Die Schotten rocken

Bereits zum vierten Mal gastierte das 200-köpfige Ensemble der Music Show Scotland in der ausverkauften Arena und begeisterte drei Stunden lang die 2850 Zuschauer vor einer sagenhaften Kulisse.

Trier. Eigentlich sollte man den Gitarristen hören. Doch es kommt nur ein Kratzen. "Majusebetter" - Moderator Helmut Jäger hilft gleich am Anfang der Show mit Trierer Wortschatz über die kleine Tonpanne hinweg. Das Publikum signalisiert durch Applaus Verständnis, und die Show läuft von da an wie am Schnürchen.
Rita Morschett (74) aus Nittel freut sich sehr auf den Abend, auch wenn sie schon dreimal bei der Music Show Scotland in Trier war. "Ich bin vorbelastet, meine Tochter wohnt in Schottland und dort habe ich sogar schon das größte schottische Musikfestival, das Edinburgh Tattoo, gesehen", schwärmt sie. Heute genießt sie wieder zusammen mit Freundin Agatha Klassen (70), die die Karten für die Arena beim TV-Gewinnspiel gewonnen hat, die kleinere Version. Doch auch die kann sich sehen und hören lassen.Imposant für Auge und Ohr


Aus der 40 Meter breiten und 15 Meter hohen Burg, die auf der linken Seite der Arena aufgebaut wurde und den kuriosen Fantasienamen "Highland Valley Castle" trägt, marschieren Männer in Schottenröcken heraus. Sie lassen ihre 100 Dudelsäcke und Trommeln erklingen - das hinterlässt einen imposanten Eindruck auf Auge und Ohr.
Die Show ist in der Hand des niederländischen Organisators Hans Beerten, der mit Künstlern aus ganz Europa zusammenarbeitet. In Trier seien sie nun zum vierten Mal, sagt er in einer kurzen Ansprache an die 2850 Zuschauer, und es sei für sie jedes Mal ein "Familiengefühl".
Man will es dem bescheiden auftretenden Mann im Schottenrock glauben. Moderator Helmut Jäger, seit 30 Jahren auf den Bühnen Deutschlands unterwegs, führt unaufgeregt durch das Programm.
Wenn er auch bei der Nennung des Ex-Beatles "John" McCartney knapp daneben liegt, so weiß er ansonsten mit viel Hintergrundwissen zu einzelnen Stücken Interessantes zu berichten. Außer den Dudelsackpfeifer-Regimentern bietet die Music Show Scotland nämlich viele Einblicke in die musikalische Welt von Schottland und Irland.
Bei der Vielfalt der Programmpunkte ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ein langhaariger E-Gitarrist, der optisch an die Highlander aus dem gleichnamigen Film erinnert, ein Schwertertanz, Trommler im Schwarzlicht, Solo-Gesangseinlagen und Ausflüge in modernere Musikstücke sorgen für abwechslungsreiche drei Stunden, die kurzweiliger kaum sein könnten.Gemeinsam und friedlich

Foto: Karin Pütz (kap) ("TV-Upload P?tz"
Foto: Karin Pütz (kap) ("TV-Upload P?tz"


Die Tänzerinnen und Tänzer, die im Stil von "Lord of the dance" steppen, ernten viel Beifall, auch wenn sie an das Original nicht heranreichen.
Als auf der riesigen, eindrucksvoll angestrahlten Burg auf drei Etagen Dudelsackspieler platziert sind und zusammen mit Band und Sängern "Amazing Grace" performen, sind Gänsehaut und tosender Applaus garantiert.
Am Ende des Abends erinnert der Abschuss von Salutschüssen aus Kanonen daran, dass es Zeiten gab, in denen berockte Dudelsackspieler sich in Kriegen bis auf den Tod bekämpften. Aber glücklicherweise schreiben wir das Jahr 2017, und so marschieren die aus verschiedenen Ländern stammenden Berockten gemeinsam und friedlich unter der Führung eines Niederländers zur schottischen Nationalhymne zurück in ihre Burg.