Die Vögel und die Windkraft

In der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues war einmal von 70 Windkraftanlagen die Rede. Aktuell ist es noch etwa die Hälfte. Fauna, wie Rotmilan und Schwarzstorch, Flora und die Moseltalschutzverordnung machen manche Pläne zunichte.

Bernkastel-Kues. "Eine Verbandsgemeinde ohne Windkraft." So titelte der TV Anfang März vor der Fusion mit Kröv-Bausendorf über die Situation in der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach. Damals wurde das Thema ad acta gelegt, weil es zu viele Ausschlusskriterien, zum Beispiel die Nähe zum Flugplatz Hahn, gibt. In der VG Bernkastel-Kues sieht das anders aus. Hochtrabende Pläne von bis zu 70 Anlagen auf dem Höhenzug rechts der Mosel, sind aber auch nicht mehr aktuell. Leo Wächter, hauptamtlicher Beigeordneter und mittlerweile ein Windenergieexperte, spricht von "maximal 35 bis 40 Anlagen".
Verfolgt, so Wächter in der Sitzung des VG-Rates, wird weiter das Ziel die Anlagen auf eine weitgehend zusammenhängende Fläche zu konzentrieren. "Wir wollen keinen Wildwuchs", betont der Beigeordnete.
Für Windkraftanlagen in Frage kommen weiterhin Flächen auf den Gemarkungen Piesport, Wintrich, Brauneberg, Veldenz, Monzelfeld und Gornhausen. Für die unmittelbar an der Mosel gelegenen Orte Piesport, Wintrich und Brauneberg gilt dabei: Die möglichen Flächen liegen wie in den übrigen Gemeinden auf der Höhe und sind vom Moseltal aus nicht sichtbar. Das entspricht der Moseltalschutzverordnung.
Einzige Ausnahme, so Landschaftsarchitektin Margit Högner: Von der Moselbrücke bei Mülheim sind die Anlagen oberhalb von Veldenz zu sehen. Die Besonderheit hier: Zwischen Mülheim und dem drei Kilometer entfernten Veldenz verläuft ein Tal. Nach Angaben von Bauamtsleiterin Vera Jüngling werden die geplanten Anlagen eine Gesamthöhe (bis zur Spitze der Rotorblätter) zwischen 186 und 199 Metern aufweisen. Wie anderswo auch, genießen Fauna und Flora hohen Schutz. Zwei Flächen bei Monzelfeld können nicht genutzt werden, weil dort der Rotmilan lebt. Ganz aktuell ist bei Veldenz der Horst eines Schwarzstorches gesichtet worden. Diese Fläche bleibt aber noch in der Planung. Erst sollen Lebens- und Fluggewohnheiten des Vogels beobachtet werden. Für solche und ähnliche Fälle nimmt die VG sogar die Dienste einer Anwaltskanzlei in Anspruch. Nach jetziger Planung kommen für mögliche Anlagen 601 Hektar in Betracht. Das sind knapp 2,5 Prozent der Fläche der VG. Die Besonderheit in dieser Kommune: Es gibt einen Solidarpakt. Von den Pachteinnahmen sollen nicht nur die Orte profitieren, auf deren Gemarkung Windräder stehen, sondern alle Gemeinden. So weit ist es aber noch lange nicht. Die Pläne werden nun erst einmal im Spätsommer offen gelegt.