Wegen Mast auf der Palme

REINSFELD. Alles andere als strahlende Freude herrscht in Reinsfeld über die geplante und vom Gemeinderat beschlossene Errichtung eines Mobilfunkmastes am "Alten Sportplatz". Gegen diesen Standort läuft jetzt eine Bürger-Initiative Sturm, die bereits fast 270 Protest-Unterschriften gesammelt hat.

Unruhige Zeiten in Reinsfeld: Seit einigen Tagen kursiert ein Flugblatt im Ort. Darin fordert eine Initiative "besorgter Bürger" die Reinsfelder dazu auf, sich dem Widerstand gegen die Errichtung eines E-Plus-Mobilfunkmastes anzuschließen, die der Gemeinderat am 20. September einstimmig beschlossen hatte. "Wir sind ja nicht grundsätzlich gegen die Aufstellung von Sendemasten, aber dieser Standort ist absolut der falsche", sagt Martha Lehnen, die den Protest initiiert hat. Geplant und vertraglich schon besiegelt ist, dass Mobilfunkanbieter "E-Plus" einen zirka 40 Meter hohen Mast am "Alten Sportplatz" errichtet. Allerdings steht dafür noch die Baugenehmigung der Kreisverwaltung aus."Standort zu nah am Ort"

Lehnen und ihre Mitstreiter hoffen, dass es so weit nicht kommt: "Der vorgesehene Standort ist viel zu nah am Ort. Von meinem Haus ist er beispielsweise nur 330 Meter entfernt", betont Lehnen. Die Bürger-Initiative verweist in ihrer Argumentation vor allem auf die möglichen Gesundheitsschäden, die die hochfrequenten elektomagnetischen Wellen auslösen können. Sie führt zudem an, dass viele Kinder auf dem alten Sportplatz trainieren und fragt deshalb: "Besteht in Reinsfeld überhaupt ein so großer Bedarf, der es rechtfertigt, solche Risiken einzugehen?". Das sehen offensichtlich viele Bürger genau so. Obwohl man bislang nur 400 Flugblätter verteilt habe, kamen in wenigen Tagen fast 270 Protest-Unterschriften zusammen. "Wenn es erst an alle Haushalte verteilt ist, wird der Aufschrei der Empörung noch größer sein", ist sich Lehnen sicher.Versorgungsziel entscheidendes Kriterium

Zwei Punkte bemängelt die Bürger-Initiative in ihrem Flugblatt besonders. Erstens: E-Plus habe der Gemeinde auch Alternativ-Standorte in größerem Abstand zu bebauten Gebiet unterbreitet. Diese Behauptung weist Ortsbürgermeister Rainer Spies energisch zurück. "Das ist nicht richtig. Ein anderer Standort war aus Sicht von E-Plus nicht möglich", betont Spies. Man habe mit E-Plus zwar schon längere Zeit mehrere Standorten geprüft und dafür die ganze Umgebung von Reinsfeld abgefahren. Nachdem aber auch der ursprünglich angedachte Standort "Völkersheide" vom Mobilfunkanbieter verworfen wurde, sei nur noch der "Alte Sportplatz" übrig geblieben, sagt der SPD-Mann. Gudrun Hees, Sprecherin von E-Plus in Frankfurt, bestätigt diese Version. Das für das Unternehmen bei der Standortsuche entscheidende Kriterium sei, ob mit dem Sendemast das Versorgungsziel erreicht wird. "Der von uns beauftragte externe Akquisiteur hat unserer Funkplanung deshalb vier Erfassungen zur Prüfung übergeben. Davon wurde nur eine einzige durch den zuständigen Funkplaner freigegeben. Der Bürgermeister hatte also keine Möglichkeit, unter mehreren Alternativen einen Standort auszuwählen", sagt Hees. Spies kann aber auch so die Aufregung nicht verstehen: "Die Sache wird aus meiner Sicht hochgespielt. Ich gehe davon aus, dass an diesem Standort die Grenzwerte bei weitem unterschritten werden und eine Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung auszuschließen ist", sagt er.Ortsbürgermeister in der Kritik

Stark in der Kritik steht der Gemeindechef aber auch wegen seines Umgangs mit dem Reiz-Thema vor der Rats-Entscheidung. "Wir haben uns da nicht ausreichend informiert gefühlt", sagt Danny Gorges von der Bürger-Initiative. Zwar sei richtig, dass die Aufstellung des Mobilfunkmastes als öffentlicher Tagesordnungspunkt des Rates angegeben worden sei. "Es wurde aber keine Angabe über den geplanten Standort gemacht", moniert Gorges. Spies hält jedoch dagegen, "dass schon lange bekannt ist, dass E-Plus in Reinsfeld einen Platz für einen Mobilfunkmast sucht. Der Rat hat sich damit auch schon mehrmals befasst". Für vertretbar hält er es auch, dass vor dem Votum nicht mit den Anwohnern gesprochen wurde. "Ich denke, bei diesem Thema war der Rat in der Lage, die Dinge allein abzuwägen und zu beschließen", sagt Spies.Protest hat nachdenklich gemacht

Die Offene Wählerliste von Paul Port und die CDU-Fraktion, die den Beschluss am 20. September mittrugen, hat der Protest aber nachdenklich gemacht. "Die vielen Unterschriften sind ein demokratisches Votum, dass der Rat nicht ignorieren sollte", sagt CDU-Fraktionschef Andreas Weist. Deshalb sprechen sich CDU und OWL dafür aus, dass der Rat sich in seiner nächsten Sitzung am 7. November über Alternativen unterhalten solle und möglicherweise der Standort des Mastes am alten Sportplatz etwas weiter nach hinten verlegt wird. "In diesem Fall könnten wir ja E-Plus bei der Pachtzahlung entgegen kommen", regen Port und Weist an. Martha Lehnen würde es jedenfalls begrüßen, wenn Bewegung in die Diskussion komt: "Klar, wir hoffen auf ein Einlenken. Mehr können wir ja nicht machen", sagt sie.