Abend der Superlative

Abend der Superlative

TRIER. (gkl) Ein seltenes Bild: Musikinteressierte, die an der Kasse stehen und darauf hoffen, dass jemand seine Karte zum Sinfoniekonzert zurückgibt. Ein ausverkauftes Haus also zum vierten Konzert, das sich ausschließlich mit Wolfgang Amadeus Mozart befasste.

Generalmusikdirektor (GMD) István Dénes hatte, zusammen mit dem Dramaturgen Dr. Peter Larsen, für das Programm in die Vollen gegriffen: Zwei Sinfonien und drei Solokonzerte hatten sie ausgesucht, und dazwischen noch einige, teilweise ergötzliche Brieftexte (Larsen) und Kanones dargeboten von Evelyn Czesla und Eva-Maria Günschmann (Sopran und Mezzo), Peter Koppelmann (Tenor) und dem Bariton László Lukács, drapiert. Es war also ein Abend der Superlative. "Nehmen sie es sportlich, betrachten sie es als ein Marathon!", sagte Larsen zum Rezensenten, der nicht als Einziger erschöpft nach mehr als drei Stunden das Theater verließ. Musikalisch gesehen war der Höhepunkt des Abends das Violinkonzert Nr. 5 in A-Dur, KV 219. Den Solopart hatte hier Triers Konzertmeister Petar Entchev übernommen, der eine gewisse Nervosität spüren ließ. Spieltechnisch gesehen entspricht das Konzert der Einstellung Mozarts, "kein Freund von Schwierigkeiten" zu sein. Das enthebt den Solisten aber nicht von einer sehr sensiblen Handhabung seines Instrumentes. Schon zur Mitte des ersten Satzes hatte Entchev, nicht zuletzt auch getragen von seinen Kollegen, eine große Sicherheit erreicht, gestaltete mit viel Farbe und Fantasie das großartige Werk. Die subtile Art des Musizierens aber, die hier sichtbar wurde, war es, die über weite Strecken des restlichen Abends fehlte. Sie war nicht wirklich mystisch und ahnungsvoll, die Eröffnungssinfonie Nr. 40 in g-Moll, sie hatte keine spontane, geniale Leichtigkeit, die Jupitersinfonie, die am Ende des Abends stand. Und auch die beiden Hornkonzert Nr. 4 in Es-Dur, KV 495 und das von Dénes zu Ende komponierte Fragment KV 494a in E-Dur mit dem ungarischen Solisten Miklós Nagy konnte nicht ganz überzeugen. Es mangelte am Charisma. Geradezu störend wirkte die Art, wie Dénes seinen Musikern überdeutlich die Einsätze gab. Von der Planung her war diese Geburtstagsfeier eine große Sache. Die Ausführung entsprach nur ansatzweise dem Anlass. Wegen der großen Nachfrage wird überlegt, das Konzert nach den Osterferien zu wiederholen.

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