Von Napoleon bis Walter

KLAUSEN. Es steht im Schatten der Wallfahrtskirche – das Hotel Klausenhof. Alt, ehrwürdig ist es und eines der ältesten Hotels in der Region.

"Gebaut worden ist das Haus zwischen 1442 und 1472, damals als einzige Gaststätte außerhalb der Klostermauern", erzählt Senior-Chef Schorsch Schühlein. Da das Hotel aber von Prior Hermann Kleymann gebaut worden war, gehörte es trotzdem zum kirchlichen Besitz. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Zu Napoleons Zeiten - der übrigens selbst auch Hotelgast war - wurde der Klausenhof enteignet und ging in Privatbesitz über. Wegen der schweren Familienverhältnisse wurde das Haus geteilt. Eine Hälfte bekam die Familie Schenden, die andere Hälfte die Familie Becker - die direkten Vorfahren von Schorsch Schühleins Frau Marlies. Die half ihrer Mutter Gerda nach dem Krieg, das Hotel wieder voran zubringen. "Zunächst wohnten hier im Haus 6 Familien. Die Hotelgäste schliefen in der Gaststätte. Abends die Tische raus, Stroh rein, fertig" , erinnert sich Schorsch Schühlein. Eine Übernachtung kostete damals einen Groschen. 1965 übernahmen Marlies und Schorsch dann das Hotel und bauten in ihrer Hälfte des Hauses die Hotelzimmer aus. 1980 kauften sie den zweiten Teil des Gebäudes von der Familie Schenden zurück. "Der Teil des Hotels war total verwahrlost. Wir haben da fast ein ganz neues Haus hingestellt", erzählt Schühlein. Damals in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren war das Hauptgeschäft im Klausenhof vor allem auf die Langzeiturlauber ausgerichtet. Holländer, Belgier und Franzosen mieteten sich oft wochenlang im Hotel ein. "Heute ist die Pilgerei unser großes Geschäft", erklärt Schorsch Schühlein. "Es kommen viele Busse mit Menschen, die die Wallfahrtskirche besichtigen wollen." Altes Haus mit modernen Zimmern

Besonders stolz ist Schühlein aber auf seine prominenten Hotelgäste, die in Klausen Station machten: "Der Fritz Walter war hier und unser ehemaliger Ministerpräsident Bernhard Vogel hat auch schon mal hier geschlafen." Der Klausenhof verfügt heute über 60 Betten. "Es ist ein altes Haus, aber wir haben absolut moderne Zimmer", sagt Andreas Schühlein. Er führt das Hotel in mittlerweile achter Generation gemeinsam mit seiner Frau Kirsten, die von der Nordseeinsel Juist stammt. Thomas ist auch der Küchenchef und ist in der Region anerkannt für seine internationalen Gerichte. Mutter Marlies steht mit ihren 70 Jahren noch hinter der Theke und hält den einen oder anderen Plausch mit den Gästen, und Vater Schorsch bezeichnet sich selbst als "Mädchen für alles". Eine Familienidylle, die sich nicht groß ändern soll. Andreas Schühlein sagt: "Ich will das Haus nicht mehr vergrößern. Wir werden weiterhin verschiedene Aktionen haben wie Grillabende oder Weinproben, aber sonst bleibt alles so, wie es ist." Und ob es noch eine neunte Generation im Klausenhof gibt, das entscheidet sich wohl erst in einigen Jahren. Andreas' Kinder Rebecca (8 Jahre) und Andreas Junior (12 Jahre) haben noch ein wenig Zeit.

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