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Abenteuer und kleine Freiheiten

Trier. Ein musikalisches Liebesgeständnis im Kopfstand, gelöste Zungen unter dem Einfluss eines "Glaserls" Sekt: Humorvolle Einlagen und sehr gute musikalische Leistungen haben beim Neujahrskonzert im Trierer Theater für einen gelungenen Start ins Neue Jahr gesorgt. Christoph Strouvelle

Trier. Amüsant, leidenschaftlich und vergnügt: So hat sich das Philharmonische Orchester der Stadt Trier bei seinem Neujahrskonzert gezeigt. Unter dem Strauß'schen Motto "Wein, Weib und Gesang" - laut Moderatorin Carin Filipcic nichts anderes als das moderne Sex, Drugs and Rock'n'Roll - hat Generalmusikdirektor Victor Puhl durch ein abwechslungsreiches Programm mit schnellen Polkas, Walzer und immergrünen Operettenmelodien geführt.
Sehr schön beispielsweise der Start in die zweite Hälfte des Neujahrskonzerts: Nach der Ouvertüre aus dem Lustspiel "Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien", bei der Ursula Heckmann am Violoncello soliert, erhält das Orchester lang anhaltenden Applaus und zahlreiche Bravorufe von den voll besetzten Zuschauerrängen.
Ein Kuss für den Cellisten


Den sehr guten Leistungen des Orchesters setzen die Gesangssolisten einige Sahnehäubchen auf. Countertenor Fritz Spengler erhält zahlreiche Bravorufe nach seiner starken Leistung bei "Meine Lippen, sie küssen so heiß" aus Lehárs Operette "Giuditta", ein Arie, die der Komponist eigentlich seiner Titelfigur zugedacht hat.
Sopranistin Eva Maria Amann spielt die hin und her gerissene Unschuld vom Lande aus der "Fledermaus" von Johann Strauß zwischen den als mögliche Liebhaber zur Verfügung stehenden Spengler und Tenor Bonko Karadjov. Und dieser wirbt "unsterblich verliebt in die Moderatorin" unter dem beifälligem Gelächter des Publikums im Kopfstand singend mit Ralph Benatzkys "Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden" aus dem "Weißen Röss'l" auf offener Bühne um die Zuneigung von Filipi. Doch die küsst, gelöst vom Alkohol eines "Glaserls Sekt", beim Schwipslied aus Johann Strauß`' "Eine Nacht in Venedig" lieber den Cellisten und schäkert mit dem Dirigenten: schöner leichter Humor, der die Zuschauer einfängt.
Victor Puhl dirigiert gewohnt engagiert und sichtlich gut gelaunt durch das Programm, dessen Melodien zu einem großen Teil von Johann Strauß und hier besonders aus der "Fledermaus" stammen. Und auch die Schlagwerker bieten im Hintergrund manchen Spaß.
Anekdoten für den Herrgott


Mit lang anhaltendem Applaus verabschiedet das Publikum die Musiker nach drei Zugaben von der Bühne. Das zweistündige Konzert hat die 600 Besucher mit leichtem Amüsement sichtlich in gute Laune versetzt und in das Jahr 2016 geführt. Es bleibt abzuwarten, ob die, wie von der Moderatorin Filipcic angeregt, sich als Experten des heutigen Work-Life-Balance auch auf Abenteuer und kleine Übertretungen einlassen. Filipcic: "Was wäre denn, wenn wir vor dem Herrgott stehen und keine Anekdoten erzählen können?"