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Viele Ortsgründer können noch mitfeiern

Viele Ortsgründer können noch mitfeiern

VIERHERRENBORN. Sie ist zwar die jüngste, mit rund 850 Hektar aber auch flächenmäßig größte Gemeinde in ganz Rheinland-Pfalz. Schon jetzt laufen in Vierherrenborn die Vorbereitungen für ein großes Fest im Mai auf Hochtouren. Dann feiert der Ort sein 50-jähriges Bestehen.

Wenn andere Dörfer und Städte ihre Jubiläumsfeiern veranstalten, dann wird der Blick meist weit in eine jahrhundertelange Geschichte zurückgeworfen. In Vierherrenborn ist dies anders: Nicht wenige der rund 210 Einwohner haben die Gründung des Ortes vor genau 50 Jahren noch selbst miterlebt und zum Teil sogar mit ihren eigenen Händen mitgeholfen, das Land für die Streusiedlung, die heute aus zirka 50 Häusern besteht, zu roden. "Entstanden ist der Ort in mehreren Siedlungsphasen", erzählt Ortsbürgermeister Franz Mersch. Auf den Gemarkungen von Hentern, Irsch, Wiltingen und Zerf hatte bereits im Jahr 1937 die Siedlungsgesellschaft "Rheinisches Heim" in Bonn damit begonnen, große Heckenflächen zu roden, um aussiedlungswilligen Landwirten neue Existenzmöglichkeiten zu eröffnen. Bis zum Jahr 1940 waren 20 neue Höfe errichtet, die mit dem Siedlungsnamen "Irsch I" zusammengefasst wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen noch einmal 22 weitere Bauernhöfe dazu, die als "Irsch II" bezeichnet wurden. In dieser Siedlung fanden vor allem Vertriebene aus Ostpreußen, Pommern oder dem Baltikum einen neue Heimat. "Für diese Menschen war es ein Riesenglück, sich hier ansiedeln zu dürfen, denn es gab tausende von Bewerbern", sagt der Ortschef. Am 6. Mai 1954 war es dann soweit: Der rheinland-pfälzische Landtag beschloss, aus den Siedlungen die eigenständige Gemeinde Vierherrenborn zu machen.Brunnen wird renoviert

Fast exakt 50 Jahre nach diesem Gründungsakt wird im Mai 2004 nun das Dorfjubiläum, zugleich aber auch das 50-jährige Wirken der freiwilligen Feuerwehr groß gefeiert. Dazu gehört auch, dass sich die Gemeinde für die Feierlichkeiten herausputzt. Ein wichtiges Projekt ist dabei die Renovierung des namensgebenden Vierherrenbrunnens, der einzustürzen drohte. "Die Arbeiten sollen bis zur Jubiläumsfeier abgeschlossen sein", sagt Mersch. Gefeiert wird vom 7. bis 10. Mai jedoch auf dem Vorplatz und in der alten Schule. Zusammen mit der Kirche und dem Feuerwehrgerätehaus ist dort im Laufe der Zeit so etwas wie ein kleiner Dorfmittelpunkt entstanden. Und der Festausschuss, der das nächste Mal am 5. März zusammenkommt und dazu die Bevölkerung zur Teilnahme einlädt, hat sich einiges einfallen lassen. Für die Jugendlichen steigt bereits am Freitag, 7. Mai, eine "Dance Night" des SWR. Der eigentliche Festakt ist für den 8. Mai geplant. Im Beisein von Staatssekretär Karl-Peter Bruch ist als Höhepunkt der Auftritt des VG-Orchesters Kell am See vorgesehen. Mit den Darbietungen mehrerer Musikvereine und Tanzgruppen wird das Programm am Fest-Sonntag fortgesetzt, bevor das Dorf-Jubiläum am 10. Mai unter anderem mit einer Schau-Übung der Feuerwehren und des DRK zu Ende geht. Doch damit nicht genug: "Es wird auch eine Ausstellung mit historischen Landwirtschafts- und Feuerwehrgeräten und Fahrzeugen zu sehen sein", sagt Mersch.Gezeigt wird auch ein 40-minütiger Film, der in der Gründungszeit der Gemeinde entstand und die Besiedlung des heutigen Vierherrenborn dokumentiert. "Dieser Film wird zurzeit in München einer technischen Überarbeitung unterzogen und soll bei der Jubiläumsfeier als DVD und Videokassette verkauft werden", kündigt der Ortsbürgermeister an.350 Seiten starkes Buch über die Ortsgeschichte

Zuguterletzt wird das ungewöhnliche Dorfjubiläum auch den würdigen Rahmen für die jahrelange Arbeit von Dittmar Lauer abgeben. Der Heimatforscher aus Kell am See wird dann sein Buch "50 Jahre Vierherrenborn - Geschichte einer jungen Gemeinde" vorstellen. "Das Buch wird, wenn es fertig ist, rund 350 Seiten stark sein", sagt Lauer. Der Autor lässt in seinem Werk noch einmal die Siedlungsgeschichte des Orts Revue passieren und er hat die vor allem bei den Vertriebenen zum Teil dramatische Geschichte der einzelnen Siedlerfamilien nachgezeichnet. Außerdem hat Konrad Marx in einem Artikel das Kriegsgeschehen im Zweiten Weltkrieg dargestellt, als die Front drei Mal über das Gebiet um Vierherrenborn hinweggezogen war.