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| 17:50 Uhr

Bistumsreform
Nach Ärger um Pfarreienreform: „Es hat sich alles zum Guten gewendet”

Trierer Dom und Liebfrauenkirche
Trierer Dom und Liebfrauenkirche FOTO: Roland Morgen / Medienhaus Trierischer Volksfreund
Hermeskeil/Schweich. Die Einwände vieler Katholiken an der Mosel und im Hochwald gegen eine künftige Großpfarrei Schweich-Hermeskeil haben Wirkung gezeigt. Das Bistum will seine Pläne ändern, die Betroffenen sind erleichtert. Von Christa Weber und Albert Follmann

Eine Welle des Protests schlug den Verantwortlichen beim Bistum Trier entgegen, nachdem sie am 23. Oktober den zweiten Entwurf zum Neuzuschnitt der Pfarreien ab 2020 vorgestellt hatten. Geplant waren 33 „Pfarreien der Zukunft“. Eine davon, die Einheit Schweich-Hermeskeil, sollte von Föhren bis nach Mandern im Hochwald reichen. Das stieß bei Gläubigen und Kirchenvertretern vor Ort auf teils heftige Kritik. Die Pfarreiengemeinschaft Mehring organisierte Gebetsmahnwachen. Pfarreienräte und Politiker wie der Schweicher Stadtbürgermeister Lars Rieger baten in Briefen darum, diesen Vorschlag zu überdenken (der TV berichtete).

Das haben die Verantwortlichen beim Bistum nun offenbar getan. Die überarbeitete Fassung des zweiten Entwurfs, die gestern veröffentlicht wurde, sieht eine eigenständige Großpfarrei Schweich vor. Sie soll im Norden um die Pfarreiengemeinschaft (PG) Zemmer ergänzt werden, die vorher Wittlich zugeordnet wurde. Die Großpfarrei Hermeskeil wird somit wieder kleiner, behält aber die Orte rund um Kell aus der PG Schillingen.

Man habe nach den zahlreichen Rückmeldungen die Dinge noch einmal abgewogen, sagt der Hermeskeiler Dechant Clemens Grünebach. Er leitet die Arbeitsgruppe, die sich beim Bistum Trier um die neue Raumgliederung kümmert. Er sei zwar nach wie vor der Meinung, dass die größere Einheit Schweich-Hermeskeil funktionieren könnte, sagt Grünebach. „Aber wir halten auch die jetzt vorgeschlagenen Großpfarreien Schweich und Hermeskeil beide für gut und lebensfähig.“ Das Bistum wolle die Menschen vor Ort bei dem Prozess mitnehmen. „Es wäre Quatsch, wenn wir jetzt auf Teufel komm raus etwas durchdrücken würden.“

In den Regionen Schweich und Fidei herrscht Erleichterung. Für Joachim Wagner, Vorsitzender des Pfarreienrats Schweich, ist das Ergebnis noch besser als erhofft: „Es hat sich alles zum Guten gewendet. Wir sind mit dieser Lösung sehr zufrieden.“ Dass die Zusammenlegung mit Hermeskeil vom Tisch ist, führt Wagner auf den breiten Protest zurück. Stefan Lex, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Köwerich, glaubt, dass die Mahnwachen in Mehring und Klüsserath mit zusammen etwa 700 Teilnehmern zur Kehrtwende beigetragen haben. Noch zufriedener wäre er, wenn das Bistum die Pfarreien vor Ort beibehalten würde: „Diese Struktur hat sich bewährt.“

Zur geplanten Großpfarrei Schweich gehören nach dem gestrigen Entwurf auch die Fidei-Orte Zemmer, Schleidweiler, Rodt und Orenhofen. „Zu Wittlich haben wir keinen Bezug. Wir wollten nach Schweich und haben das auch schriftlich mitgeteilt“, sagt Marga Mick, die Vorsitzende des Pfarreienrats Zemmer. Mit Schweich habe man schon im Dekanat Schweich-Welschbillig gut zusammengearbeitet. Für den Raum Welschbillig/Sauer ändert sich nichts. Er bleibt der Pfarrei Trier zugeordnet, wie es das Bistum schon im Oktober-Entwurf vorgesehen hatte. Dazu Klaus Christmann, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Welschbillig: „Wir können gut mit Trier leben.“

Auch im Hochwald sind die Reaktionen positiv. Elisabeth Franzen, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Schillingen/Heddert, sagt: „Ich bin sehr froh, dass unsere Bedenken Gehör fanden.“ Vertreter der Pfarreiengemeinschaft Schillingen hatten vergangene Woche in einem Brief an das Bistum kritisiert, dass es „keine natürlichen Wege von unseren Hochwaldorten nach Schweich“ und keine „gewachsenen kirchlichen Strukturen“ mit diesem Raum gebe. Mit dem neuen Entwurf werde ein „starkes kirchliches Leben im Hochwald“ möglich, sagt Franzen. Für Martin Rieger, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Reinsfeld, bleibt die Umsetzung der Großpfarreien insbesondere für kleine ländliche Gemeinden „eine spannende Herausforderung“. Er erwarte nun „ein klares pastorales Konzept und eine Beschreibung, wer künftig welche Kompetenzen hat“.

In der Pfarrei Sankt Franziskus Hermeskeil sind seit Anfang 2016 acht ehemals eigenständige Pfarreien zusammengeschlossen. Mirjam Minder, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, sieht durchaus Chancen, in größeren Einheiten „christliches Leben bunter zu gestalten“. Der neue Vorschlag sei der bislang beste, sagt sie. Nun müssten die inhaltlichen Aspekte folgen.

Dechant Grünebach betont, dass es nicht um „Zentralisierung“ gehe. Es werde „nichts abgeschafft“. Die größeren Räume böten die Chance, „die Vielfalt gesellschaftlichen Lebens abzubilden“, was in manchem Dorf gar nicht mehr möglich sei.

Über den neuen Entwurf beraten am Freitag, 24. November, die diözesanen Räte. Dann wird der Bischof einen finalen Vorschlag machen. Dazu sollen dann 2018 auch die Gremien in den Pfarreien noch einmal gehört werden.