Gemeinde bittet Wirte zur Kasse

GRÄFENDHRON. Gräfendhron erhebt in diesem Jahr erstmals einen Fremdenverkehrsbeitrag. Das befreit den 120-Einwohner-Ort zwar nicht von seiner Haushaltsmisere, aber macht es zumindest möglich, in die Infrastruktur zu investieren.

Die entscheidenden Diskussionen waren im vergangenen Jahr gelaufen. Deshalb wurde im Gemeinderat nicht mehr über die erstmalige Erhebung des Fremdenverkehrsbeitrags in der Gemeinde mit jährlich immerhin rund 2500 Übernachtungen diskutiert. Die Neuerung wurde im Rahmen des Haushalts 2006 mitverabschiedet. Große Sprünge kann der Ort, der sich seit 1998 offiziell Fremdenverkehrsgemeinde nennen darf, mit den erwarteten 3790 Euro zwar nicht machen, aber für neue Fahnen und Ortseingangsschilder dürfte die Summe reichen. Zur Kasse gebeten werden anders als bei einer Kurtaxe die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe, nicht aber die Urlauber selbst. Neue Praxis des Landes bereitet Probleme

Trotz der bescheidenen 11 000 Euro an Investitionen, die in diesem Jahr geplant sind, kommt Gräfendhron derzeit auf keinen grünen Zweig. Im aktuellen Haushalt 2006 klafft ein Loch von 43 800 Euro. Mehr als 88 000 Euro beträgt das Gesamtdefizit. Auch die 8500 Euro, um die der Haushalt 2005 besser abschneidet als geplant, machen den Kohl nicht fett. Das geringere Minus stammt vor allem aus einer erhöhten Nachzahlung der Grundsteuern A und B. In die Bredouille bringe Gräfendhron wie andere defizitäre Gemeinden die Entscheidung des Landes, die Bedarfszuweisungen rapide zurückzuschrauben, erklärte Michael Suska von der Verbandsgemeinde-Verwaltung. Allein aus den beiden vergangenen Jahren fehlen auf diese Weise 40 000 Euro, die das Land nicht übernommen hatte. Dennoch geht der Schuldenstand des Ortes von 143 000 Euro leicht zurück auf 139 000 Euro. 10 000 Euro sind für die Friedhofssanierung vorgesehen. Dringend in Angriff genommen werden muss nach Ansicht von Ratsmitglied Hans-Günther Steinmetz der Vorplatz. "Bei Frost müssen wir hoffen, dass nicht noch die letzte Platte wegplatzt." Andere Dinge seien ebenso wünschenswert, aber wir "beschränken uns auf das Nötigste". Einsparpotenziale sieht auch Suska nicht mehr. Die freiwilligen Leistungen seien minimal. Uwe Wolf sah dagegen noch Einsparpotenzial beim Zweckverband Erbeskopf, an dem die Gemeinde Gräfendhron mit einem Prozent beteiligt ist. Das bringe dem Ort keine Einnahmen, nur Ausgaben. Steinmetz konnte dies nicht nachvollziehen. Schließlich sei am Erbeskopf ein positiver Trend zu erkennen. Nach Ansicht von Ortsbürgermeister Herbert Züscher sitzt Wolf einem Trugschluss auf. Wenn Gräfendhron sich aus dem Verband verabschiede, müsse man immer noch mitbezahlen. Ein entsprechender Antrag Wolfs wurde mit einer Ja- und sechs Neinstimmen abgelehnt. Wolf bat Suska im Nachhinein zu prüfen, ob der Ortsbürgermeister als Betreiber der Sommerrodelbahn am Erbeskopf bei dieser Entscheidung nicht befangen gewesen sei. Suska als Vertreter der Verwaltung sah dies allerdings anders. Der Haushalt wurde mit einer Gegenstimme verabschiedet.