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Viele Tücken für Tiere und Pflanzen

Viele Tücken für Tiere und Pflanzen

Mit Beginn des Frühlings tummeln sich im Wald nicht nur viele Spaziergänger, sondern demnächst möglicherweise auch mehr Wildnachwuchs. Doch die Folgen des milden Winters haben viele Facetten.

Hunsrück. Auf den ersten Blick können sich die Tiere des Waldes über einen warmen Winter nur freuen. Nicht nur, dass Reh- und Schwarzwild weit problemloser an Nahrung kommen. Die Sterblichkeitsrate geht auch deutlich nach unten. "Und zwar bei allen Tierarten", sagt Bernd Lischke, der Erbes kopf-Erlebnisförster. Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, die Population könnte im Laufe des Jahres "explodieren", wäre seiner Ansicht nach aber falsch: "Das ist mit Sicherheit nicht der Fall." Dafür spielten zu viele Faktoren eine Rolle. So setze ein trockener Sommer den Jungtieren unter Umständen weit mehr zu. Wenn Frischlinge in harten Böden nach Wurzeln oder Engerlingen wühlten, sei das für die Tiere harte Arbeit. Ein regenarmer Sommer könne daher mehr Ausfälle verursachen als ein eiskalter Winter. Probleme bereite aber auch frisches Grün, das für den auf karge Nahrung eingestellten Reh- oder Rotwild-Magen nicht bekömmlich sei und häufig Durchfall verursache. Doch auch für kleinere Tiere oder die Pflanzenwelt hat ein milder Winter seine Tücken. So können Amphibien bei verspäteten Kälteeinbrüchen unter Eis geraten oder Spätfröste Blütenansätze schädigen. Abgesehen davon vermehren sich Schädlinge über Gebühr, während der Wasservorrat schrumpft, da sich bei allmählich ablaufendem Wasser ein größerer Grundwasserspeicher aufbauen kann.Waldarbeiter konnten durchgehend arbeiten

Für in der Region neuerdings anzutreffende "Exoten" ist der milde Winter hingegen ein Segen. Tiere wie Zebraspinne oder diverse Libellen-, Heuschrecken- und Schwärmerarten wandern laut Lischke beständig weiter nach Norden.Doch ein warmer Winter hinterlässt natürlich auch im Wald selbst seine Spuren, die Waldläufer oder Spaziergänger als Hindernisparcours kennen. Denn ab und an führt an matschigen und verfahrenen Wegen einfach kein Weg mehr vorbei. Die tiefen Spuren, die schwere Maschinen im Waldboden eingraben, lassen manchen Frühlingsspaziergang zu einer Schmuddeltour ausarten. Dennoch sind die wieder auszubessernden Wege nur eine Frage der Optik, obschon die damit verbundenen hohen Kosten bei kommunalen Waldeigentümern für Unmut sorgen. Das größere Problem sieht Jürgen Schmidt, Technischer Produktionsleiter des Forstamts Dhronecken, aber in den verfahrenen Rückegassen. Die Schäden in den Beständen in Grenzen zu halten, sei jedoch Sache des jeweiligen Revierleiters. Denn trotz des Drucks einer "just in time"-Vermarktung auf dem Holzmarkt könne nur dieser sagen: "Stopp - es geht nicht mehr". Ein weiteres Riesenproblem infolge milder Winter ist laut Schmidt der Borkenkäfer, der sich bei einer Brut um den Faktor 20 vermehren könne. Dem ab einer Außentemperatur von 18 Grad einsetzenden Schwärmflug der Tiere steuert der Forst derzeit mit der Vernichtung bevorzugter Brut räume ein. Ein positiver Nebeneffekt der "Entsorgung" von gefälltem Kronenholz und unteren Fichtenstämmen ist deren energetische Nutzung. Laut Schmidt hat der nahezu frostfreie Winter aber auch sein Gutes: "Ein Vorteil ist, dass wir die Waldarbeiter durchgehend beschäftigen konnten."