Erst knallt’s, dann klingt’s

Gespannt haben viele Hermeskeiler auf den ersten Einsatz der neuen Bronzeglocken in der Martinuskirche gewartet. Am Samstagabend wurden sie im Rahmen eines Festes erstmals geläutet. Dabei gab es auch zwei Überraschungen.

Hermeskeil Der Ruf des Kommandanten schallt über den Platz vor der Martinuskirche: "Kanoniere, gebt Feuer!" Dann knallt es laut und Rauch strömt aus dem Kanonenrohr. Mit ihrem Böllerschuss signalisieren die Hermeskeiler Stadtsoldaten, dass ein besonderes Ereignis bevorsteht. Normalerweise eröffnen sie auf diese Weise das Hermeskeiler Stadtfest. Diesmal geht es um den ersten Einsatz der neuen Glocken der katholischen Pfarrkirche.
Um mitzuerleben, wie die fünf Bronzeglocken klingen, sind trotz Nieselregen etwa 120 Gäste zum feierlichen Anläuten gekommen. Der Förderverein Freunde von Sankt Martinus hat Stände aufgebaut, an denen sich die Wartenden mit Wein und Flammkuchen stärken. Bevor es losgeht, wendet sich der Vereinsvorsitzende Martin Eiden per Mikrofon an die Gäste. Das Fest sei auch ein Dank an alle "Helfer, Spender und Förderer", sagt Eiden. Ohne deren Unterstützung wäre das Projekt "gar nicht zu verwirklichen" gewesen.
Laut Eiden begann der Verein vor vier Jahren damit, Finanzierungsmöglichkeiten für einen neuen Glockenstuhl zu suchen. Der Alte musste wegen statischer Probleme ersetzt werden. Dabei ergab sich zufällig auch die Möglichkeit, fünf Bronzeglocken aus der entweihten Kirche Sankt Mauritius in Saarbrücken als Spende zu erhalten. Sie wurden 2015 nach Hermeskeil transportiert, in Hallen gelagert und von dem ehrenamtlichen Helfer Ernst Blasius fachmännisch gesäubert. Am 17. August hob ein Kran die neuen Glocken samt Stuhl in den Kirchturm (der TV berichtete).
"Es freut mich sehr, dass heute so viele Menschen hier sind", sagt Clemens Grünebach, Pastor der Pfarrei Sankt Franziskus Hermeskeil und Dechant des Dekanats Hermeskeil-Waldrach. Die Glocken seien pünktlich zum Firmungs-Gottesdienst am Sonntag einsatzbereit. Wie viele der Anwesenden habe auch er den vertrauten Glockenschlag vermisst, sagt Grünebach: "Ich bin oft nur knapp rechtzeitig zum Gottesdienst gekommen, weil ich mich auf die Glocken verlassen habe. Ab sofort läuten sie wieder." Der Stundenschlag in Verbindung mit der Turmuhr funktioniere noch nicht, das werde aber bis Mitte/Ende kommender Woche geregelt.
Um Punkt 20 Uhr ist es so weit. Der Dechant gibt per Mobiltelefon ein Signal an Martin Eiden in der Sakristei, der dort die Technik in Gang setzt. Unter dem zustimmenden Raunen der Zuhörer erklingen die neuen Glocken der Martinuskirche minutenlang, während die Blicke der Gäste gen Turm gerichtet sind. Ihr Urteil fällt durchweg positiv aus. "Wunderbar!", sagt Maria Schmitt, Vorstandsmitglied des Kirchenfördervereins. Obwohl sie mit den alten Glocken aufgewachsen sei, gefalle ihr der neue Klang viel besser, sagt Schmitt: "Ich habe ihn im Bauch gespürt." Sie finde es toll, dass das Anläuten mit einem Fest gefeiert werde. "Es ist wichtig, dass wir viel dafür tun, unsere Kirche als Kulturgut noch lange zu erhalten." Dittmar Lauer aus Kell findet, dass die Bronzeglocken "viel weicher klingen" als ihre Vorgänger aus Stahl - "fast wie der Trierer Dom". Auch der Hermeskeiler Paul Müller, der schon Mitte der 1940er Jahre bei der Montage der alten Glocken dabei war, ist zufrieden: "Ich habe es mir genauso vorgestellt."
Für die Klöppel und die Joche, an denen die Glocken aufgehängt wurden, sind laut Eiden viele Spenden von Bürgern, Unternehmen und Vereinen eingegangen. An diesem Abend kommen zwei weitere hinzu: Alexander Louis vom Hermeskeiler Café Louis gibt 450 Euro, die Hermeskeiler Frauengemeinschaft spendet 650 Euro für die Joche der kleinsten Glocke. "Das ist schließlich unsere Kirche", begründet Vorsitzende Christel Gorges die Spende.
Insgesamt rund 170 000 Euro hat das Sanierungsprojekt laut Grünebach gekostet. Der Förderverein habe allein fast 50 000 Euro in vier Jahren gesammelt, "eine tolle Leistung!" Nun müssten alle Beteiligten aber erst einmal "durchatmen". Auf die viel gestellte Frage nach der Außensanierung des Kirchturms antwortet der Dechant. "Das schaffen wir in diesem Jahr nicht mehr. Da sprechen wir von 250 000 bis 300 000 Euro, also von einer ganz anderen Hausnummer." Auch deshalb werde man weiterhin auf die Unterstützung der Kirchengemeinde angewiesen sein.
Ein Video vom Anläuten gibt's auf
www.volksfreund.deExtra: NEUER ZWECK FÜR ALTE GLOCKEN


Die vier ausrangierten Stahlglocken stehen noch vor der Martinuskirche. Sie sollen nicht verschrottet werden, sondern eine neue Funktion erhalten. Die kleinste Glocke, dem heiligen Sankt Joseph gewidmet, ist laut Martin Eiden vom Förderverein Freunde der Martinuskirche für die Sankt-Josef-Kapelle in Neuhütten-Muhl gedacht. Die große Donatusglocke könne Teil der Neugestaltung des Donatusplatzes in Hermeskeil werden.