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Hitziger Streit ums Brennholz

Neuhütten. Wegen einer Mitteilung des Forstamts Hochwald zur Bereitstellung von Brennholz im geplanten Nationalpark ist in Damflos, Neuhütten und Züsch Feuer unter dem Dach. Viele Bürger fürchten nun, dass sie sich künftig nicht mehr im Staatswald vor Ort mit Brennholz versorgen können und dafür nur noch Versteigerungen im Bereich Hermeskeil angeboten werden. Das sei ein Missverständnis, betonen Land und Forstamt. Axel Munsteiner

Neuhütten. In allen Veranstaltungen und Diskussionen zum geplanten Nationalpark im Hochwald stand in den drei direkt von diesem Schutzgebiet berührten Gemeinden Damflos, Neuhütten und Züsch ein Problem ganz klar im Vordergrund: Die Frage, ob durch den Nationalpark die Brennholzversorgung vor Ort gefährdet ist. Denn gerade in diesen drei Dörfern gibt es sehr viele Selbstwerber, die im Wald Holz machen.
Daher hat eine Ankündigung des Forstamts Hochwald in der jüngsten Ausgabe des Amtsblatts "Rund um Hermeskeil" große Aufregung verursacht. "Bei mir haben sich danach etliche Bürger gemeldet, die nicht nur besorgt, sondern sogar richtig sauer waren", berichtet der Neuhüttener Gemeindechef Peter Kretz.
In der Mitteilung machte das Forstamt auf eine Anweisung der Landesforstverwaltung aufmerksam. Demnach wurde in den Staatswaldrevieren Züsch und Königsfeld-Thiergarten die Ernte von alten Laubbäumen, insbesondere mehr als 120 Jahre alte Buchen, eingestellt. Die Folge: "Damit kommen große Areale, in denen in den vergangenen Jahrzehnten Brennholz bereitgestellt wurde, für die Holzernte nicht mehr in Frage.
Die Kompensation mit Holz aus jüngeren Baumbeständen ist nur zu einem kleinen Teil möglich", hieß es in dem Text weiter. Deshalb kündigte das Forstamt direkt im Anschluss an, dass es speziell für die Bürger aus Damflos, Züsch, Neuhütten und Malborn-Thiergarten eine Brennholzversteigerung im Staatswald Forstelbach zwischen Hermeskeil und Nonnweiler anbieten wird.
Spezielle Zone ausweisen



"Das musste schief aufgefasst werden. Viele Bürger haben es so gelesen, dass sie in Zukunft dorthin fahren müssen, um sich ihr Brennholz zu holen", sagt Kretz. Joachim Wellenberg berichtet von ähnlichen Reaktionen. "Wenn man jetzt schon anfängt, gewisse Reviere zu sperren, bevor der Nationalpark überhaupt da ist, wohin soll das dann noch führen?", fragt der Damfloser Gemeindechef und fügt hinzu: "Es kann nicht sein, dass die Leute zig Kilometer fahren müssen, um sich Brennholz zu besorgen."
Sowohl Kretz als auch Wellenberg betonen unisono, dass ihre Gemeinden unter diesen Bedingungen dem Nationalpark-Projekt nicht zustimmen könnten. "Die Diskussionsgrundlage war ja bisher auch eine ganz andere", so Kretz. Denn bei der öffentlichen Info-Veranstaltung im November 2012 hatte Landesforsten eine denkbare Alternative zur Lösung der Brennholzfrage aufgezeigt. Demnach könnte man innerhalb des Nationalparks eine Zone ausweisen, die langfristig für die Versorgung der lokalen Bevölkerung zur Verfügung steht. "Wir bestehen auf den Aussagen, dass eine solche Energieholzzone eingerichtet wird", stellt Wellenberg klar. Auch Sven Stieffenhofer, der CDU-Vorsitzende in der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil, meldet sich zu Wort: "Es gibt vom Land und vom Forstamt widersprüchliche Aussagen. Da müssen sich die Bürger doch verschaukelt fühlen."
Auf TV-Anfrage versucht Harald Egidi die Gemüter zu beruhigen: "Ich kann die Irritationen zwar nachvollziehen. Es handelt sich aber um eine Kommunikationspanne", sagt der Mann vom Mainzer Forstministerium. Das Ausweichen auf den Staatswald Forstelbach sei nur als "Lösung für dieses Jahr" gedacht gewesen. Da die Grenzen des Nationalparks noch nicht genau feststehen und das Brennholzkonzept für das gesamte Schutzgebiet noch in Arbeit ist, habe das Land in den Revieren Züsch und Königsfeld in dieser "Interimsphase die sensiblen Bereiche mit alten Laubbäumen schonen" wollen.
Egidi kündigt an, dass das Land konkrete Vorschläge für die künftige Brennholzversorgung im Bereich Neuhütten/Züsch vorrangig behandeln wird und das Konzept für "diesen Teil des Nationalparks" bereits Ende Februar vorlegen will.Extra

Bernhard Buss ist Leiter des Forstamts Hochwald mit Sitz in Hermeskeil. Er bedaure, dass die Mitteilung seiner Behörde "etwas missverständlich formuliert wurde. Wenn sie so verstanden wurde, dass es künftig kein Brennholz mehr aus dem Revier Züsch gibt, war das nicht beabsichtigt". Buss weist darauf hin, dass es Ende Februar eine Versteigerung geben wird, bei der Brennholz aus dem Revier Züsch verkauft wird. "Bei diesem Termin wird dann zusätzlich auch Holz aus dem Bereich Forstelbach angeboten", stellt Buss klar. Der Forstamtsleiter sagt weiter, "dass die ortsnahe Brennholzversorgung bei der Ausweisung eines Nationalparks sichergestellt ist". Das ändere aber nichts an der Tatsache, dass bei der Bereitstellung des Brennholzes "manches ein bisschen anders laufen wird als bisher. Es ist nun mal so, dass wir in einigen Gebieten des Staatswalds die alten Buchen stehen lassen. Der Nationalpark ist ein Naturschutzprojekt", so Buss im TV-Gespräch. Ein Hinweis ist ihm wichtig: "Es ist genug Holz da." Als Beispiel nennt er, dass kürzlich in Damflos eine Versteigerung mit Holz aus dem Staatswald Königsfeld gelaufen ist. Von den 440 angebotenen Raummetern Holz habe das Forstamt aber nur 320 Raummeter verkauft, berichtet Bus. ax