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Gitarrenklänge zum Jahrestag

Gitarrenklänge zum Jahrestag

Bernkastel-Wehlen. Auf Initiative des berühmten Pepe Romero gründete sich 1980 in Los Angeles ein Gitarrentrio, das zehn Jahre später zum Quartett mutierte. Schon zum zweiten Mal belegte das Ensemble bei den Mosel Festwochen, dass sein Weltruf nicht unbegründet ist.

Es war im Jahre 1996, als das Gitarrenquartett "Los Romeros" bei den Mosel Festwochen zu Gast war. Zu dem damaligen Konzert kamen auch zwei alleinstehende Musikfreunde, die sich an diesem Abend kennen lernten und fünf Jahre später heirateten. Rund um den fünften Hochzeitstag und dem zehnten Jahrestag des Kennenlernen kamen nun Karin und Werner Heck wieder zum Moselfestival und erlebten erneut ein Gitarrenkonzert. Diesmal kamen die Musiker aus den Vereinigten Staaten, sind bekannt als das Los Angeles Guitar Quartet (LAGQ) und zählen zu den führenden Künstlern dieses Genres. Ein gelungener Rahmen für die Feier eines romantischen Festtages. Überhaupt zogen die Musiker John Dearman, William Kanengiser, Scott Tennant und Andrew York viele Besucher ins Kloster Machern und sorgten für ein ausverkauftes Haus. Auch weitere Wege wurden in Kauf genommen, etwa aus Köln oder auch den Niederlanden. Ein Ehepaar verbrachte ein musikalisches Wochenende an der Mosel, besuchte die Konzerte am Freitag und Samstag und ließ den Kurzurlaub nun mit den Gitarristen ausklingen. Sein Kommentar vor der Heimfahrt: "Ein großartiger Abschluss eines wunderschönen Wochenendes." In der Tat konnte sich das, was die vier Amerikaner zu bieten hatten, mehr als nur hören lassen. Seit 16 Jahren schon stehen sie zusammen auf der Bühne, gelten jeder für sich genommen als exzellenter Solist und sind als Ensemble weltweit gefragt. Ihr Repertoire ist dabei, das wurde auch in Machern deutlich, denkbar weit gefächert. Die Lautenmusik des Renaissancemeisters Thomas Morley, von dem vier Tänze aus dem "First Book of Consort Lessons" erklangen, gehört ebenso dazu wie zeitgenössische Literatur, etwa Vince Mendozas "Solstice Poem", Werke aus der eigenen Feder oder natürlich Bearbeitungen von Kompositionen für andere Instrumente. Das Spiel des LAGQ strahlte eine unglaubliche Leichtigkeit aus, war vielfach zauberhaft filigran, ohne dass man an irgendeiner Stelle die Präsenz vermissen musste. Es waren ganze Geschichten, die das Quartett erzählen konnte, humorvoll und augenzwinkernd in Chet Atkins "Blue Echo", lyrisch und fast schon melancholisch im "Letter from Home" von Pat Metheny. Rhapsodie mit Bravorufen

Die technische, virtuose Brillanz des Ensembles zusammen mit der tiefgründigen musikalischen Aussagekraft kulminierte jedoch bei der Interpretation klassischer Werke. So überraschte es nicht, dass die ungarische Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt am Ende des Abends Bravorufe auslöste. Doch auch das Finale des ersten Teiles mit Werken von Johann Sebastian Bach riss das Publikum von den Stühlen. Da mochte man sich fragen, ob denn der dritte Satz aus dem dritten Brandenburgischen Konzert, BWV 1048, wirklich für ein Streicherensemble geschrieben ist, und die ausgeprägte Kontrapunktik der Fuge g-Moll, BWV 578, wäre auf der Orgel kaum besser darstellbar gewesen. Zurecht eilen dem LAGQ Lobeshymnen voraus. Das konnte man in Machern erleben.