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Ein bunter Strauß Stilblüten

Ein bunter Strauß Stilblüten

In der voll besetzten Trierer Europahalle hat Bastian Sick die Deutschland-Premiere seines neuen Programms "Aus Jux und Tolleranz" gefeiert. Der Journalist mit dem Image des "Deutschlehrers der Nation" unterließ Belehrung am Rande und amüsierte stattdessen mit im Alltag gesammelten Kuriositäten und Stilblüten der deutschen Sprache.

(ae) "Sind Lehrer im Publikum?" Auf die Frage Bastian Sicks gehen zwar viele Hände, die meisten davon aber nur zaghaft in die Höhe. "Trauen Sie sich, Lehrer ist kein Beruf, dem - äh - dessen man sich schämen müsste". Allgemeines Schmunzeln, denn das Kunst-Stolpern spielt auf "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" an, das Buch, das Sick berühmt gemacht und sein Deutschlehrer-Image gefördert hat. Tatsächlich habe er Lehramt studiert, gibt er zu, sei dann aber lieber in die Medien gegangen. Auch, weil eine Karriere als Arzt in England mit dem Nachnamen "Sick" einfach undenkbar gewesen sei. Da ist sie, die Überleitung zur ersten Kuriositätensammlung, die er auf der Leinwand präsentiert, bundesweit aufgenommene Fotos von Schildern mit Namen und Berufsbezeichnungen wie zum Beispiel "Fahrschule Schrott", "Kosmetikstudio A. Pickel", "Zahnarzt Dr. Qual", "Metzgerei Gammel" oder "Geisel Transporte". Von Sick ironisch kommentiert, werden diese paradoxen Paarungen mit ebenso viel Gelächter aufgenommen wie weitere Alltagsfunde, die im Laufe des Abends folgen.

In den Untiefen der deutschen Sprache



Darunter Stilblüten aus Gartenmärkten "Orschidee", "Missterzweige", "Hornpfeilchen" oder dubiose Discounter-Angebote "Chappi Vollkotzbrocken", "Schisser Herrenunterwäsche" und "Vollwachmittel".

Doch Sick begnügt sich nicht damit, seine Gäste mit Rechtschreib-Defiziten anderer Zeitgenossen zu amüsieren, er lotst sie auch in die Untiefen ihrer eigenen. Ein kleines Quiz fördert zutage, dass nicht jeder weiß, dass der Plural von "Oktopus" Oktopoden heißt und nicht etwa Oktopussi. Oder, dass das auf allen Verpackungen "Schmand" genannte Milchprodukt eigentlich mit "t" am Ende geschrieben wird, weil es sich vom tschechischen Wort "Smetana" ableitet.

Dass der gleichnamige Komponist fortan als "Friedrich Milchrahm" in Erinnerung bleiben wird, nehmen die solchermaßen Aufgeklärten gerne als kleinen Kollateralschaden hin. Dann widmet sich Sick den Anglizismen, zeigt auf, dass es für die viel Geschmähten nicht immer passende deutsche Entsprechungen gibt. Denn wer will schon am "Schoßaufsatz" statt am "Laptop" arbeiten? Doch in Sachen Rechtschreibung gebe es auch hier noch Nachholbedarf, beweist er mit Fundstücken aus Bäckereien wie "American Cheeskacke" oder "Dounats". Sicks Programm ist unterhaltsam, lehrreich und dank der Stilblüten sehr lustig.

Nur hält sich sein Vortrag allzu verkrampft am minutiös ausgefeilten Manuskript fest, was Spontaneität und eine überzeugende Wirkung der zur Schau gestellten Lockerheit ausschließt. Aber es ist eben Premiere, da verzeiht das Publikum kleine Schwächen mit warmherzigem Applaus, der zum guten Schluss schließlich begeistert ausfällt. Denn als Hommage an seine Trierer Gäste wirft Sick nicht nur einen augenzwinkernden Blick auf deren Spracheigenheiten, sondern auch ihr Naturell: "In Trier nimmt man sich nicht das Leben, hier holt man es sich!"