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Auf einer Woge der Sympathie

Auf einer Woge der Sympathie

So viel Zustimmung hat noch kein Trierer Generalmusikdirektor erlebt. Besucher und Musiker feierten Victor Puhl ausgiebig. Auch Intendant Karl Sibelius eilte aufs Podium und überreichte ein Präsent.

Trier. Mehr Symphatie geht einfach nicht. Schon beim Auftritt der Trierer Philharmoniker zum 3. Sinfoniekonzert brandete der warme, freundschaftliche Beifall auf. Und als Triers alt-neuer Generalmusikdirektor Victor Puhl aufs Dirigierpodium trat, verstärkte sich die Zustimmung noch.
Die Akteure bedankten sich postwendend. Dem Einstieg zu Beethovens "Egmont"-Ouvertüre gab das eher klein besetzte Orchester Wucht mit, ohne plump zu klingen. Intonationstrübungen in den ersten Holzbläser-Passagen blieben minimal. Victor Puhl beschwor in seiner Zeichengebung Klangstärke und Klangfülle. Es war ein deutscher Stil, den der französische Dirigent kultivierte - rund, breit und schwer im Klang, mit Schwerpunkt auf den tiefen Streichern.
Dabei klang die Struktur mit, die diese Komposition so reich und gehaltvoll macht - die subtilen Korrespondenzen zwischen den Themen. Themen blieben erkennbar, auch wenn sie in den Mittelstimmen und damit unter der kompositorischen Oberfläche abliefen. So entwickelte diese Musik eine enorme, eine tragische und am Ende befreiende Stringenz.
Und dann, nur scheinbar ganz klassisch-romantisch, Bruchs g-Moll-Violinkonzert. Vielleicht hat Bruch ja beim heiklen Einstieg ein Moment des Schwankenden, des Ungewissen bewusst mitkomponiert. Aber dann entfaltet Solist Linus Roth souverän seine ganz persönliche Bruch-Interpretation. Er spielt Bruch aus der Perspektive der Moderne - prägnant, hell und gelegentlich schmal im Ton, in den Oktavgängen und hohen Lagen ohne selbstquälerische Überanstrengung, dazu beweglich, gradlinig und mit großer Intensität in der Spielweise.
Nichts klingt forciert, platt und romantisiert. Und im langsamen Mittelsatz machen Roth und die Philharmoniker trotz kleiner Unstimmigkeiten überzeugend deutlich: Seine Schönheit liegt nicht nur in der herrlichen Geigen-Melodik, sondern auch in der dichten Korrespondenz des Solisten mit dem Orchester, ein beinahe kammermusikalisches Miteinander. Eine Verbindung von Intimität und Virtuosität, die Roth in einer ausgedehnten Zugabe (von Eugen Ysaye) noch überzeugend vertiefte.
Nach der Pause kam Musik fast aus einer anderen Welt. Die 5. Sinfonie, die Ralph Vaughan Williams seinem Kollegen Jean Sibelius widmete und in dessen archaisierenden Tonfall auch etwas vom Stil des Finnen mitklingt - diese 5. Sinfonie lebt nicht von Dramatik, nicht von emotionalen Abgründen und motivischen Verzahnungen. Sie ist eine flächige, fast filmmusikalisch illustrative Komposition.
Victor Puhl und sein Orchester breiteten die Klangtableaus dieser Musik farbenfreudig und zugleich entspannt aus. Dabei stellte sich allerdings auf Dauer eine Tendenz zur Monotonie ein. Der zweite Satz, ein Scherzo "misterioso", hätte unbedingt äußerster Intensität bedurft. Nur die abschließende Passacaglia rettete Werk und Interpretation.
Anders als in der klassischen Passacaglia beharrt Vaughan Williams nicht auf der laufenden Wiederholung des Bass-Themas. Er isoliert und variiert Teile des Themas, und die durchdringen die gesamte Komposition. So breiteten Puhl und seine Philharmoniker ein dichtes Netz an Tonbeziehungen aus. Darin war das Thema immer untergründig präsent, ohne dass es sich konkret fassen ließe - ein hellhörig realisiertes Meisterstück subtiler Kompositionskunst.
Danach stand Victor Puhl ganz im Mittelpunkt der allgemeinen Zustimmung. Auch Karl Sibelius eilte aufs Podium und überreicht ein Präsent. Und dann drehte sich Puhl im ausverkauften Theater zum Publikum und dankte. "Für die Unterstützung in den letzten Monaten." mö