Emmerich sagte zum Abschluss seiner Bautätigkeit am Rathaus: "Das Rathaus ist der wichtigste Bau einer Stadt. Es soll herausragen aus der Masse der bürgerlichen Bauten." Das hatte wohl auch der Stadtrat gedacht und als Standort die höchste Erhebung innerhalb der Stadt ausgewählt.
Extra

Der Bau des Rathauses ist verknüpft mit drei besonders schweren Verlusten durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Zu ihnen gehört der sogenannte Kobenturm. Der 1576 in der heutigen Hauptstraße in Bitburg errichtete Wohnturm fiel 1947 der Stadtplanung zum Opfer. Er wurde abgerissen, um die Hauptstraße zu verbreitern. Teile aus ihm sind in das Rathaus eingearbeitet: ein Portal im ersten Stockwerk des Rathauses sowie ein prächtiger Renaissancekamin und Steinfiguren, die in den kleinen Sitzungssaal des Rathauses integriert wurden. Das Rathaus erinnert zudem an das alte Stadthaus und Amtsgericht, 1694 errichtet, sowie den damit verbundenen Wasserturm. Sie standen vor dem Krieg an der Stelle des Neubaus. Der Turm war Symbol einer neuen Zeit: Seit 1888 versorgte er die Bitburger mit Wasser und erleichterte das alltägliche Leben. Mit dem Ausbau der Wasserleitungen und dem Bau des Wasserwerks Steinebrück an der Nims in den 1880er Jahren wurden die Brandweiher in der Schakengasse, am unteren Tor (Kreuzung Borenweg/Karenweg/Trierer Straße), in der Kölner Straße und der Erdorfer Straße, die bis dahin zur Feuerbekämpfung dienten, trockengelegt. sys