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Jazz mit anderen Vorzeichen

Jazz mit anderen Vorzeichen

Wittlich. Für den Start in das neue Jahr hatte sich der Jazzclub in Wittlich etwas Besonderes ausgedacht. Mit dem schwedischen Pianisten Bobo Stenson hatten die Jazzfreunde einen der bedeutendsten Vertreter des skandinavischen Jazz an die Lieser geholt. Stenson kam gemeinsam mit dem Bassisten Anders Jormin und dem Drummer Jon Fält.

In dem erfreulich gut besuchten Saal des Hotels Lindenhof bekam das Auditorium etwas geboten, von dem man getrost sagen kann: So etwas gibt es nicht alle Tage. Nicht spektakulär stieg Stenson in sein Konzert ein. Eher unauffällig setzte er sich an den Flügel und begann mit seinem Spiel. Man konnte fast den Eindruck haben, dass er Bassist Jormin noch ein paar Töne gab, damit dieser seinen Bass stimmen konnte. Doch dann stellte der Zuschauer fest, dass das Konzert bereits seinen Anfang genommen hatte. Stenson und seine Partner sind - abgesehen von ein paar positiven Ausreißern durch Drummer Fält - keine Freunde der lauten, aufdringlichen Musik. Sie bieten Poesie auf ihre eigene Art, mit ihrer ureigensten Handschrift, die den Zuhörer, hat er sich erst einmal darin zurechtgefunden, nicht mehr los lässt. Da kehren sich teilweise gewohnte Verhältnisse einfach um, die Musik kommt vom Schlagzeug und der Background wird von Flügel und Kontrabass geliefert.Drei Meister ihres Fachs

Jeder der drei Musiker ist ein Meister seines Fachs. Fält versteht es unglaublich, einen Rhythmusteppich zu legen, Jormin entlockt seinem Instrument Töne, von denen man bisher gar nicht wusste, dass sie in einem Kontrabass stecken können, bezaubert mit einem sensiblen und doch sehr präsenten Flageolett. Über allem aber schwebt Stenson mit seinem unvergleichlichen Spiel, das jeder Kammermusikformation zur Ehre gereichen würde. Ob "There comes a time" von Tony Williams oder "Song of the Earth" von Vladimir Voyisky oder seine tiefe Verneigung vor dem frühbarocken englischen Komponisten Henry Purcell und dessen Komposition "Music for a while"- immer wenn Stenson in die Tasten greift, eröffnet er einen ganzen Kosmos, in den die Zuhörer eintauchen, sich verlieren können.