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Der Märchenkönig ist zurück

Der Märchenkönig ist zurück

Gelungene Wiederaufnahme von "Ludwig{+2}": In Sichtweite von Schloss Neuschwanstein hat sich für den legendären Bayernkönig erneut der Vorhang gehoben. Der ehemalige Trierer Schauspieler Matthias Stockinger spielt erneut die Hauptrolle des Märchenkönigs. Ebenfalls beteiligt sind zudem Alexander Kerbst, der in Trier Falco im gleichnamigen Tanztheaterstück spielte.

Füssen/Trier. Der König kehrt auf die Bühne zurück - und das Volk ist begeistert: Mit minutenlangem Applaus und Jubelrufen ist das neu arrangierte Musical "Ludwig{+2}" am Donnerstagabend im Festspielhaus Füssen vom Premierenpublikum gefeiert worden. Regisseur Benjamin Sahler, der die Wiederaufnahme des Musicals initiiert hat, entführt mit beeindruckenden Bildern in die Welt des Märchenkönigs. Sogar ein weißer Schwan - das Lieblingstier von König Ludwig II. - taucht im großen See mitten auf der Bühne auf.
Noch nicht ausgeträumt


Im Allgäu ist der Traum von einem Ludwig-Musical noch immer nicht ausgeträumt. Nach mehreren finanziellen Pleiten wird in Sichtweite von Schloss Neuschwanstein "Ludwig{+2}" noch einmal gezeigt. Es ist das zweite Ludwig-Musical aus dem Jahr 2005, das für die Wiederaufnahme in Teilen überarbeitet wurde. Im Jahr 2011 hatte der ehemalige Trierer Intendant Gerhard Weber den Stoff in Kempten auch schon neu inszeniert.
Bis Anfang September sind insgesamt 29 Aufführungen des Musicals mit dem passenden Untertitel "Der König kommt zurück" geplant. Bei strahlendem Sonnenschein genossen die Gäste vor der Premiere den Blick vom Festspielhaus auf die umliegenden Berge und Ludwigs berühmtes Märchenschloss. Der Standort am Originalschauplatz gehört für viele Besucher zum Gesamterlebnis des Musicals. Von starkem optischen Reiz sind auch die Kostüme und das Bühnenbild, das die Zuschauer einerseits mit regnenden Rosenblättern, andererseits mit riesigen Totenskeletten in Ludwigs Welt eintauchen lässt.
Für Darsteller Alexander Kerbst, der die Rolle des Freiherr von Lutz spielt, ist diese opulente Optik durch die besondere Füssener Bühne ein absoluter Pluspunkt. Das Besondere sei jedoch die Symbiose aus den beiden Inszenierungen im Jahr 2005 und 2011. "Aus der ersten Inszenierung in Füssen konnten wir die fantastischen Bilder erneut auf die Bühne bringen, aus dem Jahr 2011 stammen dafür viele der schauspielerischen Tiefen." Für die Inszenierung vor fünf Jahren in der Eventhalle Big-Box in Kempten musste das Buch noch einmal umgeschrieben werden, es wurde dramatischer.
Für Begeisterung sorgt aber vor allem die Musik von Konstantin Wecker, Christopher Franke und Nic Raine. Mit starken Stimmen tragen etwa die Hauptdarsteller Matthias Stockinger (Ludwig) und Anna Hofbauer (Kaiserin Elisabeth) die bekannten Titel des Musicals wie "Kalte Sterne" und "In Palästen geboren" vor und ernten begeisterten Applaus von den 1350 Premierenzuschauern im ausverkauften Festspielhaus.
Einen alten Bekannten treffen


"Es ist als würde man einen alten Bekannten wiedertreffen," sagt Matthias Stockinger zur Neuinszenierung von seiner Hauptrolle Ludwig, den er bereits 2011 unter der Regie von Gerhard Weber verkörpert hat: "Allerdings hat der alte Bekannte sich verändert, genauso wie man selber." Er könne den Märchenkönig nun anders spielen als vor fünf Jahren, ausgereifter und emotionaler.
Gleichzeitig sei es eine sehr fordernde Rolle, sowohl stimmlich als auch schauspielerisch. Auch deshalb war er vor der Premiere so nervös, wie schon lange nicht mehr, vor allem sei das Stück an diesem Abend aber ein Politikum gewesen: Der Betreiber des Festspielhauses am Ufer des Forggensees hat Insolvenz angemeldet. Um die weitere Nutzung des Hauses ranken sich viele Gerüchte, von einem Outletcenter hat Kerbst gehört: "Das wäre eine Katastrophe." Deshalb sei der Erfolg der Premiere zudem wichtig gewesen, sagt Stockinger, um für eine weitere Nutzung als Kulturraum zu werben.
Das Festspielhaus war Ende der 1990er Jahre für ein Musical über das Leben des Bayernkönigs gebaut worden. Es ist dem Festspielhauses in Bayreuth nachempfunden und verfügt über ein Becken, das 90 000 Liter Wasser fasst. Zudem gilt das Theater als eine der größten Drehbühnen Europas. Die Aufführungen von "Ludwig{+2}" sind von der Insolvenz nicht betroffen. Um kein Risiko einzugehen, hatte Sahler vorab mit Hilfe eines Crowdfundings Geld gesammelt. sbra/dpa
Extra

Der Musicaldarsteller Matthias Stockinger (Foto: dpa)war von der Spielzeit 2012/13 bis 2014/15 Ensemblemitglied des Theaters Trier. Der ehemalige Intendant Gerhard Weber hatte ihn bei den Arbeiten zu der Erstaufführung von "Ludwig{+2}" kennengelernt und für das Trierer Theater verpflichtet. In Trier wirkte der gebürtige Neunkirchener unter anderem in dem Musical "Evita""und dem Stück "Leonce und Lena" mit. Unter dem neuen Intendanten Karl Sibelius hatte er zudem einen Part in dem Musical "Rent". In seinem Heimatort inszeniert er gerade das Musical "Stumm", dass am 26. August Premiere in der Neuen Gebläsehalle haben wird. Alexander Kerbst (TV-Foto: Friedemann Vetter) spielte in der Uraufführung des Tanztheaterstücks "Falco - The Spirit never dies" die Rolle des Falco am Theater Trier. Das Stück in der Inszenierung von Amy Share-Kissiov erlangte bundesweit Aufmerksamkeit. Als Comedy-Duo "Kerbst und Kock" war er zudem mit der Musicaldarstellerin Stefanie Kock als Gast auf der Trierer Bühne. In Trier hat er die Operettte "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach inszeniert. red