Das BNT Trier ist federführend in einem grenzüberschreitenden EU-Projekt namens Smart Energy 4.4.

Bildung : Smartes Projekt macht Europa konkret

„Smart Energy 4.4“: So heißt das neue EU-geförderte Projekt in der Großregion, an dem auch das kreiseigene Balthasar-Neumann-Technikum in Trier in den kommenden drei Jahren beteiligt ist.

Insgesamt 1100 verschiedene Normen gibt es in der Großregion von Deutschland, Belgien, Frankreich und Luxemburg – allein für den Bereich des Heizungsbaus. Denn welche Vorgaben es für Luftdruck, Geräte oder Feuchtigkeit gibt, ist von Land zu Land verschieden. Schwierigkeiten, vor denen immer wieder Handwerker stehen, die grenzüberschreitend arbeiten. Und dies sind Schwierigkeiten für Verbraucher, die nicht wissen, mit welcher Qualifikation ein Energieberater oder Passiv-Haus-Planer als Handwerker vor der Haustür auftaucht.

Diese grenzüberschreitenden Unterschiede abzumildern, dem Arbeitsmarkt einheitlich geschulte und wertvolle Fachkräfte zu liefern und dabei zusammen nachhaltige intelligente Technologien fortzuentwickeln, das ist das Ziel eines neues EU-geförderten Interreg-Projektes, an dem von deutscher Seite aus das Trierer Balthasar-Neumann-Technikum (BNT) in Trägerschaft des Kreises Trier-Saarburg teilnimmt.

„Wir machen Europa im Kleinen konkret“, gibt denn auch der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz als Losung für das Projekt „Smart Energy 4.4“ aus.  Die Idee für die kommenden drei Jahre fürs BNT: Zusammen mit dem Lycée Henri Nominé in Sarreguemines (Lothringen), dem Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes in Eupen (Belgien) und dem Atert-Lycée in Redange (Luxemburg) werden im Wechsel bis zu 3000 Schüler jeweils in den fachlichen Schwerpunkten der anderen Partner fit gemacht. Dazu rotieren bis zu 300 Dozenten und Lehrer zwischen den Partnerinstituten, um alle auf den gleichen Ausbildungs- und Wissensstand in technischer Gebäudesanierung (BNT), Thermotechnik (Lothringen), Heiztechnik (Luxemburg) und Bautechnik (Belgien) zu bringen.

Weitere Partner auf deutscher Seite sind die Handwerkskammern Trier und Saarbrücken, die Energieagenturen Trier und Luxemburg, die Universität Luxemburg sowie die Confédération Construction Arrondissement de Verviers Belgien. Aber auch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen soll die Fachkräfte fit für die Zukunft machen. „Die Idee zu diesem Projekt wurde aus der Not heraus von unseren Schülern selbst entworfen“, sagt Manfred Schneider, Ingenieur und Lehrer für Gebäudeausrüstung am BNT. Denn häufig sei den jungen Fachkräften unklar, inwieweit ihre Qualifikation im Ausland auch anerkannt werde.

Dass die Europäische Union Smart Energy 4.4 mit gut zwei Millionen Euro unterstützt, liegt laut Coraline Terrancle vom Interreg-Büro der EU an folgenden Eigenschaften: „Das Projekt arbeitet grenzüberschreitend, es hat einen innovativen Charakter, die gesamte Großregion gewinnt aus den Erkenntnissen, und die Integration des Arbeitsmarktes der Großregion ist das wichtigste Kriterium“, sagt sie. Das Geld komme aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und werde um die Mittel der vier kommunalen Partner erweitert.

Als Bestätigung der Arbeit am BNT mit seinen 751 Schülern sieht Schulleiter Dr. Michael Schäfer die EU-Förderung: „Hier werden gezielt die Pläne und Ideen der Klassen in die Realität umgesetzt. Das ist wichtig für die Schüler. Sie sind ja bereits professionelle Spezialisten, aber nicht auf jedem Gebiet. Das wird sich nun für sie erweitern“, sagt er. Erst kürzlich hat das BNT das europäische Erasmus-Projekt „AVEC BNT“ mit Partnern in Hongkong, Lettland und Luxemburg abgeschlossen.

Nun werden zuerst alle nationalen Normen auf den Prüfstand gestellt und für die verschiedenen Gewerke zusammengefasst, im Anschluss werden dann die Inhalte der Ausbildungen angepasst, so dass mit Beginn 2020 die ersten Schüler unterrichtet werden können. „Die Dozenten stehen uns bereits von jetzt an zur Verfügung“, sagt Schäfer.

Doch nicht nur am Arbeitsmarkt, sondern auch auf energetischer Ebene sollen die Erfolge des Projekts sichtbar werden. So erhofft sich Landrat Schartz eine Energieeinsparung durch die Bausanierung im Bestand.

„Dass das klappt, hat das BNT bereits bewiesen, als es sein eigenes Heizsystem günstiger erneuerte, als es der Planer zunächst veranschlagt hatte“, sagt er, dessen Verwaltung das Projekt federführend betreut. „Hier gibt es bereits viel Wissen in der Schule. Dieses wollen wir nochmals vergrößern.“

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