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Harter Job für den Wettbewerbs-Sieger

Harter Job für den Wettbewerbs-Sieger

STRASSBURG. Eine Inszenierung als Siegerpreis: Der aus Trier stammende Jung-Regisseur Andreas May durfte als Gewinner des Europäischen Regie-nachwuchswettbewerbs im renommierten Straßburger Opernhaus die rare Oper "Hans Heiling" in Szene setzen. Alles andere als eine leichte Aufgabe.

Kräftige Unterstützung gab's aus der Heimat: Eine Hundertschaft vom Trierer Konzertchor war angereist, mit dem Andreas May in den letzten Jahren zwei erfolgreiche Opernproduktionen erarbeitet hat. Moralischen Beistand konnte der 33-Jährige sicher brauchen angesichts der Gilde von Theatermachern und Fachjournalisten, die sich in der "Opéra du Rhin" tummelten. Das Straßburger Opernhaus gehört zu den angesehensten in Europa. Hier zu réüssieren ist beileibe kein einfacher Job.Erst recht bei dieser Oper.Der selten gespielte "Hans Heiling" von Heinrich Marschner entpuppt sich als ziemlicher Schinken mit recht eingängigen Melodien bei recht einfältiger Handlung. Die Geschichte vom König der Erdgei-ster, der sich in eine Sterbliche verliebt und auf sein Reich verzichtet, um bei den Menschen wahre Gefühle kennen zu lernen - und dabei ziemlich auf die Nase fällt -, ist nach Art eines Singspiels aufgebaut, auch wenn es "Grand opéra romantique" heißt.Andreas May und sein Bühnenbildner und Mit-Preisträger David König rücken der Angelegenheit gedanklich von zwei ganz unterschiedlichen Seiten zu Leibe. Die Geisterwelt ist eine seelenlose Industrieproduktion mit Einheits-Lebewesen - Metropolis lässt grüßen. Die Menschenwelt kommt als Karikatur daher, ein Panoramadorf im Legoland-Design mit biertrinkenden Voralpen-Klischeefiguren.Das ist des Guten möglicherweise zu viel. Die unterirdische Sozialkritik und die almdudelnde Comedy wollen nicht recht zusammen passen. Originelle Ansätze vereinigen sich nicht zu einem tragfähigen Gesamteindruck, stellenweise gibt es Leerlauf - was die Protagonisten durch Rampengesang und Armwedeln kompensieren.Den stärksten Eindruck hinterlässt die Titelfigur, nicht nur, weil Detlef Roth die schwierige Partie souverän singt, sondern auch, weil es der Regie hier gelingt, den Konflikt zwischen der utopisch-heilen, aber gefühllosen Geisterwelt und der emotional vielfältigen, aber auch trügerischen Menschenwelt in dieser Persönlichkeit lebendig werden zu lassen.Solide die musikalische Gestaltung durch die Straßburger Philharmoniker unter der Leitung des früheren Saarbrücker GMD Olaf Henzold. Musikalisch und szenisch unterfordert wirkt Bayreuth-Neuentdeckung Anja Kampe als Heilings naiv-flatterhafte Verlobte Anna, respektabel bis durchwachsen die weiteren Solisten.Am Ende gab es sehr freundlichen Beifall, nicht nur vom aus Trier angereisten Teil des Publikums. Der Straßburger Intendant Nicholas Snowman würdigte Andreas Mays Arbeit bei der Premierenfeier als "intelligent und durchdacht". Wenn seine Kollegen aus den anderen Häusern das auch so gesehen haben, sollten weitere Regie-Aufträge in Sicht sein. Weitere Vorstellungen am 11., 13. 15. und 20. März; Infos unter www.opera-national-du-rhin.com