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Ganztagsangebot startet: 78 Kinder sind dabei

Ganztagsangebot startet: 78 Kinder sind dabei

Nach den Ferien beginnt an der Realschule plus Kell am See/Zerf eine neue Zeitrechnung. Ab Montag gibt es dort an beiden Standorten ein Ganztagsangebot, von dem 78 Kinder Gebrauch machen. Der TV hat sich über den Stand der Vorbereitungen informiert.

Kell am See/Zerf. "Wir sind uns bewusst, dass am Anfang nicht alles reibungslos verlaufen wird. Auch wir Lehrer werden viel dazulernen, stellen uns dieser Herausforderung aber gerne." Das sagt Anne Gehlen, die mit ihren Kollegen Anne Schuler, Sven Weyrich und Uwe Hanus seit Monaten in einer Planungsgruppe arbeitet, für die der 8. August ein entscheidendes Datum ist.
An der Realschule plus in Kell und Zerf wird ab dem kommenden Schuljahr erstmals Kindern von montags bis donnerstags eine Betreuung bis 16.15 Uhr angeboten. Nach drei vergeblichen Anläufen und Umfragen in den Jahren 2001, 2003 und 2004, bei denen zu wenige Eltern Interesse zeigten, gibt es damit künftig die erste Ganztagsschule in der Verbandsgemeinde (VG) Kell.
"Der Elternbeirat hat sich schon lange die Einführung eines Ganztagsangebots gewünscht. Jetzt hat es endlich geklappt, weil sich in der Gesellschaft doch vieles verändert hat. Es gibt inzwischen viel mehr Familien, in denen beide Eltern arbeiten", sagt der Vorsitzende Günter Dexheimer. 78 Eltern haben ihre Kinder im neuen Schuljahr verbindlich für das Ganztagsangebot angemeldet - die gesetzlich geforderte Mindestteilnehmerzahl von 54 wurde also locker überschritten.
38 Jungen und Mädchen der Klassen fünf und sechs werden in Kell betreut, 40 Kinder aus den Klassen sieben bis zehn sind es in Zerf. "Natürlich wäre es pädagogisch noch sinnvoller, wenn wir Ganztagsklassen hätten bilden können. Das ist bei uns aber wegen der dann doch zu geringen Schülerzahlen und unserem kooperativen Modell nicht machbar", sagt Rektor Bernd Staudt (siehe Extra).
Nachmittagsunterricht wird es an der Realschule Kell/Zerf also nicht geben. Für die Kinder, die ab Montag vom Ganztagsangebot Gebrauch machen, sieht der Alltag künftig so aus. Ab 13.20 Uhr ist zunächst eine einstündige Mittagspause vorgesehen. Fürs Essen gehen die Jungen und Mädchen, die den Standort Kell besuchen, ins nahe DRK-Altenheim. Dort bereitet das Küchenpersonal auch die Gerichte zu, die anschließend nach Zerf gebracht werden. Die Kinder dort essen in der großen Lernküche in der Schule. Ab 14.20 Uhr ist eine Dreiviertelstunde Lernzeit angesagt. Die Schüler sollen dann - in mehrere Gruppen unterteilt - ihre Hausaufgaben machen, wobei sie auch Hilfe erhalten.
Nach einer kurzen Pause werden die Schüler ab 15.10 Uhr in die Arbeitsgemeinschaften (AG) wechseln, die ihnen am Montag zunächst vorgestellt werden. "Danach bekommt jeder Schüler einen Wahlzettel mit und kann sich aussuchen, bei welcher AG er mitmachen will", sagt Weyrich. Die Palette der einstündigen Angebote reicht von diversen Sport-AGs über eine Tanz- oder Näh-AG bis hin zu einem Trommel-Workshop oder einer Projektgruppe zur Schulhofgestaltung. Außerdem sind für etwas lernschwächere Schüler Förderangebote in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathe geplant. Die etwas stärkeren Schüler können Sprachzertifikate in Englisch und Französisch erwerben. Am Nachmittag werden laut Staudt an beiden Standorten immer ein Lehrer und ein Mitglied der Schulleitung dabei sein. Außerdem kümmern sich pädagogische Fachkräfte und externe Helfer - zum Beispiel als Leiter der Sport-AG - um die Nachmittagsbetreuung. "Aus unserer Sicht ist das ein schlüssiges Konzept. Hier ensteht keine reine Kinder-Verwahrschule, sondern die Ganztagssschüler werden sinnvoll beschäftigt", sagt Dexheimer. Diese positive Erwartungshaltung teilt auch Roland Waschbüsch. "Dass alle Neuland betreten, ist klar. Ich finde es aber gut, dass es jetzt auch bei uns eine Ganztagsschule gibt." Seine Tochter kommt in die sechste Klasse und hat laut Waschbüsch "von sich aus gesagt, dass sie gerne beim Nachmittagsangebot mitmachen will. Sie hätte das nicht tun müssen."Realschule Kell/Zerf: Aus den früheren zwei Hauptschulen in Kell und Zerf wurde 1999 zunächst eine Regionale Schule. Seit 2009 trägt sie den Titel "Realschule plus". Aktuell besuchen 323 Kinder die Schule. Die Klassen fünf und sechs gehen nach Kell. Die älteren Jahrgänge werden in Zerf unterrichtet - und zwar nach dem "kooperativen Modell". Mit diesem Fachbegriff ist gemeint, dass ab Klasse sieben in Zerf in zwei Zweige getrennt wird. Ein Teil der Schüler arbeitet auf die Berufsreife (nach Klasse neun), der andere auf die mittlere Reife hin. 2010 hat die VG Kell die Trägerschaft an den Landkreis Trier-Saarburg abgegeben. Er hat in den Ferien für 80 000 Euro die Sanitäranlagen erneuern lassen und organisiert unter anderem die Essensversorgung der Ganztagsschüler. Die einzigen Kosten, die für Eltern anfallen, sind 2,83 Euro pro Mittagessen. Dessen Normalpreis beträgt 4,90 Euro, wobei der Kreis den Rest übernimmt. ax