Frau von Welt liebt die Mosel

KINHEIM. Es ist ein Haus mit Geschichte. Der Echternacher Hof in Kinheim gehörte einst zu den Besitztümern der Benediktiner-Mönchen in Echternach/Luxemburg. Das stattliche Gebäude ist heute im Besitz von drei Familien. In einem Flügel wohnt seit 20 Jahren Riele Hoffmann. Sie hat eine ähnlich interessante Lebensgeschichte wie ihr Haus.

Wenn Riele Hoffmann einmal zu erzählen anfängt, ist sie kaum noch zu bremsen. Mit Begeisterung führt sie den Besucher durch ihr Haus, zeigt die vielen Räume, den mittelalterlich wirkenden Innenhof und die ehemaligen Stallungen. Vor 20 Jahren hat sie das Anwesen gekauft. Es ist ein Flügel des ehemaligen Echternacher Hofs. Im 15. Jahrhundert wurde es als Kloster gebaut, und Jahrhunderte später diente es als Gasthaus, als Winzerhaus und als Halfterstation für die Pferde, die auf der Mosel die Schiffe zogen. Riele Hoffmann verbringt hier an der Mosel ihren Lebensabend. Die Landschaft, die Mosel, die Ruhe und die Menschen - das alles gefällt der 1926 in Krefeld geborenen Frau. Sie hat ein interessantes Leben geführt, hat an vielen Orten Deutschlands gewohnt, war beruflich in der ganzen Welt unterwegs und lernte viele bekannte Persönlichkeiten kennen. Die Familie, in der sie aufwuchs, führte ein "Nomadenleben", denn in den 30er und 40er Jahren zogen sie von Stadt zu Stadt. Von Krefeld nach Berlin, von dort nach Düsseldorf, dann nach Oberschlesien und schließlich in den Bayerischen Wald, wo ihr Vater Landrat war. In Regensburg machte die junge Frau Abitur, studierte später an der theologischen Hochschule und war zunächst Volksschullehrerin. Sie zog nach Aachen, wo sie 1948 Jo Hoffmann heiratete. Hoffmann war Konzertpianist, er spielte in vielen hochklassigen Orchestern Deutschlands, unter anderem auch unter Herbert von Karajan. "Nebenbei" betrieb er eine Zahnarztpraxis. Jo Hoffmann starb 1971. Riele Hoffmann, die sich zeitlebens für Theologie interessierte, steckte ihre Energie nun wieder voll ins Berufsleben. Zunächst war sie Personalleiterin einer großen Firma, später übernahm sie die Leitung der kirchlichen Frauenarbeit im Bistum Aachen. Viele Ehrenämter hatte sie inne, unter anderem das der Vizepräsidentin der katholischen Frauengemeinschaften Deutschlands. Sie gründete die Weltorganisation der allein erziehenden Mütter und bereiste in dieser Funktion die halbe Welt. Sie war in Indien, China, in Amerika und in den meisten Staaten Europas. In dieser Zeit wurde sie in den Fernsehrat des ZDF gewählt und war Stellvertreterin des damaligen Vorsitzenden, des Mainzer Oberbürgermeisters Jockel Fuchs. Auch ihr zweiter Ehegatte, Karl-Heinz Lange, mit dem sie bis zu seinem Tod 1999 im Echternacher Hof in Kinheim lebte, war ein bekannter Mann. Er leitete viele Jahre als Chefredakteur die Bayerische Staatszeitung. Literatur und Musik spielte im Leben der Riele Hoffmann immer eine wichtige Rolle. Einer ihrer beiden Söhne ist Mitglied im Kölner Rundfunkorchester. Gelegentlich kommen aufgrund ihrer unzähligen Beziehungen auch Profi-Musiker nach Kinheim. Schon mehrmals fand in der alten Scheune des Echternacher Hofes vor einem kleinen Besucherkreis anspruchsvolle Klassik-Konzerte statt. Ganz ohne Eintritt, einfach aus Spaß an der Freud', mit Orchestermusikern aus Trier, aus Koblenz oder Köln, die dann einige gesellige Tage an der Mosel verbringen, und in der heimeligen Atmosphäre musizieren.