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Interview
Gerolsteins Bürgermeister Matthias Pauly (CDU) geht in Ruhestand

Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris
Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris FOTO: TV / Stephan Sartoris
Gerolstein. Nach 17 Jahren geht Bürgermeister Matthias Pauly in Ruhestand. Für die neue Verbandsgemeinde Gerolstein sieht er große Chancen. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Matthias Pauly (60/CDU) ist seit 2002 Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein. Er hat maßgeblich die Fusion mit den Nachbarn aus Hillesheim und der Oberen Kyll zur neuen VG Gerolstein vorangetrieben, zu deren Start geht er jedoch in den Ruhestand. Ausschlaggebend, sich keiner Wiederwahl zu stellen, war ein Augenleiden, das sich abrupt verschlechtert hat und über dessen Verlauf es keine sichere Prognose gibt. Seinen Nachfolger Hans Peter Böffgen (parteilos) arbeitet Pauly, der Donnerstag verabschiedet wird, seit Wochen ein.

17 Jahre im Amt: Hätten Sie das damals gedacht?

Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris
Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris FOTO: TV / Stephan Sartoris

Matthias Pauly: Ich habe 2001 deutlich gemacht, dass ich nicht nur in Gerolstein arbeiten, sondern auch leben will. Denn der Job, den ich angestrebt habe, hat viel mit Menschen zu tun – und das war mir stets wichtig. Dazu gehört auch das Schwätzchen nebenbei.

Abrechnung – mit wem auch immer – Fehlanzeige: Auch kurz vor dem Ende seiner Amtszeit bleibt Pauly gelassen.
Abrechnung – mit wem auch immer – Fehlanzeige: Auch kurz vor dem Ende seiner Amtszeit bleibt Pauly gelassen. FOTO: TV / Stephan Sartoris

Sie werden Gerolstein also auch künftig treu bleiben?

Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris
Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris FOTO: TV / Stephan Sartoris

Pauly: Wir fühlen uns seit 17 Jahren wohl im Gerolsteiner Land. Deswegen werden wir auch hier bleiben.

Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris
Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris FOTO: TV / Stephan Sartoris

Noch mal zurück zu Ihrer langen Amtszeit: Resultiert die auch daraus, dass Sie Ihre Worte stets mit Bedacht wählen und sich im Zweifelsfall lieber zurücknehmen?

Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris
Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris FOTO: TV / Stephan Sartoris

Pauly: Dass muss so sein, denn in der Politik braucht man einen langen Atem. Klare Worte, ja. Aber lieber am Ende eines Prozesses. Was bringt es, jemandem schon von vornherein vor den Kopf zu stoßen? Zuhören ist der Beginn des Gesprächs.

Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand.
Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. FOTO: TV / Stephan Sartoris

Sie haben im VG-Rat über all die Jahre nur wenig Gegenwind bekommen, konnten so Projekte wie den Kauf des Bahnhofsgebäudes oder die millionenschwere Sanierung des Freibads in Gerolstein relativ mühelos initiieren. Wie erklären Sie sich das?

Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris
Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris FOTO: TV / Stephan Sartoris

Pauly: Moment mal. Das ging ja nicht per Ordre de Mufti, sondern durch das Votum des VG-Rats. Kann ja sein, dass vieles von dem, was ich vorgeschlagen und für sinnvoll erachtet habe, dann auch akzeptiert und beschlossen wurde. Aber das muss man sich dann über Jahre erarbeiten. Gerade in der Eifel geht es um Verlässlichkeit. Man hat einen Fehlschuss frei, mehr nicht.

Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris
Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris FOTO: TV / Stephan Sartoris

Was ist mit Bauvorhaben wie dem C-Trakt und der Sanierung der Turnhalle der Realschule, die aus dem Ruder gelaufen sind?

Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris
Abschied nach 17 Jahren als Gerolsteiner Verwaltungschef: Matthias Pauly geht in den Ruhestand. Foto: Stephan Sartoris FOTO: TV / Stephan Sartoris

Pauly: Natürlich hat mir das nie gefallen. Dass wir an verschiedenen Stellen Geld ausgegeben haben, das nicht mehr im richtigen Verhältnis stand, muss einen anspornen, es zukünftig besser zu machen. Aber gerade bei Bauvorhaben wird doch eines sichtbar: In einer kleinen Verwaltung ist das Fachwissen oft an nur eine Person gebunden. Ist diese krank oder in Urlaub, dann wird diese Tätigkeit nicht ausgeübt. Deshalb bringt uns die Fusion da ja auch ein gutes Stück weiter.

