1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Kurswechsel und böse Überraschung

Kurswechsel und böse Überraschung

Zwei wichtige Themen haben bisher die 100-tägige Amtszeit des neuen Stadtbürgermeisters Mathias Queck (CDU) bestimmt. Eine Hiobsbotschaft bei den Kosten des Feuerwehrmuseums und der Kurswechsel bei der Windkraft. Im TV-Interview mit Queck geht es aber nicht nur um einen Rückblick, sondern auch um sich anbahnende Entscheidungen an der früheren Kaserne und bei der Privatklinik im St. Fargeau-Park.

Hermeskeil. Ein Sieg in der Stichwahl besiegelte an Pfingstsonntag einen politischen Machtwechsel in Hermeskeil. Ende Juli löste Mathias Queck (CDU) offiziell den bisherigen Amtsinhaber Udo Moser (BFB) als Stadtbürgermeister ab. Im Gespräch mit TV-Redakteur Axel Munsteiner blickt der 44 Jahre alte Notar auf seine ersten 100 Regierungstage zurück.Herr Queck. Sie sind seit 100 Tagen im Amt. Davon war aber mehr als die Hälfte Ferienzeit. Normalerweise passiert dann auch politisch nicht viel. War das hier in Hermeskeil auch so?Mathias Queck: Nein. Es war in dieser Zeit viel anzustoßen gewesen. Gerade die Windkraft war wegen der Einwohnerbefragung am 25. Mai ein wichtiges Thema. Da konnten wir uns keine Sommerpause erlauben, weil die Bürger ein klares Signal erwartet haben. Deshalb habe ich gleich nach der Amtseinführung die Gespräche mit den Investoren aufgenommen. Ende September haben wir dann schon die neuen Windkraftplanungen im Stadtrat beschlossen und die Verträge abgeändert. Schneller konnten wir das Thema auf städtischer Ebene nicht abarbeiten.Wegen der größeren Abstände zu Wohnhäusern, für die sich dieMehrheit der Bürger ausgesprochen hatte, sollen nun nur noch vier statt zehn Anlagen gebaut werden. Ist das aus Ihrer Sicht ein zufriedenstellendes Ergebnis?Queck: Ich denke schon. Wir haben einen fairen Kompromiss gefunden, der die Interessen der Bürgerschaft, der Investoren und der Stadt berücksichtigt. Sie bewerten die Entwicklungen bei der Windkraft also positiv. Sie mussten aber auch zwei schlechte Nachrichten verkaufen: die Mehrkosten beim Feuerwehrmuseum und dass die Stadt nach Ihrer Aussage beim geplanten Fachmarktzentrum am Dörrenbach wieder "bei null anfangen muss".Queck: Das ist zwar richtig. Aber ich muss da einhaken. Das sind zwei Dinge, die ich von meinem Vorgänger geerbt habe. Erst als ich das Amt übernommen habe, hat sich gezeigt, wie es zum Beispiel mit den Kosten beim Feuerwehrmuseum aussieht. Da hieß es seit Herbst 2013, dass sie 4,3 Millionen Euro betragen und das war es dann. Als ich mir dann einen Überblick verschafft habe, hat sich herausgestellt, dass wir bei fast 4,8 Millionen Euro liegen. In dieser Situation ist es aber besser, man geht mit den Dingen offensiv um, als sie weiter unter dem Deckel zu halten.Bleibt das Feuerwehrmuseum das große Problemkind?Queck: Also, es macht keinen Sinn, darüber zu diskutieren, wer vor einigen Monaten die Verantwortung hatte. Ich muss nach vorne schauen, und ich bin auch fest davon überzeugt, dass wir das Feuerwehrmuseum erfolgreich führen werden. Auch durch den personellen Neuanfang im Förderverein, den ich sehr begrüße, sind wir für die Zukunft gut aufgestellt.Und wie sieht es am Dörrenbach und vor allem mit der Ansiedlung eines Drogeriemarkts aus, die ja eines Ihrer großen Wahlkampfziele war. Sind Sie da schon