Der Biber ist wieder da

Die Naturschützer in der Region Trier würden ihn am liebsten mit einem Festkomitee empfangen, weil sie schon lange auf sein Kommen gewartet haben. Bei Reinsfeld ist ein Biber aufgetaucht, der wahrscheinlich aus dem Saarland die Wadrill hochgewandert ist. In Rheinland-Pfalz galt das Nagetier über 150 Jahre lang als ausgestorben.

Reinsfeld. Gesehen wurde er nach derzeitigem Wissensstand noch nicht. Doch seine Spuren sind deutlich. In unmittelbarer Nähe der Abfahrt von der Hunsrückhöhenstraße (B 407) nach Reinsfeld hat sich ein Biber im Osterbach (eines der beiden Quellgewässer der Wadrill) häuslich niedergelassen.

In der Eifel ist der Nager vereinzelt zu finden



Davon künden mehrere ange nagte und umgelegte Bäume, deren Kronen teilweise im Wasser liegen. Denn der Biber bevorzugt als Nahrung dünne Zweige oder die frische Rinde von Bäumen und Sträuchern, die er selbst abschält und am liebsten im Wasser verzehrt.

"Wir warten schon seit Jahren sehnsüchtig darauf, dass der Biber den Weg auch in unseren Bereich findet. Deshalb müsste man ihn eigentlich mit einem Festkomitee empfangen", freut sich Manfred Weishaar, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Region Trier. Denn in Rheinland-Pfalz galt das Nagetier seit 1840 als ausgestorben. Erst in jüngerer Vergangenheit ist er wieder aufgetaucht, so zum Beispiel vereinzelt in der Eifel. "Wir gehen davon aus, dass es inzwischen landesweit schätzungsweise 40 Tiere gibt", sagt Stefanie Venske, die Leiterin des rheinland-pfälzischen Biberzentrums in Fischbach bei Dahn (Pfalz). Sie und Weishaar gehen mit "hoher Wahrscheinlichkeit" davon aus, dass es sich beim Reinsfelder Tier um einen Einwanderer aus dem Saarland handelt. Dort gab es nämlich bereits vor längerer Zeit ein "Einbürgerungsprogramm" (Weishaar) für den Europäischen Biber. Der hatte im Gebiet der Elbe die erbarmungslose Verfolgung im 19. Jahrhundert zumindest vereinzelt überlebt. Und aus dieser Restpopulation wurden in den 1990erJahren Tiere für die Wiederansiedlung in unser Nachbar-Bundesland verfrachtet. Prims, Löster und schließlich die Wadrill galten deshalb unter Experten schon lange als potenzieller Einwanderungsweg für den Biber nach Rheinland-Pfalz, was sich nun offenbar bewahrheitet hat.

"Leider lebt er an der Stelle, die er sich ausgesucht hat, ziemlich gefährlich", sagt Gudrun Rau, die Geschäftsführerin des Naturparks Saar-Hunsrück mit Blick auf die nahe und vielbefahrene Bundesstraße. Sie bezeichnet es als "grundsätzlich begrüßenswert, dass der Biber die Grenze überschritten hat. Das spricht für die Biotop-Ausstattung." Probleme mit der Landwirtschaft und dem Forst , wie es sie in Bayern gibt, weil dort die Biber-Population inzwischen wieder stark zugenommen hat, seien in unserer Region vorerst kaum zu befürchten. Denn beim Einwanderer in Reinsfeld handelt es sich wohl um ein Einzeltier, allenfalls um ein Pärchen.

Bei aller Freude hat Weishaar ein Herzensanliegen: "Biber sind scheue Tiere und vertragen keinen Rummel. Wenn wir ihn nicht vergrämen wollen, sollten die Leute also Abstand von seinem Lebensraum halten und nicht versuchen, ganz dicht an ihn heranzukommen."

Extra Biber Der Biber ist das zweitgrößte Nagetier der Welt. Mit dem Europäischen und dem Kanadischen Biber gibt es zwei Arten. Die Tiere sind überwiegend nachtaktiv, werden ausgewachsen circa 1,30 Meter groß und leben im Mittel zwischen 15 und 17 Jahren. Biber bauen sich aus Ästen im Uferbereich von Gewässern Kammern, die als Schlafstätte und zur Aufzucht von Jungtieren dienen. Um die Eingänge zu diesen Biberburgen zu schützen und unter Wasser zu halten, legen sie Dämme an. Der Biber wurde früher von Menschen erbarmungslos gejagt und getötet. Ein Grund dafür war sein wertvoller Pelz. Außerdem war er wegen eines Drüsensekrets begehrt. Dem sogenannten "Bibergeil" wurden heilende und potenzsteigernde Wirkungen nachgesagt. Nach seiner Ausrottung vor 170 Jahren im heutigen Rheinland-Pfalz ist das Reinsfelder Tier vermutlich der erste Biber, der wieder im Gebiet zwischen dem südlichen Moselufer und dem Saarland aufgetaucht ist.