Die hässlichen Ecken von Helfant

Die hässlichen Ecken von Helfant

Die Ortsgemeinde Palzem hat in Helfant ein Sanierungsgebiet ausgewiesen. Die Aufforderung an Bauherren, dieses "Geschenk" doch zu nutzen, stieß bislang auf taube Ohren. Der Verfall geht weiter, bis hin zur Einsturzgefahr.

Helfant Ein kleines Bäumchen wächst bereits aus der Wand. Steine drohen herunterzufallen. Absperrungen sind nötig. Der Ortskern des Palzemer Ortsteil Helfant könnte so idyllisch aussehen, wären da nicht einige Gebäude, die regelrecht zerbröseln. Vor zwei Jahren hat die Ortsgemeinde hier ein Sanierungsgebiet ausgewiesen. Mit hohen Steuerersparnissen und Zuschüssen aus der Dorferneuerung sollte den Hausbesitzern die Sanierung oder der Abriss mit Neubau schmackhaft gemacht werden.
Passiert ist seitdem nichts, außer dass der Verfall bei sechs Leerständen weiter fortgeschritten ist. Frank Weber wohnt in der Brückenstraße. Er sagt: "Wir haben uns bewusst für das Leben im Ortskern eines Dorfes entschieden. Und jetzt müssen wir gegenüber auf diese Ruine schauen."
Gemeint ist das Haus, das mal eine urige Kneipe war. Es stand unter Denkmalschutz, der besonderen Dachform wegen. Das Dach ist längst eingestürzt, die Fenster zugemauert. "Der Kreis hat das veranlasst", informiert Ortsbürgermeister Florian Wagner. Die Hausbesitzer reagieren nicht, leben meist im Ausland. Frank Weber beklagt: "In welche Richtung ich auch schaue, überall sehe ich nur Ruinen." Dabei biete das Sanierungsgebiet doch die große Chance, den Helfanter Ortskern wieder auferstehen zu lassen.
Was Ortsvorsteher Franz-Josef Reuter umtreibt, ist auch der "mentale Schaden" für den Tourismus: "Die Wanderer kommen vom Moselsteig, schauen sich um, wundern sich über die maroden Häuser, machen sogar Fotos davon und sind wieder weg." Die Eindrücke des Verfalls nehmen die Touristen mit. Dass es auch anders geht, zeigen etliche weitere Häuser, die sehr schön und vorbildlich instand gesetzt sind.
25 000 Euro hat die Ortsgemeinde Palzem für die Entwicklung eines Dorferneuerungskonzeptes bereits ausgegeben. Das Büro Deubert aus Quirnheim hat sogar verschiedene Varianten in der Schublade. In der Information der Verbandsgemeinde Saarburg "Bauen im Ortskern-Leben mittendrin", schreibt Bürgermeister Jürgen Dixius: "In einer Urlaubsregion wie der unsrigen sollten die Ortskerne gerade auch für unsere Gäste interessant und attraktiv sein." Es gehe nicht nur um Steine, sondern um eine Bewusstseinsbildung zur regionalen Baukultur.
Was kann also getan werden? "Wir müssen weiter versuchen, die Grundstückseigentümer zu überzeugen. Es ist einen Versuch wert", kündigt Wagner an. Eine Dorfkernsanierung sei möglich, so wie es im Merzkircher Ortsteil Kelsen jetzt angegangen wird. Investoren könnten Mietobjekte oder Wohneigentum schaffen. "Auch Alt gegen Neu ist möglich", findet Wagner. Andernorts habe das ja auch geklappt.
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Extra

Wer sich für eine Sanierung oder Renovierung entschließt, muss zunächst mit der Ortsgemeinde, Florian Wagner, Telefon 06583/844 in Kontakt treten. Er hält entsprechende Antragsformulare bereit. Ansprechpartner bei der Verbandsgemeinde für Zuschuss- und Abschreibungsfragen ist Thomas Wallrich, Telefon 06581/81-280. Zuschüsse können auch diejenigen beantragen, die in Luxemburg arbeiten. Wer jedoch keine Steuern in Deutschland zahlt, kann hier auch keine Steuern sparen.

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