einen Schritt weiter?Queck: .Wir müssen die Verhandlungen zwar neu aufnehmen. Ich bin aber trotzdem zuversichtlich, dass wir einen Drogeriemarkt im Paket mit anderen Fachmärkten nach Hermeskeil bekommen. Wie schätzen Sie es ein: Ist das Glas in Hermeskeil zum Einstand nun halb leer oder halb voll?Queck: Ich bin guter Dinge und der Meinung, dass wir schon wieder deutlich was ins Glas bekommen haben. Noch mal: Im Feuerwehrmuseum haben wir wichtige Weichenstellungen getroffen. Am Dörrenbach wollen wir die Entwicklung vorantreiben, auch wenn das nicht von heute auf morgen geht. Auch in der Innenstadt haben wir schon Impulse gesetzt und ein Sanierungsgebiet ausgewiesen. Außerdem haben wir dort die frühere Schlecker-Immobilie inzwischen an einen luxemburgischen Investor verkaufen können."Apropos Investor: Von der geplanten Privatklinik im St. Fargeau-Park ist schon seit Monaten nichts mehr zu hören gewesen. Was ist denn mit diesem Projekt?Queck: Diese Planungen haben wir wieder aufgenommen. Es gibt zwar noch einige Details zu regeln. Wir wollen den Architektenentwurf für die Privatklinik aber nach den Vorberatungen in den städtischen Gremien im Januar 2015 öffentlich vorstellen. Ich muss dabei ausdrücklich betonen, dass bei diesem Projekt die Stadt kein Risiko hat. Wir beauftragen weder den Architekten noch sonst jemanden. Das ist Sache des Investors.Januar 2015 ist ein gutes Stichwort. Kann die Stadt eigentlich noch so lange warten, um sich zu positionieren, ob sie mit der angedachten Aufnahme von Flüchtlingen in der früheren Kaserne einverstanden ist?Queck: Wir werden das nicht bis Januar aufschieben. Es laufen zurzeit intensive Gespräche mit dem Kreis und dem Land, wie dieses Thema in Hermeskeil gehandhabt werden könnte. Es wäre nicht sinnvoll, eine gewisse Anzahl von Flüchtlingen in der Kaserne unterzubringen, ohne dass dies durch eine entsprechende Infrastruktur begleitet wird. Klar ist, dass wir im Gegensatz zu anderen Kasernen hier in Hermeskeil Gebäude in relativ gutem Zustand haben, die sich mit verhältnismäßig geringen Mitteln auf ein akzeptables Niveau bringen lassen. Ich denke deshalb, dass man bei diesem Thema nicht von vorneherein Nein sagen sollte. Wir werden uns die konkreten Konzepte und Lösungsansätze anhören und zeitnah darüber in den städtischen Gremien entscheiden."Einige Bürger haben schon bemängelt, dass Sie im Vergleich zu Ihrem Vorgänger nicht so oft im städtischen Büro anzutreffen und deshalb schwerer zu erreichen sind. Haben Sie da Defizite?Queck: Das sehe ich nicht so. Wir haben ein gut erreichbares Stadtbüro. Dort können die Bürger, die ein Anliegen haben, gerne einen Gesprächstermin mit mir vereinbaren. Ich habe auch zwei gute Beigeordnete, Willi Auler und Volker König, denen ich vertraue und die viel Arbeit für mich abfangen. Aus meiner Sicht sollte der Bürgermeister bei den Menschen unterwegs sein und sich auch um die zentralen Probleme der Stadt kümmern." ax Extra

Mathias Queck ist 44 Jahre alt. Der promovierte Jurist stammt aus Baden. Er hat eine Lebensgefährtin und zwei Kinder. Queck wohnt seit 2007 in Hermeskeil, wo er weiterhin hauptberuflich als Notar tätig ist. In der Kommunalpolitik ist der CDU-Mann seit fünf Jahren aktiv. Vor seinem Sieg bei der Stadtbürgermeisterwahl gehörte Queck von 2009 bis Sommer 2014 als Mitglied der CDU-Fraktion dem Stadtrat an. ax