Dann wird es Ihrer Ansicht nach in der neuen Verwaltung weniger Fehler bei Großprojekten geben?

Pauly: Zumindest können diese mit mehr fachlicher Qualität begleitet werden.

Was war die wichtigste Entscheidung in Ihrer Amtszeit?

Pauly: Ganz klar die Fusion. Sie ist dermaßen überragend und hat die vergangenen Jahre geprägt. Bei einer Gebietsreform im ländlichen Raum sind nicht die Einwohnerzahlen der entscheidende Maßstab, sondern die Frage, was es vor Ort gibt. Es dreht sich alles um die Mittelzentren, die über viele Jahrzehnte gewachsen sind, und den Bereich drum herum. Das Mittelzentrum Gerolstein hat über 200 Jahre eine wichtige Rolle in der Region gespielt.

Wo wird die VG Gerolstein in zehn Jahren stehen, wie stark wird sie sein, welche Rolle wird sie in der Eifel spielen – Stichwort Kreisreform?

Pauly: Zunächst einmal müssen die Menschen zusammengeführt, die Beziehungen zwischen dem Mittelzentrum Gerolstein und den Grundzentren Hillesheim und Jünkerath ausgebaut werden. Die Basis dafür ist gelegt, die Verwaltungsleistungen sind durch die drei Bürgerbüros gut abgedeckt. Wenn die Verantwortlichen es richtig anpacken, wird die neue VG Gerolstein eine herausragende Stellung im Herzen der Eifel einnehmen.

War es richtig, der neuen VG den Namen Gerolstein zu geben?

Pauly: Wenn die Stadt Gerolstein die finanzielle Hauptlast der Fusion trägt, dann ist es normal, dass der Name Gerolstein die erste Präferenz hat. Wenn dann noch dazukommt, dass der Name Gerolstein in Deutschland und der Welt bekannt ist, dann muss man doch mit was weiß ich gepudert sein, wenn man das nicht nutzt. Man sollte nicht alles komplizierter machen, als es ist.

Hauptamtlicher Beigeordneter oder nicht?

Pauly: Ich war und bin weiter fest davon überzeugt, dass der neuen VG ein hauptamtlicher Beigeordneter guttun würde. In dem 455 Quadratkilometer großen Areal mit 38 Gemeinden gab es bislang drei hauptamtliche Wahlbeamte. Wenn es künftig zwei wären, hätte man schon einiges gespart. Doch diese Arbeit muss ja noch familienverträglich sein. Alleine würde das an Selbstausbeutung grenzen. Bei einer Zweierlösung bliebe für jeden eine erträgliche Last übrig, und beide könnten fachlich über die beste Lösung diskutieren. Außerdem könnte die zweite Person, die ja keiner Urwahl unterworfen ist, so ein Garant für Stabilität und Kontinuität werden.

Apropos Kontinuität: Wie sehr bedauern Sie es, dass im mit öffentlichem Geld – auch von der VG Gerolstein – sanierten Lokschuppen keine Kulturveranstaltungen mehr steigen?

Pauly: Kulturelle Angebote sind für die Menschen in der Region wichtig. Daher bedaure ich sehr, dass es derzeit dort kein Angebot mehr gibt.

Konkret: War es vor diesem Hintergrund falsch, dort so viel öffentliches Geld reinzustecken?

Pauly: Grundsätzlich sah und sehe ich es als kritisch, wenn ein Projekt zu fast 100 Prozent öffentlich gefördert wird und viele andere Vorhaben gar nicht oder deutlich geringer. Das ist so nicht in Ordnung. Ich sage aber auch: Wenn ich mit einem VG-Beitrag von 7,5 Prozent die Chance habe, viel Geld in die Region zu bekommen, dann ist das zunächst mal ein gutes Geschäft. Aber es ist auch klar: Ein öffentlich gefördertes Projekt muss auch von Nutzen für die Öffentlichkeit sein. Da müssen Land, Kreis und die VG nochmals darauf hinwirken.

Was hätten Sie ansonsten noch gerne zu Ende gebracht?

