Junge Sänger braucht das Land - und die Alten auch noch

Junge Sänger braucht das Land - und die Alten auch noch

Für die Chöre im Kreis Bernkastel-Wittlich ist es schwierig, junge Sänger zu gewinnen. Dennoch gibt es Hoffnung, wenn neue Wege beschritten werden. Das hat die Delegiertenversammlung des Kreischorverbandes (KCV) deutlich gemacht.

Neumagen-Dhron. Theo Ostermeier hat als Geschäftsführer des Kreischorverbands (KCV) die Entwicklung der Chöre über mehr als ein Vierteljahrhundert verfolgt. Als er 1986 in den Vorstand gewählt wurde, gab es 2392 Aktive in 72 Gesangsvereinen. Heute sind es nur noch 1395 Aktive in 52 Vereinen, teilt der scheidende Geschäftsführer in seinem letzten Bericht für die Jahresversammlung des Verbandes mit.
Diese Entwicklung bedauert auch der Vorsitzende des Kreischorverbands, Heribert Kappes. In seinem Bericht, den er erstmals mit einer Powerpoint-Präsentation unterstützt, geht auch er auf die Entwicklung ein. Schon wieder haben zwei Chöre ihre Tätigkeit eingestellt, sagt er. Es gebe strukturelle Veränderungen durch den demografischen Wandel. "Niemand hat ein Patentrezept", sagt Kappes. "Es gilt, neue Wege zu suchen". Dass dies bereits umgesetzt wird, belegt Kappes mit erfolgreichen Jugendworkshops des Kreischorverbands. So hätten beispielsweise mehr als 100 Kinder und Jugendliche im März des vergangenen Jahres an einem Workshop des Kreischorverbandes teilgenommen.
Das junge Gesangsensemble des KCV unter der Leitung von Ingrid Wagner belegt mit seinem musikalischen Beitrag, dass der Chorgesang auch junge Menschen ansprechen kann. Die jungen Frauen und zwei Männer begeistern mit einem alten Volkslied, aber auch mit "Oh happy day". Ein besonderes musikalisches Highlight der Versammlung ist der Gesangsbeitrag von Sandra Ballmann, die bei "Jugend musiziert" in der Sparte "Gesang Pop solo" beim Landeswettbewerb den zweiten Platz belegt hatte. Auch sie zeigt eine Kostprobe ihres Könnens.
Doch bei einer Jahresversammlung stehen neben musikalischen Beiträgen auch Vorstandswahlen an. Während der Großteil der ehrenamtlich Engagierten auch weiterhin für sein Amt zur Verfügung steht und auch gewählt wird, legt der 77-jährige Theo Ostermeier sein Amt als Geschäftsführer nieder. Die Versammlung wählt den bisherigen Kreisvorsitzenden für die Region Eifel, Leo Raskob. Dessen bisheriges Amt bleibt zunächst vakant, weil sich kein Nachfolger in der Versammlung findet.
Theo Ostermeier erhält die Ehrenmitgliedschaft des KCV. In seiner Abschiedsrede geht er noch einmal auf die Entwicklung des Chorgesangs ein. Man müsse darauf reagieren, dass sich die jungen Menschen heute nicht mehr so in eine Vereinsstruktur einfügen könnten. "Haben wir uns zu lange unbeweglich gezeigt?", gibt sich Ostermeier auch selbstkritisch. Ostermeier hört lobende Worte von Heribert Kappes. Die Versammlung erhebt sich und zollt dem langjährigen Vorstandsmitglied Anerkennung. Der wird aber auch künftig noch dabei sein. "Ich werde dem Chorgesang treu bleiben", verspricht er.
Gastgeber der Versammlung ist der Frauenchor Neumagen-Dhron, der die Veranstaltung mit drei Liedern eröffnet.

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