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Einmal Hölle und zurück

Einmal Hölle und zurück

TRIER. Musikalisches Highlight an der Mosel: Der glänzend aufgelegte Rocksänger Meat Loaf machte auf seiner Welttournee Station in der Arena Trier. Über 3300 Zuhörer erlebten eine grandiose Show des Amerikaners und seiner siebenköpfigen Band "The Neverland Express". Der Trierische Volksfreund präsentierte das Konzert.

Ein martialischer Urschrei dröhnt durch die pechschwarze Arena. Eine markige Männer-Stimme hallt durch das Rund, erzählt von Gitarre, Harley-Davidson und - dem Rock'n'Roll. Dann ändert sich die Szenerie: Fluoreszierende Phosphor-Masken huschen auf der noch immer unbeleuchteten Bühne umher, lediglich Gitarren-Körper werden von Scheinwerfern in fahles Licht getaucht - und urplötzlich geht die Post ab. Ein lautstarkes Gitarrengewitter steigert sich zum Inferno, lässt die Trierer Großraumhalle erbeben. Der Hexenmeister mit der Fledermaus ist wieder da

"Do it!" - Mit einem Titel vom aktuellen Album "Couldn‘t have said it better" eröffnen Meat Loaf & Co. unter wilden Begeisterungsschreien der Fans ein fantastisches Konzert. Beinahe nahtlos geht der Opener über in den alten Hit "Life is a lemon and I want my money back". Von Anfang an hat Marvin Lee Aday, besser bekannt unter seinem Künstler- und Spitznamen "Meat Loaf" (der Fleischklops), an diesem Abend das Publikum mit einer ausgeklügelten Mischung aus alten und neuen Songs fest im Griff. Der Hexen-Meister mit der Höllen-Fledermaus aus seinem erfolgreichen Debüt-Album "Bat out of hell" ist wieder da und wird in Trier zum Zeremonienmeister. Der inzwischen 56-Jährige dirigiert, von einer fulminanten Light-Show stets ins rechte Licht gerückt, die Fans, lässt sie die Ohrwürmer allein weiter singen, kann - und will - seine Freude darüber nicht verbergen. Bombast-Rock heißt der in den 70ern kreierte Sound, als der übergewichtige Koloss mit sinfonischen Rock-Klängen des Komponisten Jim Steinman für Furore sorgte und gewaltige Orchester-Arrangements in der Rockmusik hoffähig machte. Seine erste Langspielplatte "Bat out of hell" verkaufte sich seit 1977 inzwischen über 30 Millionen Mal, liegt auf der Liste der erfolgreichsten Rock-Alben aller Zeiten auf dem stolzen dritten Platz. Doch auf den Erfolgen der Vergangenheit ruht sich Meat Loaf nicht aus. In Trier steht er über zweieinhalb Stunden leibhaftig seinen Mann. Mächtig abgespeckt hat er, gerade mal "noch" 110 Kilo wiegt der 1,80 Meter große Marvin Lee Aday aus Dallas in Texas. Auf der Bühne tobt er wie ein Irrwisch herum, sprintet von einer Seite zur anderen, geht in die Hocke, beschwört den Wahnsinn der Liebe, brüllt ihn wild heraus oder schmachtet in unterwürfiger Pose winselnd und schluchzend seine Angebetete an. Deren Part übernimmt die hervorragende Sängerin Patricia Russo. Die Duette zwischen Meat Loaf und ihr - so zum Beipiel "Dead ringer for love", "I‘d do anything for love" oder auch "Hot summer night" - zählen ohne Zweifel zu den gewiss nicht wenigen Höhepunkten des Konzerts. Sie haben "Gänsehaut-Charakter" und lassen immer wieder die Feuerzeuge im weiten Rund der Arena angehen. Aber noch zwei weitere Aspekte werden gerade bei diesen Songs deutlich: Zum einen sind Meat Loafs Titel hervorragend auf der Bühne zu inszenierende Geschichten - hier beweist der Hexenmeister sein bereits in vielen Filmen bewiesenes Schauspieltalent. Zum anderen kommt in den mit Hingabe betont schwülstig dargebotenen Hymnen die Selbst-Persiflage, des Ex-Kolosses Sinn für Komik und Ironie besonders zum Tragen. Das hat was, beweist wirkliche Größe: Trotz reduziertem Körpergewicht bleibt Meat Loaf tatsächlich Mister Bombastic! Nach einer furiosen - wie auch bei den übrigen Hits wesentlich schneller gespielten - Version von "Bat out of hell" zeigen Meat Loaf und Band, dass sie auch Songs anderer Interpreten neue Impulse verleihen können: Bob Dylans "Forever young" eröffnet den Zugabenblock, und eine rockige Version von "We are family" beschließt unter Konfettiregen und dem Abrollen dreier Deutschlandfahnen von der Hallendecke (Vorsicht: Ironie, oder?) ein beeindruckendes Konzert.