Rechts oder links?

WITTLICH-BOMBOGEN. Er sorgte für Verwirrung, unser Beitrag über das Neuerburger Wappen. Warum in den Beschreibungen von Wappen stets "links" steht, wenn rechts gemeint ist, erläutert Jost Hausmann vom Landeshauptarchiv Koblenz.

Bis vor wenigen Jahren war die Genehmigung von Wappen Sache des Innenministeriums. Inzwischen kümmert sich für unsere Region das Landeshauptarchiv in Koblenz darum, und das in Person von Jost Hausmann. Wie das meiste im Leben ist auch die uralte Heraldik strengen Regeln unterworfen, die nur kennt, wer sich intensiv damit befasst. In der Farb- und Motivwahl sind die Gemeinden keineswegs frei. Auch bei der Anordnung der unterschiedlichen Felder innerhalb des Wappens müssen Gesetzmäßigkeiten eingehalten werden, wobei Hausmann berät und kooperiert, wie erst im vergangenen Jahr die Gemeinde Schwarzenborn, die sich ein neues Wappen gab, erfahren durfte (der TV berichtete). Nun gab sich der Wittlicher Stadtteil Neuerburg zwar kein neues Wappen: Seines existiert bereits seit 1949. Dennoch stand das Thema auf der Tagesordnung der vergangenen Ortsbeiratssitzung. Jutta Sack hatte Ortsvorsteher Reinhold Westhöfer angerufen: Sie arbeitet an einer Veröffentlichung über sämtliche deutschen Wappen und benötigt deshalb auch das von Neuerburg. Allein: Es fehlte die Beschreibung. "Wolken" sind ein goldener Dreiberg

In der Sitzung noch war die Rede von einer Burg, drei Talern im oberen linken Eck und ein paar seltsam anmutenden gelben "Wolken" im unteren Bereich. Die Beschreibung von 1949, als noch niemand an die Eingemeindung nach Wittlich dachte, klärt auf. Westhöfer ließ sie sich inzwischen kommen. Keinesfalls Wolken sind auf dem Wappen abgebildet, sondern ein goldener Dreiberg. Hausmann: "Der Dreiberg ist ein simples Symbol für einen Berg." In diesem Fall soll es an den Berg erinnern, auf dem die Trierer Erzbischöfe Albero und Hillin in den Jahren 1146 bis 1168 das novum castrum in Neuerburg erbauten - daher resultiert wahrscheinlich auch der Ortsname. Die roten Münzen, die Jost Hausmann, wenn er die Beschreibung hätte ausformulieren sollen, lieber "Kugeln" genannt hätte, erinnern vermutlich an das Wappen des Rittergeschlechtes derer von Neuerburg aus dem Hause Vianden: Die führten ebenfalls drei Münzen im Wappen. Im ersten Entwurf des Neuerburger Wappens 1949 hatte Heraldiker Josef Decku, ein Vorgänger Hausmanns, statt der roten Münzen das kurtrierische Kreuz vorgesehen: Münzen kommen schlichtweg in zu vielen kommunalen Emblemen vor und stellen ein schlechtes Unterscheidungsmerkmal dar. Dennoch machten die Münzen später das Rennen, wie in der Beschreibung bis heute zu lesen ist: "...im rechten Oberecken in Silber drei rote Münzen". Nanu, dachten sich die Mitglieder des Neuerburger Ortsbeirates, die Münzen sind doch oben links! Was der Betrachter vermeintlich als Fehler entlarvt, hat in Wahrheit nachvollziehbare historische Gründe. Die heraldische Fachsprache geht bei ihrer Beschreibung vom Blickwinkel des Ritters aus, der den Schild trägt. Hausmann: "Stellen Sie sich also vor, Sie sind der Ritter und reiten mit dem Schild vor der Brust auf jemanden zu." Dies also ist des Rätsels Lösung: Für den Ritter hinter dem Schild befindet sich auf der rechten Seite, was der Betrachter links sieht, und umgekehrt.