1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Der Morbacher Bildhauer Klaus Rothe hat den Kreuzwege dreimal unterschiedlich umgesetzt.

Religion : Das Leiden Christi, drei Werke, ein Künstler: Der Bildhauer Klaus Rothe hat Kreuzwege immer wieder anders interpretiert

Der Morbacher Bildhauer Klaus Rothe hat das Thema Kreuzweg im Laufe seines Lebens sehr unterschiedlich interpretiert.

Der Morbacher Bildhauer Klaus Rothe ist seit mehr als 40 Jahren tot. Trotz der vielen Werke, die der Künstler aus der bekannten Bildhauerei Mettler in Morbach in der Region hinterlassen hat, ist er beinahe in Vergessenheit geraten. Dabei sind seine Werke im Hunsrück allgegenwärtig. Ob ein Brunnen in Thalfang, die Krippenfiguren in der Malborner Kirche, das Kriegerdenkmal in Morbach, ein Altarbild in Hochscheid, und eine Reihe von Kreuzwegen, sie alle tragen die Handschrift von Rothe. Heimatforscher Elmar Ittenbach spricht von dem vielseitigsten Vertreter „einer ganzen Reihe von Morbacher Bildhauern und Malern, die für viele Jahrzehnte den Ort so prägten, dass man schon mal vom Oberammergau des Hunsrücks sprach“. Ittenbach attestiert Rothe eine „große Vielfalt und eine herausragende Qualität“. Als Künstler habe Rothe vor allem in seinen Arbeiten für evangelische und katholische Kirchen überzeugt. „Ein ausgeprägter ökumenischer Geist des überzeugten Protestanten zeigt sich auch in herausragenden katholischen Werken wie Heiligen, Kreuzwegen und Tabernakeln.“

Welche Entwicklung der Künstler im Laufe der Jahrzehnte gemacht hat, das sieht man laut Ittenbach insbesondere an den Kreuzwegen, die er gefertigt hat. Es handelt sich ja immer um die gleichen Motive, um die Darstellung des Leidenweges von Jesus von der Verurteilung bis zur Grablegung. Für den Aufsatz „Der Bildhauer Klaus Rothe: Hochwälder Kreuzwegstationen – Tradition und Symbolik“ hat sich Ittenbach drei von ihnen exemplarisch angeschaut: die jeweils 14 Kreuzwegstationen für die Kapelle St. Blasius in Pölert, die in der Malborner Pfarrkirche St. Briktius und die in der Klosterkapelle der Oblatinnen in Kell, die in einem Zeitraum vom 25 Jahren entstanden sind. Der Keller Kreuzweg befindet sich nicht mehr in der Region. Nachdem die Niederlassung der Oblatinnen in Kell aufgegeben wurde, wurde der Kreuzweg in das Regionalhaus der Oblatinnen nach Linz/Donau gebracht. Ittenbach beschreibt die Entwicklung Rothes an sechs Kreuzwegstationen. Eine greifen wir heraus: Station 8 „Jesus begegnet den weinenden Frauen“. In Pölert wirkt die Szene, so beschreibt es Ittenbach, „recht statisch und steif“. In der Malborner Fassung sei sie „an Dramatik kaum zu überbieten“. Jesus sei mit ausgebreiteten Armen dargestellt, umringt von drei Frauen. Eine kniende Frau reckt, so beschreibt es Ittenbach, ihre Arme flehend zu ihm empor, ein zweite, die steht, schlägt weinend die Hände vors Gesicht. Und die dritte lässt ihr Kind segnen.

Für Ittenbach ist die Malborner Darstellung „sicher ein Höhepunkt in der bildnerischen Gestaltung eines solch bewegenden ausdrucksstarken Moments“. Beim Keller Kreuzweg geht Rothes Arbeit in Richtung Abstraktion. Weder Jesus noch die Frauen sind zu sehen. Nur Tränen. Damit werde die Passion Jesu zum „Symbol des unmenschlichen Leidens Unschuldiger“. Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei den anderen Stationen zu sehen. Etwa Station 10 „Jesus wird seiner Kleider beraubt“. In Pölert reißt ein Soldat Jesus das Gewand vom Leib. In Malborn hat die Darstellung mehr Details. Es sind zwei Soldaten. Einer hält das Gewand in die Höhe, das die Umrisse des Heiligen Rocks hat, der Reliquie im Trierer Dom. Beim Relief in Kell sind nur noch ein Faltenwurf und ein Würfel (Soldaten hatten um das Gewand gewürfelt) zu sehen.

 Kreuzweg Rothe 8. Station: Jesus und die weinenden Frauen
Kreuzweg Rothe 8. Station: Jesus und die weinenden Frauen Foto: TV/Elmar Ittenbach
 Kreuzweg Rothe 8. Station: Jesus und die weinenden Frauen
Kreuzweg Rothe 8. Station: Jesus und die weinenden Frauen Foto: TV/Elmar Ittenbach

Für Ittenbach ist die Entwicklung mehr als deutlich: In Pölert befand sich Rothe in der Tradition einer „mehr oder weniger realistischen Gestaltung und einer gewohnten Formensprache“. Später in Malborn sei eine eher theatralische Darstellung als Zeichen eines eigenen Stils zu sehen. In Kell wird das Geschehnis mit Symbolen auf die Kernaussage reduziert. Eine beachtliche Entwicklung.