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Vom Oppositionsführer zum Ortschef

Vom Oppositionsführer zum Ortschef

Mit Martin Marx aus Lampaden geht die TV-Serie über die neuen Ortsbürgermeister im Hochwald weiter. Der 45 Jahre alte Elektrotechnikermeister hat sein neues Amt einem knappen Wahlsieg zu verdanken, der für den Chef der Bürgerliste (BGL) auch einen Seitenwechsel bedeutet. Denn bevor er den Platz an der Gemeindespitze übernahm, war Marx Oppositionsführer im Rat.

Lampaden. In keinem anderen der 26 Orte in den Hochwald-Verbandsgemeinden Kell und Hermeskeil ging es bei der Bürgermeister-Urwahl so knapp zu wie in Lampaden. Mit 174:166 Stimmen setzte sich Martin Marx (BGL) gegen Gerhard Willems (CDU) durch. Damit hatten sich 51,2 Prozent der Bürger, die zur Wahl gegangen waren, für den 45-jährigen Marx ausgesprochen und ihn zum Nachfolger von Ewald Hermesdorf bestimmt. Der CDU-Mann war nach 20 Jahren als Ortsbürgermeister nicht mehr angetreten.
Ohne eigene Mehrheit im Rat


Ob er seinen Erfolg als große Genugtuung empfinde, will der TV von Marx wissen. Doch diesen Begriff möchte der dreifache Familienvater nicht benutzen. Er sagt vielmehr: "Es gab in der Vergangenheit viele schmerzliche Momente. Ich sehe es vielleicht als ein Stück Rehabilitation."
Ein politisch unbeschriebenes Blatt ist der neue Ortsbürgermeister nämlich keineswegs. Dem Rat gehört er schon seit 1994 an. Von Mitte 2009 bis Ende 2010 war Marx sogar erster Beigeordneter. Doch dann kam der Bruch mit Hermesdorf und der CDU, der die Gründung einer eigenen Fraktion folgte. Als Oppositionsführer kritisierte Marx danach mehrfach Hermesdorfs Amtsführung. Zwei Mal landete der Streit sogar vor Gericht (der TV berichtete mehrfach). Zwar gab es kürzlich eine Abschiedsfeier, über die der TV titelte: "Alter und neuer Ortschef trennen sich im Guten." Marx hatte aber auch bei dieser Gelegenheit seinen Standpunkt betont, "dass man vieles hätte anders angehen können." Unsere Zeitung fragt Marx daher, wie er sich seinen Regierungsstil vorstellt. Die Antwort lautet: "Ich habe mir vor allem auf die Fahnen geschrieben, offen und transparent zu sein. Die Weitergabe von Informationen an den Rat hat mir früher sehr gefehlt. Ich versuche, das zu verbessern."
Damit soll es mit dem Blick zurück aber genug sein. Stattdessen geht es im TV-Gespräch um die Kräfteverhältnisse im Lampadener Rat. Denn Marx ist im zwölfköpfigen Gremium ein Bürgermeister ohne eigene Mehrheit. Seine BGL hat vier Sitze, die CDU verfügt über fünf Mandate, die Fraktion Gemeinsam für Lampaden (GFL) stellt drei Ratsmitglieder. Wird Marx also bis 2019 Probleme haben, seine Standpunkt auch politisch durchzusetzen? Der neue Ortschef gibt sich gelassen: "Ich sehe diese Konstellation nicht als Handicap. Ich finde es sogar gut, dass wir nun im Rat bei den Themen, die anstehen, immer haarscharf bei der Sache bleiben und im Dialog darum ringen müssen, das Beste für Lampaden herauszuholen."
Überhaupt findet es Marx bemerkenswert, dass dem Rat gleich fünf Frauen angehören und es bei der Kommunalwahl im 550 Einwohner zählenden Lampaden insgesamt 28 Kandidaten auf den drei Listen gab. "Das zeigt doch, dass sich viele Leute einbringen wollen", sagt Marx. Deshalb wurde auch schon der Kultur- und Sozialausschuss neu gegründet. Dessen Mitglieder sollen sich zum Beispiel Gedanken machen, wie sich die Dorfkirmes mehr beleben lässt, so Marx.
In Bezug auf künftige Projekte ist dem 45-Jährigen der Hinweis wichtig, "dass unser Spielraum von vorneherein eingeschränkt ist." Denn die Gemeinde habe 850 000 Euro Schulden. Allerdings stehen zum Beispiel der Ausbau der Kapellenstraße und der Ausbau der Kreisstraße nach Obersehr an. Weil dabei auch ein Gehweg geplant ist, wäre die Gemeinde finanziell mit im Boot. Wichtig erscheint ihm, Ideen zu entwickeln, um im Ortskern Leerstände von Häusern zu verhindern. Ein solches Konzept halte er persönlich für nötiger, als ein Neubaugebiet zu schaffen. Mit Blick auf die Zukunft der Grundschule in Lampaden, deren Träger die VG Kell ist, betont Marx: "Sie ist für unser Dorf ein sehr wichtiger Standortfaktor. Deshalb spreche ich mich klar für ihren Erhalt aus."Extra

Martin Marx ist 45 Jahre alt und stammt aus dem Lampadener Ortsteil Obersehr. Dort hatten seine Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb. Inzwischen wohnt Marx mit seiner Frau Ruth im Dorfkern von Lampaden. Das Paar hat drei Kinder. Die Töchter sind 14 und neun Jahre alt. Der Sohn ist fünf. Marx arbeitet als Elektrotechnikermeister bei einem Trierer Ingenieurbüro. "In meiner Freizeit steht die Familie im Mittelpunkt", sagt er. Darüber hinaus ist die Musik ein Hobby. Marx spielt Gitarre und singt im Kirchenchor sowie der Gruppe De Lamperder. Er hört gerne klassische Musik - zum Beispiel Haydn und Schumann. Außerdem ist Marx Vorsitzender des Elternbeirats der Grundschule Lampaden. Eine wichtige Rolle hat in seinem Leben die katholische Jugendarbeit gespielt. Patron des Verbands Katholische Junge Gemeinde ist der Schriftsteller Thomas Morus (1478 bis 1535), von dem ein für Marx wichtiger Leitspruch überliefert ist: "Nie hätte ich daran gedacht, einer Sache zuzustimmen, die gegen mein Gewissen wäre." ax