Kunstgeschichte(n)

Tante Irma ist hin und weg. "Stellt euch mal vor", erzählt sie aufgeregt, "bei meinem letzten Malkurs habe ich gelernt, wie man mit dem Schrubber ein Bild bearbeitet.

" Tante Irma ist Mamas Schwester und Malerin. "Bei Irmas Bildern ist ein Schrubber gar nicht schlecht - am besten gleich mit Allzweckreiniger", grinst Papa. Und noch bevor ihn Mamas Blick durchbohren kann, ist er aus dem Zimmer gelaufen. Allerdings: So irre ist das gar nicht. Tatsächlich kann man auch Schrubber verwenden, um Bilder zu malen. Man kann Farbe nämlich auf ganz verschiedene Art auftragen. Die meisten Bilder werden immer noch mit dem Pinsel gemalt. Je nachdem, was man ausdrücken will, nimmt man feinere oder grobere Pinsel und trägt die Farbe dünner oder dicker auf. Will man zum Beispiel ein Bild malen, in dem die Farbe durchsichtig erscheinen soll, nimmt man einen feinen Pinsel und ganz flüssige Farbe. Oft wird die Farbe auch dick mit einem Spachtel aufgetragen. Dabei wird sie so ähnlich gestaltet wie Knetgummimasse, deren Oberfläche man mit der Klinge eines Messers bearbeitet. Die Farbe bekommt durch den Spachtel Vertiefungen, Anhöhen und Rillen. Sie wirkt dann wie eine Landschaft mit Bergen, Tälern und Gräben. Solche Farblandschaften sind oft so gut geformt, dass man am liebsten die Farbe mit den Händen greifen möchte. Außerdem sieht man an den Spuren des Spachtels, wie der Künstler das Bild geschaffen hat. Um die Farbe mit dem Schrubber aufzutragen, muss man einen großen stabilen Bildträger wie eine Holzplatte haben. Der Bildträger ist übrigens der Teil des Bildes, auf den es gemalt ist. Wenn man mit einem Schrubber malt, will man meistens zeigen, dass man mit großen freien Bewegungen arbeitet. Man kann aber auch die Farbe zuerst mit einem Pinsel auftragen und dann mit einem Schrubber darüber gehen. Auf jeden Fall geht man mit einem Schrubber nur übers Bild, wenn man innere Bewegung, zum Beispiel Wut oder den Wunsch nach Freiheit, ausdrücken will. Bilder, die mit dem Schrubber gemalt sind, sind eher selten. Die meiste Zeit muss der Schrubber zum Putzen herhalten. Eva-Maria Reuther

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