| 20:41 Uhr

Vampir-Geschichten sind der Renner

Der Herr der Bücher: Manfred Kottmann leitet die öffentliche Bibliothek in Bitburg, die vor fast genau fünf Jahren in die Brodenheckstraße umgezogen ist. TV-Foto: Dagmar Schommer
Der Herr der Bücher: Manfred Kottmann leitet die öffentliche Bibliothek in Bitburg, die vor fast genau fünf Jahren in die Brodenheckstraße umgezogen ist. TV-Foto: Dagmar Schommer
Gefundenes Fressen für Leseratten: Knapp 44 000 Bücher sowie Zeitschriften, DVDs und Hörbücher stehen in der Öffentlichen Bibliothek in Bitburg bereit. Im vergangenen Jahr gab es 132 000 Ausleihen - am meisten nachgefragt war die Vampir-Geschichte "Bis(s) zum Ende der Nacht". Von unserer Redakteurin Dagmar Schommer

Bitburg. Rund zwei Millionen Euro hat die Dr. Hanns Simon Stiftung in die Bibliothek in der Brodenheckstraße investiert. Dorthin ist Bitburgs Bücherei, die von der Stiftung getragen wird, vor fast genau fünf Jahren umgezogen. Hintergrund des Standortwechsels war, dass auf 300 Quadratmetern im Haus Beda nicht genug Platz war. "Teilweise haben wir die Bücher auf den Fensterbänken gestapelt", sagt Bibliotheksleiter Manfred Kottmann. Der neue Standort mit mehr als 800 Quadratmetern Fläche habe sich bewährt. Einziges Manko: "Wir haben keine Laufkundschaft. Es gibt keine Schulen in direkter Nachbarschaft", sagt Kottmann. Eine Klasse der Grundschule Nord ist alle sechs Wochen in der Bücherei zu Gast.

"Im Moment ist alles in, was mit Mystik und Vampiren zu tun hat", sagt Kottmann. Zudem stellt er fest, dass durch die Verbreitung des Internets seit etwa fünf Jahren weniger Sachbücher ausgeliehen werden.

Die Top zehn der Ausleihen:

"Bis(s) zum Ende der Nacht", Stephanie Meyer;

DVD "Sieben Zwege" mit Otto Waalkes;

Mathematikbuch "Bruch- und Prozentrechnung"

"Harry Potter und die Heiligtümer des Roswa", Joan K. Rowling;

"Die Goldhändlerin", Iny Lorentz;

"Verblendung", Stieg Larsson;

"Die kleine Raupe Nimmersatt", Eric Carle,

DVD "Hancock" mit Will Smith;

DVD "Die purpurnen Flüsse", Regie: Matthieu Kassovitz

DVD "Achtung, Verschärfter Hokuspokus", Regie: Richard Goleszowski.

Mit rund 250 000 Euro im Jahr deckt die Stiftung die laufenden Personal- und Energie-Kosten. Die Stadt Bitburg unterstützt die Bücherei 2011 mit knapp 45 000 Euro.

Extra

Bücher und mehr: In der öffentlichen Bibliothek in Bitburg gibt es insgesamt knapp 44 000 Bücher, darunter rund 15 400 Kinder- und Jugendbücher, 15 1000 Sachbücher und rund 13 300 Romane. Zudem hält die Bücherei rund 2400 Zeitschriften, knapp 4000 DVDs und Videos, knapp 700 CD-Rom und seit vergangenem Jahr auch 410 Hörbücher bereit. Am häufigsten ausgeliehen wurden 2010 Kinder- und Jugendbücher (rund 40 000 Mal), gefolgt von Romanen (38 800), Sachbüchern (24 400), DVD's und Videos (19 000), Hörbücher (4800), Zeitschriften (4000) und CD-Roms (1500). Im vergangenen Jahr gab es knapp 400 Neukunden. Die Bücherei zählt insgesamt rund 6000 eingetragene Leser. (scho)

Interview

Drei Fragen an Manfred Kottmann (51). Der Diplom-Bibliothekar ist seit 1984 Leiter der Bibliothek der Stadt Bitburg. Was haben Sie selbst zuletzt gelesen? Kottmann: Einen Krimi. Es war "Knochen zu Asche" von Kathy Reichs. Es handelt von zwei befreundeten Mädchen, von denen eins plötzlich verschwindet. Die andere bekommt als Pathologin Jahre später einen Fall auf den Tisch und hegt einen Verdacht Welches Buch sollte man Ihrer Ansicht nach unbedingt lesen? Kottmann: Die Zeiten der erziehenden Bibliothek sind vorbei. Wir beraten Leser gerne, was ihnen je nach Geschmack und Interesse gefallen könnte. Aber das ist was anderes als sie zu bevormunden. Genau das ist ja das Spannende, dass jeder für sich herausfindet, was er gerne liest und sich auf seine eigene Bücherreise begibt. Welches Buch aus Ihrer Jugendzeit ist Ihnen noch heute lebhaft in Erinnerung? Kottmann: Ganz klar: Die ganzen Geschichten von Karl May. Winnetou, Der Schatz im Silbersee und der Rest. Die habe ich alle verschlungen. (scho)

Meinung

Vorbildlich!

Gut, dass der ehemalige Brauerei-Chef Hanns Simon die Idee hatte, geistigen Austausch jedermann zugänglich zu machen und vor mehr als 40 Jahren die nach ihm benannte Stiftung gründete, die Träger der Bibliothek und des Kulturzentrums Haus Beda ist. Damit prägt die Stiftung das gesellschaftliche Leben in Bitburg maßgeblich. Doch das schönste Angebot bereichert nur, wenn es auch genutzt wird. Deshalb ist die Idee der Grundschule Nord vorbildlich, regelmäßig mit Schülern die Bücherei zu besuchen. Ein Modell, das Schule machen sollte - auch an den übrigen Schulen der Stadt. d.schommer@volksfreund.de