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"Hello again": Nach dem Lesesommer ist vor dem Lesesommer

"Hello again": Nach dem Lesesommer ist vor dem Lesesommer

Wer glaubt, die junge Generation schaue nur aufs Mobiltelefon, irrt. In Wittlich gibt es einen Beweis: Die Stadt hat seit acht Jahren landesweit die meisten Teilnehmer beim Lesesommer. Das heißt, außergewöhnlich viele Schüler lesen freiwillig über einen bestimmten Zeitraum möglichst viele Bücher, weil es ihnen Spaß macht. Die Jugend von heute eben.

Wittlich. Wer jung ist und gerne liest, kennt eine besondere Jahreszeit: den Lesesommer. Bei dieser Aktion können Schüler landesweit aus einem vorgegebenen Kontingent Bücher ausleihen, lesen und sich einem Interview stellen.
Die Stadt Wittlich ist dabei landesweiter Rekordhalter seit dem achtjährigen Bestehen dieses Projekts, das eine Kooperation der Schulen und insbesondere der Stadtbücherei und Kreisergänzungsbücherei zur Leseförderung ist. "Insgesamt haben in den acht Jahren 6736 Kinder am Lesesommer in Wittlich teilgenommen. Und Wittlich hatte immer die höchste Teilnehmerzahl in Rheinland-Pfalz, mehr als die Großstädte Trier, Mainz, Kaiserslautern", sagt Elke Scheid, Leiterin der Stadtbücherei: "Wir erreichen die Kinder und Jugendlichen durch eine intensive Zusammenarbeit mit den Schulen und eine gute Information der Lehrer über die Aktion Lesesommer, die ihre Schüler gezielt animieren, am Lesesommer der Stadtbücherei Wittlich teilzunehmen. Hinzu kommen eine gute Öffentlichkeitsarbeit und attraktive Preise. Die große Abschlussparty in Bungerts Oktoberfestzelt ist für Kinder schon ein Ereignis, an dem sie gerne teilnehmen möchten und wofür sie bereit sind, auch etwas zu investieren."
An der Finanzierung beteiligt sich die Stiftung Stadt Wittlich. Für den kommenden Lesesommer gibt sie 8000 Euro für den Kauf neuer Literatur. Die meisten Bücher aus dem Vorjahr wurden jetzt an die Schulbibliotheken übergeben: Immerhin 650 verschiedene Titel.
Im neunten Lesesommerjahr 2016, das am 3. Juli beginnt, gibt es Neuigkeiten: Statt Fotos werben Comicfiguren, wie der "Bookman", für den Leseclub. Außerdem kann jeder zum ersten Mal auf der landesweiten Lesesommer-Homepage online Buchtipps abgeben. Dazu sucht die Stadtbücherei Kinder und Jugendliche, die vorab die brandaktuellen Bücher lesen und bewerten wollen. Wer Lust hat, kann sich bis zum 11. März bei der Stadtbücherei in Wittlich melden und zu Beginn der Osterferien seine Favoriten ausleihen. Und in Wittlich gibt es noch was Neues: Als einzige Bibliothek in Rheinland-Pfalz bietet die Stadtbücherei zum ersten Mal auch einen englischsprachigen Lesesommer an, eine Idee von Büchereimitarbeiterin Annette Münzel. Die aktuellen englischen Jugendbücher können von Schülern ab Ende der siebten Klasse gelesen werden. Und das Interview danach wird auch in Englisch sein, voraussichtlich an einem festen Nachmittag in der Woche.
Es haben sich bereits einige Muttersprachler als Interviewer zur Verfügung gestellt, weitere Freiwillige sind willkommen. Elke Scheid sagt zur Landes-Premiere: "Der englische Lesesommer soll vor allem die älteren Schüler motivieren, sich zu beteiligen. Für zum Teil schon langjährige Teilnehmer stellt diese Variante eine neue Herausforderung dar.
Die weiterführenden Schulen sollen damit angeregt werden, den Lesesommer noch mehr zu honorieren und im Zeugnis anzuerkennen." sos
Extra

Auch der Lesesommer ist ein Projekt, das auf die Hilfe Freiwilliger angewiesen ist. Stadtbüchereileiterin Elke Scheid: "Letztes Jahr waren es 604 Stunden. In den acht Jahren insgesamt 4228 Stunden. Allein mit dem Stammpersonal wären die rund 5600 Interviews eines Lesesommers nicht zu schaffen." Die Arbeit lohne sich, denn: "Durch den Lesesommer werden zahlreiche Schüler motiviert, auch in der Freizeit zum Buch zu greifen und dadurch ihre Lesefähigkeit zu verbessern. Gerade leseungewohnte Kinder können so an das Lesen von Büchern herangeführt werden und entdecken häufig, dass es sogar Spaß macht. " sos