2091-mal Hoffnung

WELSCHBILLIG. Dauerbetrieb herrschte am Sonntag in der Kultur- und Marktscheune in Welschbillig. Mehr als 2000 Leute aus der Region kamen zur Blutentnahme, um der an akuter Leukämie erkrankten Nicole Müller zu helfen. Neben den Maltesern unterstützten auch Feuerwehr und Jugendliche aus dem Ort die Aktion der Stefan-Morsch-Stiftung.

Großkampftag in Welschbillig - in diesem Fall allerdings eine ausnahmslos positive Aktion, bei der das Blut nicht sinnlos vergossen wird, sondern lebensrettend sein kann. "Wir hatten gerade einige Tische in der Halle aufgebaut, da standen die ersten Spender schon in der Tür", erzählt ein Mitarbeiter der Malteser zufrieden von der Typisierungsaktion für die an Leukämie erkrankte Nicole Müller. Gegen 14 Uhr ist der absolute Höhepunkt erreicht: Die Warteschlange reicht bis zur Kirche. Emil Morsch, Gründer der Stiftung, nutzt die Zeit, um Fragen der Wartenden zu beantworten. In der Halle selbst sieht es aus wie in einem Ameisenhaufen. Der Aufbau der Anlaufstellen bringt Ordnung in die rege Betriebsamkeit. Im vorderen Bereich die Informationsstände, dahinter der "Tatort". Nach Unterzeichnung der Einverständniserklärung kann zur Nadel geschritten werden. Im Minutentakt zapfen die geschulten Kräfte jedem Spender etwa sechs Milliliter Blut ab. "Ein halbes Schnapsglas Blut wird man wohl opfern können", scherzt Karl-Ludwig Kunz, der die Aktion aus ärztlicher Sicht überwacht. An Motivation fehlt es niemandem. Manuela Lender aus Gerolstein verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen und macht mit Freunden eine Motorradtour nach Welschbillig. Ein Spender stammt sogar aus Stuttgart. Nach zwei Stunden gehen 1000 Proben auf die Reise

Erfreuliche Zwischenbilanz gegen 16 Uhr: Die ersten 1000 Proben sind auf dem Weg in das stiftungseigene Labor nach Birkenfeld. Die Zeit ist wichtig, denn aufgrund der Haltbarkeit müssen die Blutproben innerhalb von 24 Stunden analysiert werden. Emil Morsch betont, dass tatsächlich alle Proben getestet werden, was im Zusammenhang mit der Kostenfrage nicht selbstverständlich ist. Durch die Übernahme von 15 Euro hat die Stiftung den Testpreis pro Person auf 35 Euro senken können. Die meisten Spender sind gerne bereit, ihren Test zu finanzieren. Die Firma Alwitra hat in diesem Fall nicht die Kicker von Eintracht Trier, sondern ihre eigenen Mitarbeiter gesponsert- wieder 40 Röhrchen mehr. Es sind auffallend viele junge Leute zur Typisierung erschienen, was den Mediziner besonders freut, da deren Blut meist besser zu verwenden ist. Die Trefferquote ist nicht hoch, was einen Weiterausbau der Spenderdatei - zur Zeit sind deutschlandweit etwa 1,7 Millionen Menschen registriert - unabdingbar macht. "Von dieser Typisierungsaktion werden in den nächsten fünf Jahren etwa zehn Leute in die engere Wahl kommen", prognostiziert Kunz. Ein ernüchterndes Zahlenverhältnis, aber eben zehn Leben, die sich dadurch eventuell retten lassen. Als die letztem Röhrchen um 18 Uhr verpackt werden, liegt die Zahl bei genau 2091 Spendern. "Unsere Erwartungen sind weit übertroffen worden", freut sich Emil Morsch. Den Helfern dankt er: "Den schönen Tag hätten sie auch anders verbringen können, danke für ihre Arbeit!" Anders hätte man den Tag sicherlich gestalten können, sinnvoller nicht. Weitere Aktionen sind geplant - zum Beispiel eine Osterputz-Aktion in Welschbillig. Schülerinnen und Schüler reinigen öffentliche Plätze gegen einen freiwilligen Obolus der Anwohner. Geholfen haben auch mehrere Bands, die im Trierer Ex-Haus eine Benefiz-Konzert gaben (der Trierische Volksfreund berichtete). Der Erlös von 2500 Euro geht auf das Spendenkonto.