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Ab morgen unter neuer Flagge

An Günter und Marco Schupp übergibt Insolvenzverwalter Helmut Konrad (Mitte) im Beisein seines Bürovorstehers Bernd Schuch (links) und Koordinator Günter Heß (rechts) symbolisch die Diamant-Quelle. Foto: Reiner Drumm
An Günter und Marco Schupp übergibt Insolvenzverwalter Helmut Konrad (Mitte) im Beisein seines Bürovorstehers Bernd Schuch (links) und Koordinator Günter Heß (rechts) symbolisch die Diamant-Quelle. Foto: Reiner Drumm
THALFANG/MALBORN. Die Sprudel-Übernahme in Schwollen ist perfekt. Was die Thalfanger wegen der gesicherten Arbeitsplätze freut, verursacht in Malborn enttäuschte Mienen. Die geplante Abfüllanlage von Hochwald-Sprudel in Malborn ist damit wohl vom Tisch. ARRAY(0x91915660)

Der Zeitplan ist eng. Am Dienstag stimmte das Bundeskartellamt der Übernahme der Diamant-Quelle durch Hochwald-Sprudel zu. Am Donnerstag informierte Firmenchef Günter Schupp die Mitarbeiter des angeschlagenen Unternehmens, dass der Schwollener Getränkehersteller Hochwald-Sprudel das Nachbarunternehmen schluckt. Und ab morgen segelt die Diamant-Quelle auch ganz formal unter neuer Flagge. Verwaltung und Vertrieb werden in die Hochwald Sprudel Schupp GmbH integriert. Die Produktion geht auf die neu gegründete Markengetränke Schwollen GmbH über. Zuvor findet am heutigen Montag eine eiligst anberaumte Sitzung des Zweckverbands der zwölf Gemeinden statt, dem das Gelände gehört, auf dem vor fünf Jahren das Thalfanger Zweigwerk errichtet worden war. Das Areal am Zwölf-Gemeindewald mit sieben Sprudelquellen wurde im Erbpachtverfahren auf 99 Jahre der mittlerweile insolventen Diamant-Quelle überlassen. Diese Rechte sollen heute auf den Rechtsnachfolger übertragen werden. Hans-Dieter Dellwo, in Personalunion Verbandsgemeinde-Bürgermeister und Verbandsvorsteher, geht davon aus, dass dies mit keinen großen Hürden mehr verbunden ist. "Wir sind froh, dass das Verfahren zum Abschluss kommt", versichert er. Gemeinsam mit dem Thalfanger Ortsbürgermeister Franz-Josef Gasper hofft er, dass die Weiterentwicklung des "Filetstücks" in Thalfang gewährleistet ist. Denn dort sei ein "hochmoderner Betrieb mit hervorragenden Wasserrechten" entstanden. Schupp, inzwischen Chef von 300 Mitarbeitern, will auch in Thalfang Bedenken ausräumen. "Ja, klar" lautet seine Antwort auf die Frage des TV, ob die rund 20 Arbeitsplätze auch im Thalfanger Zweigwerk sicher seien. Dort solle auch zuerst aufgestockt werden. Derzeit würden rund 40 Millionen Liter im Jahr abgefüllt. Diese Marke will er verdoppeln. Deutlich machte der Firmenchef dem TV gegenüber, dass sein Unternehmen trotz anders lautender Gerüchte das Einzige gewesen sei, das ein "konkretes Angebot und ein Konzept für die nächsten Jahre" vorgelegt habe. Noch eine gute Nachricht für Thalfang: Hochwald-Sprudel wird laut Schupp auch die Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Bau des Mineralwasser-Lehrpfads in unmittelbarer Nähe zur Thalfanger Abfüllanlage übernehmen. "Dazu stehen wir", versichert der Seniorchef. 34 000 Euro will man zu dem touristischen Projekt beisteuern. Dass die geplante Eröffnung der neuen Attraktion bei der Frühlingswanderung am 23. April dennoch auf tönernen Füßen steht, hat offenbar nichts mit der Insolvenz, sondern mit den schwierigen Witterungsbedingungen zu tun. Rechtzeitige Eröffnung des Lehrpfads unsicher

Ob die Frühlingswanderung dennoch im Haardtwald stattfinden wird oder noch kurzfristig verlegt wird, soll sich in Kürze entscheiden. Keine Aussagen macht Dellwo im Zusammenhang mit dem Engagement von Hochwald-Sprudel in Malborn. Dort hatte Schupp bereits Quellen bohren lassen und Grundstücke gekauft. Ob dieses Vorhaben noch realisiert wird? Dellwo: "An Spekulationen beteilige ich mich nicht." Auch die Malborner Ortsbürgermeisterin Gabriele Neurohr äußert sich zurückhaltend: "Wir werden schnell das Gespräch mit Herrn Schupp suchen." Das wird wohl nicht mehr viel bringen. "Wir haben gerade zwei Betriebe übernommen", kommentiert Schupp. Wie es in Malborn weitergeht, "da kann man drei und drei zusammenzählen". Der Thalfanger Wirtschaftsförderer Klaus Hepp bedauert dies, sieht aber fürs Malborner Mineralwasser noch nicht schwarz: Es würden ja auch andere Firmen in Frage kommen.