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Das Publikum soll König Kunde werden

Das Publikum soll König Kunde werden

Schon seit Jahren steht das Theater Trier in Sachen Service in der Kritik. Ticketverkauf, Gastronomie, Barrierefreiheit: Überall blieb das Haus hinter zeitgemäßen Standards zurück. Jetzt kommt auf allen Ebenen Bewegung in den Betrieb. Die Servicewüste soll mehr und mehr aufblühen.

Trier. Alles neu macht in diesem Fall der September. Augenfälligste Änderung zum Saisonstart: Es gibt eine neue Gastronomie im Theater. Schluss mit dem klassischen Theaterteller und der legendären trockenen Brezel, Vorhang auf für kalte und warme Gourmethäppchen. Das Pächter-Ehepaar aus dem benachbarten Handelshof hat das Zepter in die Hand genommen und verspricht, dass man künftig vor der Vorstellung, in der Pause und sogar im Anschluss an die Aufführung mit freundlicher Bewirtung rechnen kann - da konnte es bisher schon mal passieren, dass man fünf Minuten nach dem letzten Beifall mehr oder minder kategorisch zum Verlassen der Location aufgefordert wurde.
Um die Abläufe vor allem in der Pause schneller zu machen, setzt Pächter Rick Illien auf ein Chip-System - aber in den ersten Vorstellungen tat sich das Publikum noch sichtlich schwer mit dem doppelten Verkaufsvorgang Geld gegen Chips, Chips gegen Ware.
Auch beim Wein hat das Theater mit dem Weingut Reichsgraf von Kesselstatt einen neuen, starken Partner. Inhaberin Annegret Reh-Gartner sieht die Zusammenarbeit als Unterstützung für das Haus am Augustinerhof, "das derzeit ja keine leichten Zeiten erlebt". So würde sich das Intendant Gerhard Weber auch von anderen Trierer Wirtschaftsgrößen wünschen.
In einem anderen wesentlichen Punkt lässt eine Baustelle an der Nahtstelle zwischen Hof und Foyer ahnen, dass substantielle Verbesserungen auf dem Weg sind. Ein Fahrstuhl wird ab dem Jahresende ins Obergeschoss führen und damit den erbärmlichen Zustand beenden, dass Gehbehinderte vom Theaterbesuch faktisch seit zwei Jahren ausgeschlossen waren - seit die Aufsicht den Lastenaufzug hinter der Bühne für Personentransporte gesperrt hatte. "Endlich", sagt Verwaltungsdirektorin Heidi Schäfer und verspricht, in der Loge vier Plätze für behinderte Menschen einzurichten. Aber der Lift dürfte auch manchem gesunden, aber betagten Theaterfreund den Besuch erleichtern.
Erleichternd wäre es auch, wenn man Karten für das Theater Trier über die heute üblichen Vorverkaufssysteme buchen könnte. Zwar gibt es ein Provisorium, aber das hat seine Tücken und bietet nicht annähernd den Standard, den etwa das Mosel Musikfestival schon vor Jahren eingeführt hat. Bei der Theaterkasse hat man zwar die Öffnungszeiten erweitert, aber gleichzeitig manch merkwürdige Restriktion eingeführt. Und das Zeichnen eines Abos gleicht immer noch gelegentlich einem Hürdenlauf.
Kartenverkauf ausgeschrieben


Auch da ist Besserung angesagt, aber sie dauert. Da es sich um einen öffentlichen Auftrag handelt, muss das komplette "Ticketing" formal ausgeschrieben werden - im Juni endete die Frist, zurzeit werden die Angebote geprüft. Es dürfte bis zur kommenden Spielzeit dauern, bis das neue System steht, das nicht nur den Online-Verkauf verbessern soll, sondern auch mehr Verkaufsstellen in der Region sichern soll.
Seit Jahren kontinuierlich gesteigert hat sich das Theater beim Internetauftritt. Er wurde auch in diesem Jahr behutsam weiterentwickelt und braucht sich hinsichtlich Aktualität, Nutzerfreundlichkeit und Design hinter keinem Theater der Großregion zu verstecken - im Gegenteil. Bei den Social Networks könnte etwas mehr los sein, aber das hat auch mit dem in dieser Hinsicht eher trägen Publikum zu tun.
Zum Thema Service-Orientierung gehört auch, dass die Kinderbetreuung als feste Einrichtung bei allen Sonntagnachmittag-Vorstellungen etabliert worden ist. Für die Umsetzung sucht das Theater aber noch nach geeignetem Personal.Extra

Zu den Inszenierungen der neuen Spielzeit des Trierer Theaters liegt in der Trierer Stadtbibliothek Palais Walderdorff ein Verzeichnis aus, das auf 24 Seiten Musik-CDs, Opern-DVDs, Noten, Dramentexte, Erläuterungen, Biografien und weiterführende Literatur aus dem Bestand zusammenfasst. Die Liste ist außerdem zum Herunterladen auf der Homepage www.stadtbibliothek-walderdorff.de in der Rubrik "Service/Downloads" eingestellt. Außerdem führt ein Link auf www.theater-trier.de zu der Medienübersicht. red