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| 10:05 Uhr

GLAUBE IM ALLTAG
Ich mag November

Mögen Sie November? Allerheiligen, Allerseelen? Und die nassen kalten Tage. Wenn der raue Wind die letzten Blätter von den Bäumen und Sträuchern reißt und die abgestorbenen Pflanzenreste auf dem Boden verrotten?

Mögen Sie das?

Ich gestehe, ich mag das. Das gehört für mich irgendwie zusammen.

Allerheiligen - das Fest an dem wir besonders an die denken, die ein vorbildliches Leben geführt haben. Die ihren christlichen Glauben so gelebt haben, dass sie für andere heilsam waren. Also Heilige geworden sind. Viele sind offiziell als solche bekannt, haben besondere Gedenktage. Allerheiligen bringt aber auch die in Erinnerung, die keinen Fürsprecher hatten, die nicht so ins öffentliche Licht gerückt sind. Die Heiligen des Alltags. Etwa solche, die ihr Leben ganz für andere gelebt haben: Tanten, die verwaiste Kinder erzogen haben, Mitmenschen in Konzentrationslagern, Menschen, die, gegen den Strom schwimmend, Außenseiter und Verfolgte unterstützt haben - oft bis auf ihr eigenes Blut. Das erinnert mich an all das Gute, das Menschen möglich ist. Ein aufbauendes Fest.

Allerseelen, das Fest, das die Verbindung zu unseren Verstorbenen in Erinnerung ruft und deutlich macht: sie leben, wir sehen sie nur nicht mehr. Mir diesen Glauben, diese Erfahrung ins Gedächtnis zu rufen relativiert mein Haften am irdischen Leben und kann Kräfte für anderes freisetzen.

Der Kehraus in der Natur, das Befreien der Bäume und Sträucher von ihren letzten Blättern: alles scheint tot, dürr und vergangen. Und dann der Schnee, der noch kommt oder alles schon mal zugedeckt hat. Alles wirkt dann so ruhig und unberührt. Bereit zum neuen Anfang.

Und genau das ist das, was ich am November mag!

Er zeigt in Allerheiligen, dass gutes und heilsames Leben auch im Verborgenen steckt, Allerseelen verweist über mein irdisches Leben und Streben hinaus, die Novemberstürme und -regen bereiten eigentlich schon einen Neuanfang vor. Die kahle, scheinbar tote Natur, die unter Schnee ganz verschwindet ist letztlich für mich Bild für einen immer wieder möglichen Neuanfang. Für die Kraft des Lebens und letzten Endes für Auferstehung und weiter leben nach dem vemeintlichen Tod.

Dass mich der November daraufhin weist macht ihn mir so sympathisch. Ich mag den November.

Johannes Eiswirth, Geschäftsführender Dekanatsreferent, Dekanat St. Willibrord Westeifel