Stadtentwicklung: Ganz nahe bei Nikolaus Cusanus

Stadtentwicklung : Ganz nahe bei Nikolaus Cusanus

Das Geburtshaus des Kardinals und Philosophen soll neue Seniorenakademie werden. Dafür muss das Gebäude am Kueser Moselufer aber barrierefrei  gemacht werden.

Wer suchtet, der findet. Die Bemühungen, im Stadtgebiet von Bernkastel-Kues eine neue Begegnungsstätte für ältere Menschen zu finden, könnten von Erfolg gekrönt sein. Neuer Ort für die Seniorenakademie soll das Geburtshaus von Nikolaus Cusanus (1401 bis 1464) werden. Diesem Antrag der CDU-Fraktion ist der Stadtrat einstimmig nachgekommen. Der Rat hat Stadtbürgermeister Wolfgang Port beauftragt, unter anderem mit der Cusanus-Gesellschaft zu verhandeln. Diese nutzt das der Stadt gehörende markante Gebäude am Kueser Moselufer. In ihm finden Tagungen, Ausstellungen, Vorträge und Konzerte statt. Auch Besuchern steht das Geburtshaus des Kardinals und Philosophen zu festen Zeiten offen. Außerdem ist es einer der besonderen Orte für Trauungen in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues.

Zum Hintergrund: Ende Mai stellt die Cusanus-Trägergesellschaft Trier (ctt) nach 25 Jahren Vertragslaufzeit den Betrieb der Senioren- und Begegnungsstätte im Kueser Stiftsweg ein (der TV berichtete). Dieser sogenannte Heimfall versetzt das St.-Nikolaus-Hospital, das wie die Stadt und die Verbandsgemeinde als Bauträger fungiert, in die Lage, das Gebäude für seine Zwecke zu nutzen. Es wird Teil des Altenheimes, dass das Nikolaus-Hospital auf dem angrenzenden Gelände betreibt. Nikolaus Cusanus hatte es bereits zu Lebzeiten für 33 bedürftige Männer gestiftet. Längst steht es aber auch Frauen offen.

Die Nutzer der Seniorenakademie hatten anfangs gehofft, weiter einige Räume in dem angestammten Gebäude nutzen zu können. Der Verwaltungsrat des Hospitals lehnte dies, wie berichtet, aber ab. Das Hospital brauche das ganze Haus, um seinen Auftrag erfüllen zu können, hieß es zur Begründung. Und so begann die Suche nach einem neuen möglichst zentralen Ort. Mehrere Objekte, unter anderem die ehemalige Post, standen zur Diskussion.

Nun also das Cusanus-Geburtshaus: Es sei bei einem Gespräch der Arbeitsgruppe der Senioren ins Spiel gebracht worden, sagt Mac Spaniol, Sprecher der CDU-Fraktion. Daraus sei dann der Antrag entstanden. Die CDU hatte im August 2018 bereits dafür geworben, dass der vorhandene finanzielle Anteil an der Bauträger-GmbH als Anschubfinanzierung für eine neue Begegnungsstätte dienen soll. Es handelt sich, so Spaniol, um einen Betrag im „niedrigen sechsstelligen Bereich“.

Und eine hohe Investition wird auch nötig sein. Das Geburtshaus ist nicht barrierefrei. Ins Obergeschoss führt eine nicht einfach zu begehende Treppe. Deshalb ist ein Lift unabdingbar. Er könnte hinter dem Gebäude installiert werden. Mitglieder der Arbeitsgruppe haben sich vor wenigen Tagen ein Bild vom Geburtshaus gemacht und es für gut befunden. Es gebe eine klare Mehrheit für den Plan, sagt Sprecher Herbert Kreber.

Vertreter der Stadt werden sich nun mit dem Vorstand und dem Kuratorium der Cusanus-Gesellschaft an einen Tisch setzen. Interessant dabei: Stadtbürgermeister Wolfgang Port ist auch Vorsitzender der Cusanus-Gesellschaft. Er werde aber natürlich nicht mit sich selbst verhandeln, stellt er klar.

Auch Port steht den Plänen positiv gegenüber: „Das wäre sicher im Sinne von Nikolaus Cusanus“, sagt er. Das Gebäude könne durch Investitionen auch weiter aufgewertet werden. Das nütze auch der Stadt. Port bittet aber um etwas Geduld. Zeitnah werde das Projekt nicht machbar sein. „Wenn alles okay ist, werden wir aber sofort an die Umsetzung gehen“, verspricht er.

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