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Kohleminen, Brassbands und ein Schottenrock

Kohleminen, Brassbands und ein Schottenrock

Erstklassige Musik gab es zum Auftakt der unter dem Kultursommer-Motto "Cool Britannia" veranstalteten Musiktagen auf Burg Rittersdorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) zu erleben. Die belgische Brassband "Echo des Charmilles" und die Bitburger Bigband "Tune Up" heizten ordentlich ein.

Rittersdorf. Selbst das Wetter passt zum Motto "Cool Britannia", kühl und zeitweise regnerisch ist es, als in der Rittersdorfer Wasserburg die Musiktage des Musikvereins eröffnet werden. Zum inhaltlichen Einstieg gibt es als Open-Air-Kino "Brassed Off", einen Film über eine Brass-Bergmannskapelle in einem britischen Kohlerevier zu sehen. Daran knüpft sehr stimmig die Musik der an britischem Vorbild orientierten belgischen Brassband "Echo des Chamilles" an. Die rein aus Blechbläsern bestehende Formation glänzt durch ein abwechslungsreiches Repertoire mit beschwingt, gefühlvoll und stets äußerst präzise interpretierten Melodien vom Concerto d'Aranjuez über Broadway- oder Pop-Adaptionen bis zur rumänischen Volksmusik. Dafür gibt es kräftigen Beifall auch von den Musikern der Bitburger Bigband Tune Up, die danach auf die Bühne tritt. Die zu den festen Größen der regionalen Jazzszene gehörende zwanzigköpfige Band unter Leitung von Daniel Follmann präsentiert sich zum Höhepunkt des Abends mit einem vielseitigen Repertoire aus Swing, Latin, traditionellem bis modernem Jazz und drei Gastsolisten. Der Luxemburger Ernie Hammes macht seinem unter anderem bei Maynard Ferguson erworbenen Ruf als Startrompeter mit virtuos und kraftvoll gespielten Soli alle Ehre. Der deutsche Sänger Christian Geilfuß interpretiert mitreißende Swingtitel in einer an Roger Cicero erinnernden Qualität. Der Dritte im Bunde, der schottische Posaunist Andy Bruce, sorgt schon rein optisch für Aufsehen und Bezug zum Motto "Cool Britannia": Er erscheint im Schottenrock. Dem TV verrät er, während er sich beim Heißgetränk störender Burghof-Zugluft unter den Rock entzieht, er trage die Originalfarben seines Clans. Dieser habe normannische Wurzeln, lasse sich bis ins 13. Jahrhundert verfolgen und habe einen König in seinen Reihen. Auf den sei er aber nicht stolz, er sei ein brutaler Herrscher gewesen. Andy Bruce selbst lebt heute in Amsterdam. Mit seinem schottischen Sextett "The Rigidly Righteons" spielt er eine eher unorthodoxe Mischung aus freiem Jazz mit Elementen traditioneller schottischer Musik. Das Zusammenspiel mit der Bigband sei ein Experiment für ihn, sagt er. Das, wie es der Applaus der Zuschauer bekräftigt, aber auf Burg Rittersdorf mit Bravour gelungen ist.