Pauly: Den Neubau oder die Sanierung des Rathauses. Da habe ich lange mit mir gehadert, ob es der richtige Zeitpunkt ist, jetzt von Bord zu gehen. Aber meine Krankheit hat mir die Entscheidung vorgegeben. Wie gerne hätte ich den Mitarbeitern einen modernen Arbeitsplatz gegeben, der überdies auch für junge Menschen attraktiv ist. Ich habe den jüngsten Ausflug des VG-Rats  genutzt, um den Kollegen ein Rathaus zu zeigen, dass ich sehr interessant finde. In Gerolsteins Partnerstadt Gilze en Rijen. Das hat ein Foyer, dass für Hochzeiten, Ratssitzungen, Wahlpartys oder den Empfang des Karnevalsprinzen genutzt werden kann, eine Kantine, die von gehandicapten Mitarbeitern betrieben wird. Und da können Mitarbeiter einen Arbeitsplatz ganz nach ihren Wünschen aufsuchen. Herrlich!

Was war das schönste Erlebnis Ihrer Amtszeit?

Pauly: Es gibt wirklich einen Moment, an den ich mich oft und gerne erinnere. Ende 2011 gab es eine Verhandlungssituation im Rahmen der Fusion, die stockte, weil wichtiges Zahlenmaterial zusammenzustellen war. Ich habe daraufhin drei junge, gut ausgebildete Mitarbeiter – die bereits genug zu tun hatten – in mein Büro bestellt und sie gefragt, ob sie mir dieses binnen 48 Stunden liefern könnten. Sie haben unisono ja gesagt – und das Ergebnis nach 24 Stunden geliefert. Spätestens da habe ich gewusst, dass ich mich auf meine Mannschaft verlassen kann.

Was/wer hat Sie am meisten genervt?

Pauly: Bei zwei Leuten war es mit meinem Langmut irgendwann zu Ende. Wenn jemand nur noch in seinem stillen Kämmerlein sitzt und meint, im Internet alles kommentieren zu müssen, dann ist das nicht meine Welt. Ich stehe den sozialen Medien kritisch gegenüber und hoffe, dass die Vernünftigen irgendwann mal wieder die Oberhand gewinnen.

Wie bewerten Sie im Nachhinein ihr Verhältnis zu Stadtbürgermeister Bernd May?

Pauly: Ich möchte das nicht überbetont sehen, es hat ja nur einen Bruchteil meiner 17 Jahre ausgemacht. Beim Kitabau hat er sich gut und richtig eingebracht, und dafür habe ich ihn bereits gelobt. Beim Sportplatz oder der Rettungswache fand ich das weniger toll. Mehr habe ich nicht dazu zu sagen.

Eine weitere Personalfrage wurde bei der Bürgermeisterwahl beantwortet. Wie sehr sind Sie als langjähriger CDU-Mann über den Wahlausgang enttäuscht?

Pauly: Als entschieden war, wer in die Stichwahl kommt, war für mich klar, dass ich persönlich mit jedem der beiden gut in der Interimszeit klarkommen werde. Seit der Stichwahl treffe ich mich mit Hans Peter Böffgen jede Woche einmal und wir besprechen das, was wichtig ist für die Verbandsgemeinde. Die Atmosphäre ist sehr gut.

Ist das Thema Kommunalpolitik damit für Sie beendet?

Pauly: Wer weiß, ich habe mich ja auf die Kreistagsliste der CDU setzen lassen. Aber bewusst auf einen hinteren Platz.

Was wird von der Ära Pauly in Erinnerung bleiben, worauf wären Sie stolz?

Pauly: Wenn Mitarbeiter eines Tages sagen würden: So ganz hat Pauly nicht falsch gelegen. Oder – was schon mal passiert – wenn Mitarbeiter zu mir kommen und sagen: Das habe ich von Ihnen gelernt. Das ist für mich das schönste Kompliment überhaupt.

Was fangen Sie künftig mit Ihrer Zeit an?

Pauly: Die werde ich überwiegend der Familie widmen, aber auch mein ehrenamtliches Engagement unter anderem beim DRK und Eifelverein werde ich beibehalten. Ich mache aber auch gerne Sport, bin zum Beispiel heute Morgen noch 1500 Meter geschwommen. Außerdem bin ich gerne in der Natur – und mir schwebt mit meinen Nachbarn aus meiner Heimatgemeinde Baustert, wo ich noch ein größeres Grundstück habe, vor, gemeinsam eine Streuobstwiese anzulegen. Das wäre eine schöne Geschichte.