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Fliegende Eier und Traktorrundfahrt

Fliegende Eier und Traktorrundfahrt

Etwa 1500 Besucher sind am Sonntag zum Jubiläum "25 Jahre Hof Breit" gekommen. Der zertifizierte Demeterhof der Pächterfamilie Brandsma hat gemeinsam mit dem Verein Hof Breit sein 25-jähriges Bestehen gefeiert und aus diesem Anlass zu einem bunten Programm für alle Altersgruppen geladen.

Wittlich. "Kaufen Sie zehn Eier und fangen Sie noch eins gratis dazu!" Der Mann mit dem feuerroten Haar ist nicht zu überhören: Christoph Engels, Comedian, Jongleur und Straußenfarmer aus Bengel, wird vom Gastgeber Paul Brandsma schmunzelnd als "unser Clown" vorgestellt, der ihm dabei hilft, die klein geratenen Kartoffeln des trockenen Sommers zu verkaufen.
"Die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln", behauptet Engels augenzwinkernd. Trotzdem sind die Eier der größere Kassenschlager, schließlich sehen die Besucher direkt nebenan, wo sie herkommen: Die Hühner haben Auslauf, frisches Gras und ein mobiles Gehege, das regelmäßig den Platz wechselt, um den Boden zu schonen.
"So ein Hühnerwohnwagen gefällt uns Holländern natürlich besonders", witzelt Brandsma, der mit seiner Frau Eugenie 1990 aus den Niederlanden in die Wittlicher Senke gezogen ist. Zum Einsammeln der Eier braucht er nur die Klappe zu öffnen - tut dies aber nie, ohne vorher anzuklopfen: "Das gehört sich bei Hühnern genauso wie bei Menschen".
Diese Haltung beeindruckt viele Besucher: "Ich hab früher noch nicht so drauf geachtet, aber jetzt zahle ich lieber ein bisschen mehr und weiß dafür, dass es den Tieren gut geht", meint Marc Weinem aus Trier (36 Jahre). Aleksandra Krakowiak (32 Jahre) bedauert, dass es im Raum Trier nur so wenige Biohöfe gibt, und freut sich über die große Auswahl auf dem Demeterhof Breit.
So auch Anja Stass aus Nonnweiler, der es besonders die Käserei angetan hat. Hier liegt der eigentliche Schwerpunkt des Hofes: Den Großteil der Einnahmen gewinnt er aus der Milch- und Käseherstellung. Die Fleischproduktion läuft eher nebenbei und ist höchstens kostendeckend - die Schweine sind dazu da, um die Reste aus der Käserei und dem Gemüseanbau zu verwerten.
Den Gemüsegarten möchte Paul Brandsma in Zukunft noch mehr ausbauen, um im Hofladen weniger zukaufen zu müssen und das Angebot zu erweitern. Im Frühjahr soll der Laden dann mit der doppelten Verkaufsfläche, modernen Kühltheken und einem Hofcafé neu eröffnet werden.
In dem dafür vorgesehenen Rohbau serviert Sascha Serwaty schon jetzt kulinarische Leckerbissen, zum Teil zugunsten von ProAsyl. Im Garten gibt es Bratwurst vom hofeigenen Schwein, Lehmofenpizza sowie Kaffee und Kuchen zur Musik der Irish-Folk-Band "Green Traces".
Wer will, kann einer der Führungen über Felder, Ställe und Gemüsegarten lauschen, sich an den Ständen über die Vereinsgeschichte und regionale Partner informieren oder Kräuter, Honig und Kunsthandwerk kaufen. Beim Samenbomben-Basteln, Riesenseifenblasen und mit dem Kölner Jongleur "Herr Jemine" haben auch die kleinen Besucher ihren Spaß. ii
Weitere Informationen im Internet unter
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Extra

Was ist eigentlich ein Demeterhof? Hier geht es um mehr als nur um "bio": Laut Heinz Müller vom Verein Hof Breit folgt ein Demeterhof dem Prinzip einer "enkeltauglichen", also nachhaltigen Landwirtschaft, die das Gleichgewicht des Ökosystems aufrechterhält. Im Klartext bedeutet das: Stallmistkompost statt Kunstdünger, Vielfalt statt Monokultur, Tierfutter vom eigenen Feld, Anpassung an regionale Gegebenheiten sowie der Grundsatz: Alles wird verwertet und bleibt in einem geschlossenen Kreislauf. Diese Wirtschaftsweise heißt "biodynamisch" und geht zurück auf einen Impuls von Rudolf Steiner, der schon 1924 zum Landbau im Einklang mit der Natur anregte. Dazu gehört auch, Landwirtschaft "nicht als bloßes Gewerbe, sondern als etwas Gemeinnütziges" (Paul Brandsma) zu betrachten: Was wir essen und was einmal unsere Kinder essen werden, geht uns schließlich alle an. ii Weitere Informationen unter <%LINK auto="true" href="http://www.demeter.de" class="more" text="www.demeter.de"%>