Viel Raum für Interpretation

Viel Raum für Interpretation

"Ich diene Deutschland" - das erste gemeinsame Projekt der Schauspielerin Vanessa Daun mit Regisseurin Britta Benedetti hatte auf der Studiobühne des Trierer Theaters Premiere.

Trier. Schon die Ankündigung des Stückes machte neugierig: Soldatenfrauen verschiedenen Alters berichten in eingespielten Interviews über ihre Ängste, Zweifel und Erfahrungen über den Auslandseinsatz ihrer Ehemänner. Die Regie führt Britta Benedetti, die seinerzeit "Bartsch, Kindermörder" sehr eindringlich auf die Bühne gebracht hatte. Dazu tritt Schauspielerin Vanessa Daun auf, durch fast zehn Jahre Bühnenpräsenz am Theater Trier bekannt, die sich - in einem roten Kleid - wie ein roter Faden in die Dokumentation einbringt. Das ließ auf emotionales Theater hoffen.
Im fast ausverkauften Studio erwartete die Zuschauer ein schwach ausgeleuchtetes und minimalistisches Bühnenbild: eine Leiter, ein Stahlgerüst, dazwischen ein Geflecht aus Flexiband, das teilweise als Projektionsfläche diente, um die aufgezeichneten Interviews der insgesamt vier Soldatenfrauen leicht verzerrt wiederzugeben. Vanessa Daun eröffnet mit einem Lied, sie erklimmt die Leiter, sie spielt mit den gewebten Flexibändern und schleicht wie ein Kobold immer wieder in die eingeblendeten Interviews. Dort erzählen die Frauen vom Kennenlernen ihrer Männer.
"Ich wusste, worauf ich mich einlasse", sagt eine junge Frau und meint den drohenden Einsatz in einem Kriegsgebiet, und die Frau im roten Kleid schaut eindringlich ins Publikum. Das lässt vermuten, dass hier ein böses Ende naht. Die Interviews verstummen, die Frau im roten Kleid sucht ihren Hund - er heißt "Karriere" - sie organisiert den Babysitter, schreibt eine Einkaufsliste. Die Frauen auf der Projektionsfläche erzählen vom Abschied vor dem Einsatz im Krisengebiet und wie sie per Internetdienst Skype und E-Mails mit ihren Männern den Kontakt halten. Alles bleibt sachlich und unaufgeregt.
Vanessa Daun spielt mit zwei aufziehbaren Schildkröten Krieg. Immer wieder verstrickt sie sich in den Flexibändern, doch oftmals überfordert die Symbolik die Zuschauer, und auch diese verstricken sich im Gesehenen. So bleibt dem Publikum immer wieder viel Platz für eigene Interpretationen. Doch zu viel bleibt an der Oberfläche, das Gesehene erreicht seine Zuschauer nicht emotional, vom Grauen des Krieges ist wenig zu spüren. Das mag Absicht sein - neben der Heinrich-Böll-Stiftung wurde die Produktion vom Deutschen Bundeswehrverband unterstützt.
Was nach 55 Minuten Spieldauer bleibt, ist viel Diskussionsstoff, aber auch ein Gefühl der Ratlosigkeit.
Weitere Vorstellungen: 14., 29. und 30. November.